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Gipfelsturm im Kreisverkehr

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Präsentierten das neue Kunstwerk inmitten des Ramsauer Kreisverkehrs (v.l.): Tourismuschef Fritz Rasp, Künstler Kian Bartels, 2. Bürgermeister Rudi Fendt und Unterstützer Bernd Kubicke. (Foto: Ulli Kastner)

Ramsau – Ein berühmtes Foto von Raphael Hang, dem bekannten Ramsauer Bergsteiger und ersten Hüttenwirt auf der Blaueishütte, war Vorlage für eine Holzskulptur, die der junge Ramsauer Künstler Kian Bartels im Auftrag der Gemeinde schuf. Das Kunstwerk zieht seit Kurzem die Blicke im neuen Ramsauer Kreisverkehr auf sich. Nun sind die Initiatoren der Aktion um 2. Bürgermeister Rudi Fendt gespannt, wie die pinkfarbene Hose der Skulptur ankommt. Dieses außergewöhnliche i-Tüpfelchen auf seinem Werk hatte sich Bartels nicht nehmen lassen.


Der Gipfelsturm inmitten des Ramsauer Kreisverkehrs ist nun perfekt. Bereits im letzten Jahr hatte die Gemeinde mit Erlaubnis des Nationalparks einen sieben Tonnen schweren Stein, den man unterhalb der Mühlsturzhörner im Klausbachtal gefunden hatte, von der Firma Fendt an den markanten Punkt am Ramsauer Ortseingang bringen lassen. Unbekannte Scherzbolde errichteten wenige Tage später darauf ein Gipfelkreuz aus Lärche mit Gipfelbuch und gaben dem Felsbrocken den Namen »Kreisel-Köpfl«. Weil das durchaus dem Image des »Bergsteigerdorfes« entsprach, hielt man am Thema fest und ließ nun noch einen hölzernen Bergsteiger erschaffen, der die letzten Meter zum Gipfel des »Kreisel-Köpfls« erklettert.

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Ein Arbeitskreis

Für die Umsetzung des Projekts hatte sich in der Ramsau extra ein Arbeitskreis gegründet. »Wir wollten mit dem Kunstwerk dem Charakter des Bergsteigerdorfes gerecht werden und gleichzeitig Nachhaltigkeit demonstrieren«, betonte 2. Bürgermeister Rudi Fendt, der am Montagnachmittag zu einer kleinen Einweihungsrunde inmitten des Kreisverkehrs geladen hatte. Aus diesem Grunde beauftragte man den einheimischen Künstler Kian Bartels mit der Schaffung eines Bergsteigers aus Eichenholz. Grundlage sollte ein berühmtes Foto sein, das der Fotograf Ernst Baumann einst von Raphael Hang in der Watzmann-Ostwand geschossen hatte.

Natürlich nahm Kian Bartels den Auftrag aus seiner Heimatgemeinde gerne an, wenngleich ihm die an traditioneller Darstellung orientierten Wünsche der Auftraggeber zunächst nicht ganz so behagten. Doch der 22-Jährige wusste schnell, wie er sich doch noch mit künstlerischer Freiheit und Kreativität einbringen konnte. Da wurden die Haare des Darstellers halt etwas länger und die Bergsteigerhose bekam einen pinkfarbenen Anstrich.

Kontroverse Diskussionen um die Hosenfarbe

Fendt räumt schmunzelnd ein, dass es kontroverse Diskussionen um die Hosenfarbe gegeben habe. Auch dem Kommunalpolitiker selbst hat der außergewöhnliche Farbtupfer zunächst nicht gefallen. Fendt: »Doch nach entsprechender Gewöhnungszeit wusste ich: Das ist es!« Ähnlich erging es am Montag bei der Inaugenscheinnahme dem Ramsauer Unternehmer Bernd Kubicke, dessen Familie die Aktion finanziell unterstützt hatte. Vom Lob für das gelungene Kunstwerk nahm Kubicke zunächst nur die Hosenfarbe aus. Doch wenig später räumte auch Kubicke lachend ein: »Jetzt habe ich mich auch daran gewöhnt.« Und vielleicht werde das Kunstwerk ja so noch besser zur bald erblühenden Alpenblumenwiese im Kreisverkehr passen. Dass es über die Farbgestaltung in nächster Zeit wohl noch Diskussionen im Ort geben wird, weiß auch Tourismuschef Fritz Rasp. Doch immerhin hat die Gemeinde Ramsau mit dem Bergsteiger zwischen Tradition und Moderne nun ein neues Alleinstellungsmerkmal.

Eichenholzstamm aus Kuchl

Entstanden ist die Figur aus einem rund 600 Kilogramm schweren Eichenstamm. Den hat man sich vom Holztechnikum in Kuchl geholt und in Kian Bartels' Werkstatt transportiert. »Bei der Aktion haben viele zusammengeholfen«, betonte Rudi Fendt und erwähnte unter anderem auch das Staatliche Bauamt Traunstein, das für die Gestaltung des Kreisverkehrs Mittel zur Verfügung gestellt hatte. Nun hoffen alle, dass das originelle Gipfelsturm-Ensemble inmitten des Ramsauer Kreisverkehrs für lange Zeit von Vandalismus verschont bleibt.

Kian Bartels hat von 2015 bis 2018 die Ausbildung zum Holzbildhauer an der Berchtesgadener Schnitzschule absolviert. Aktuell studiert der 22-Jährige an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe Freie Kunst in der Fachrichtung Bildhauerei. Raphael Hang, an den die Skulptur erinnern soll, wurde 1928 der erste Hüttenwirt auf der Blaueishütte. Der begeisterte Bergsteiger, Skilehrer und Bergwachtchef bewirtschaftete sie 50 Jahre lang bis 1978.

Ulli Kastner

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