Karl Komposch: ein Macher mit Ecken und Kanten

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Im Archiv der Alpenvereinssektion Berchtesgaden unterstützte Karl Komposch jahrelang die DAV-Archivarin Bärbel Sigl. (Foto: privat)

Ramsau – Einfach war der Umgang mit Karl Komposch nie, denn der Ramsauer verlangte seinen Gefährten, aber auch sich selbst immer sehr viel ab. So akzeptierte der langjährige Bergwachtchef, Ramsauer Gemeindekämmerer und Chronist kein Lob für sein jahrzehntelanges Engagement in verschiedenen Bereichen. Kurz vor seinem 101. Geburtstag am 6. Oktober ist Karl Komposch jetzt in der »Insula« für immer friedlich eingeschlafen.


Aufgewachsen ist Karl Komposch als Drilling in einer Ramsauer Großfamilie mit insgesamt neun Kindern, von denen mittlerweile keines mehr lebt. Seine beiden Drillingsbrüder sind im Krieg gefallen. Die Eltern Max und Katharina, beide Lehrer, sind in die Ramsau zugezogen und haben die Kinder streng erzogen.

Karl Komposch arbeitete nach der Schule und der Schreinerlehre zunächst in Ramsauer Schreinerbetrieben. Später blieb auch ihm der Kriegsdienst, der ihn nach Frankreich, Polen, Ungarn und Bulgarien brachte, nicht erspart. Selbst eine Verwundung kurz vor Kriegsende bewahrte den Ramsauer nicht vor der Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 in seine Heimat zurückkehrte.

Nach dem Krieg war Karl Komposch zunächst den Sommer über im Ramsauer Verkehrsbüro beschäftigt, im Winter arbeitete er als Skilehrer im Walsertal. Im Jahr 1970 übernahm er nach entsprechender Fortbildung das Amt des Gemeindekämmerers, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1983 ausübte. Danach sortierte er als ehrenamtlicher Archivbetreuer der Gemeinde Ramsau über viele Jahre hinweg historische Fotos und Dokumente. Er entwickelte sich dadurch zum akribischen Chronisten. Es folgten die Herausgaben einer gemeindlichen Kurzchronik zusammen mit Hans Stöckl, des Bildbands »Ramsau wie's früher war« und eines Buchs über die gefallenen und vermissten Ramsauer. Darüber hinaus unterstützte er viele Jahre lang Bärbel Sigl im Archiv der Alpenvereinssektion Berchtesgaden.

Den allergrößten Teil seines Lebens aber war Karl Komposch leidenschaftlicher Bergwachtmann. Bereits 1946 stieß er zur Ramsauer Bergwacht, bei der er im Laufe der Jahre die verschiedensten Ämter übernahm – Kassier, Schriftführer, Ausbilder, stellvertretender Bereitschaftsleiter und schließlich Bereitschaftsleiter. 26 Jahre Jahre lang stand Komposch an der Spitze der Bergwacht Ramsau, bis er die Leitung 1985 an Peter Hillebrand übergab. Darüber hinaus war er vier Jahre lang stellvertretender Leiter des Abschnitts Chiemgau und zehn Jahre Abschnittsleiter. 14 Jahre lang gehörte Komposch dem Landesausschuss der Bergwacht an und zehn Jahre lang dem Vorstand des BRK-Bezirksverbands München-Oberbayern. In seine Zeit als Abschnittsleiter fielen zahlreiche Umstrukturierungen im Bergrettungswesen.

Karl Komposch leistete aber auch jahrzehntelang wichtige Arbeit beim Aufbau der Bergrettung in Bayern, er gilt als Wegbereiter der modernen Bergwacht. Schließlich ließ der Ramsauer seine jahrzehntelangen Erfahrungen in der Bergrettung in die Verbesserung der Ausrüstung und in die Modernisierung der Rettungspraxis einfließen. An vielen Verbesserungen war Komposch selbst beteiligt: an der Erfindung der Gebirgstrage, am Einsatz von Hubschraubern sowie an der Anschaffung von Fahrzeugen und Meldeempfängern. Auch der Bau der Biwakschachtel in der Watzmann-Ostwand brachte Verbesserungen für die Bergrettung und mehr Sicherheit für die Ostwandbegeher. Karl Komposch war im Jahr 1949 dabei, als Ramsauer Bergwachtmänner sieben große Wellblechtafeln, hergestellt aus Tragflächen eines amerikanischen Flugzeugs sowie Drahtseile, Werkzeug und Matratzen bis nahe zur Südspitze hinauftrugen. Doch es schneite unaufhörlich, sodass ein Abseilen in die Ostwand unmöglich war. Die Biwakschachtel wurde dann zwei Jahre später von den Bergwachtkameraden aus Berchtesgaden errichtet. Mit dem Bau der neuen Rettungswache im Ramsauer Rathaus 1981 hatte Komposch ein weiteres wichtiges Ziel erreicht.

Für sein Engagement bei der Bergwacht erhielt Karl Komposch zahlreiche Auszeichnungen: die Leistungsauszeichnung der Bayerischen Bergwacht in Silber, das Grüne Kreuz des DAV für die Rettung aus Bergnot und das Goldene Ehrenzeichen der Bergwacht für 50-jährigen Einsatz – nur das Bundesverdienstkreuz wollte er nicht annehmen.

Still und bescheiden engagierte sich Karl Komposch auch beim Bau der Gedenkkapelle auf Kühroint. Akribisch forschte der Ramsauer nach den Namen der Verunglückten und Vermissten, die nun in der Kapelle dauerhaft festgehalten sind. Und schließlich fand der Ramsauer auch noch einen Termin, um seine Gertraud (Irlinger) in die Ehe zu führen. Die Heirat fand am 13. Dezember 1994 statt - da war Karl Komposch immerhin schon 75 Jahre alt.

Seinen Lebensabend verbrachte Karl Komposch in der »Insula«, wo sich das nahende Ende schon seit einiger Zeit abgezeichnet hatte. Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man feststellt, dass die Gemeinde Ramsau mit Karl Komposch einen Bürger mit Legendenstatus verliert.

Ulli Kastner

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