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Neues Leben wird dem Bebauungsplanverfahren »Kaspernfeld« eingehaucht. Auf 5 000 Quadratmetern können unterhalb des Hotels »Rehlegg« neue Wohngebäude entstehen. (Foto: Thomas Jander)

Für zusätzlichen Wohnraum werden alle Register gezogen – Gemeinderat Ramsau will alle Bebauungspläne überprüfen lassen

Ramsau – Mit sehr klaren Worten hatte Bürgermeister Herbert Gschoßmann bei der jüngsten Bürgerversammlung deutlich gemacht, wie sehr ihm persönlich, aber auch allen Gemeinderatsmitgliedern das Thema »Bezahlbarer Wohnraum« unter den Nägeln brennt. Den großen Sorgen folgen nun Taten. In der jüngsten Sitzung des Ramsauer Gemeinderats wurde unter anderem darüber informiert, dass alle bestehenden Bebauungspläne überprüft werden sollen. Dies soll zeigen, wo und in welcher Form Möglichkeiten für zusätzlichen Wohnraum bestehen. Der Beschluss dazu wurde bereits im Juli in einer nicht-öffentlichen Sitzung gefasst.


Konkret geht es in einem ersten Schritt um die bestehenden Bebauungspläne »Am Forstamt« und »Hintermühle« mit dem Status »Wohnen«. Die sind schon rund 20 Jahre alt, nicht zuletzt deswegen würde eine Überprüfung Sinn ergeben. »Die Zeiten haben sich geändert«, merkte Gschoßmann an und nannte als Beispiel die Nutzung von Dachgeschossen. Schrittweise soll deswegen zusammen mit einem Planungsbüro überprüft werden, welche Möglichkeiten rechtlich und baulich bestehen.

Aber auch die Grundeigentümer sollen eingebunden und befragt werden, was sie sich in Zukunft vorstellen. Und das alles mit einer klaren Zielsetzung: »Absolute und alleinige Priorität hat Wohnraum, der für dauernde Nutzung vorgesehen ist.«

Etwas zaghafter soll der Bebauungsplan »Reichlfeld« angefasst werden. Zaghafter deswegen, weil es sich hier um ein Gewerbegebiet handelt. »Und der Gemeinderat will dabei bleiben«, machte der Bürgermeister klar. Da es dazu aber schon Diskussionen gab, soll nun zumindest mit den betroffenen Grundeigentümern das Gespräch gesucht werden. »Dann werden wir schauen, ob es beim ›Nein‹ bleibt, momentan ist es erst mal so«, verdeutlichte Gschoßmann.

Tatsächlich konnte das Gemeindeoberhaupt sogar noch einen Joker aus dem Ärmel ziehen, nämlich den Bebauungsplan »Kaspernfeld«. Vor rund zehn Jahren wurde hier vom Gemeinderat der Aufstellungsbeschluss gefasst, dann ist das Vorhaben aber auf Eis gelegt worden. Der Grund: Das Gelände unterhalb des »Rehlegg« ist hochwasser-gefährdet, entsprechende Untersuchungen wurden notwendig. Diese fielen in die Zuständigkeit des Wasserwirtschaftsamts Traunstein und ließen lange Zeit auf sich warten, zumindest die Ergebnisse. Seit Oktober liegen die nun vor und sind auch noch positiv für die Gemeinde: Die Fachbehörde hat grünes Licht gegeben, damit kann die Gemeinde die Ausweisung von Bauland nun wieder vorantreiben.

Rund 5 000 Quadratmeter hat die infrage kommende Fläche. Die braucht allerdings eine ausgewogene Planung, denn das Hanggrundstück weist einen Höhenunterschied von immerhin zehn Metern auf. Der Gemeinderat will sich hier auch womöglich von alten Zöpfen trennen; wie zu hören war, gibt es eine Tendenz, nicht mit klassischen Einfamilienhäusern zu planen. Das bestätigt der Bürgermeister auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«: »Wir wollen einen etwas anderen Weg gehen als in der Vergangenheit. Die Flächennutzung soll so optimiert werden, dass möglichst viel Wohnraum geschaffen wird.« Ein weiterer Vorteil von kleineren Parzellen liegt für ihn ebenso auf der Hand: Die Kosten bleiben in einem machbaren finanziellen Rahmen. Denn die Nachfrage nach leistbarem Wohnraum ist in der Ramsau groß, weiß Gschoßmann: »Wir machen alle drei Jahre eine Bedarfsanalyse, die Nachfrage ist groß. Zum Teil weichen die Leute auf die Nachbargemeinden aus. Ein Ramsauer will aber auch gern in der Ramsau bleiben.«

Der Bebauungsplan »Kaspernfeld« könnte also manche Probleme lösen. Dabei soll das Ganze dann immer noch als Ramsau erkennbar bleiben. »Das Ortsbild muss gewahrt bleiben«, gibt Geschäftsleiter Martin Willeitner den Willen des Gemeinderats wieder, denn immerhin liegt das fragliche Grundstück auch entlang der Ortsdurchfahrt.

Gemeinsam mit dem Planungsbüro sollen für das »Kaspernfeld« nun die nächsten Schritte und ein realistischer Zeitplan ausgearbeitet und dem Gemeinderat »baldmöglichst« vorgestellt werden. Gschoßmann ist spürbar optimistisch, was dieses Projekt angeht: »Ich bin so positiv, wie ich die letzten Jahre nicht war.«

Für die Bebauungspläne »Am Forstamt« und »Hintermühle« sollen dem Gemeinderat erste Studien bis März 2023 präsentiert werden. »Wir wollen damit möglichst schnell in die Realisierung gehen«, betonte der Bürgermeister.

Thomas Jander

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