weather-image
13°

»Lockere Schrauben am Rad sind kein Fall für die 112« – Einsatzreicher Bergsommer und Watzmann-Hype

3.7
3.7
Königssee: Watzmann-Hype und einsatzreicher Bergsommer: Interview mit Rudi Fendt von Ramsauer Bergwacht
Bildtext einblenden
Einsätze bei Nacht dauern oft lange und sind schwierig. (Fotos: Bergwacht Ramsau)

Ramsau/Königssee – Die Bergwacht Ramsau war in diesem Sommer stark gefordert: Zu über 100 Einsätzen mussten die Ehrenamtlichen 2020 bereits ausrücken. Rudi Fendt, Bereitschaftsleiter der Ramsauer Bergwacht, spricht im »Anzeiger«-Interview über unerfahrene Berggeher sowie die Rettung unter Corona-Vorschriften und erklärt, warum er sich eine hauptamtliche Bergwacht nicht vorstellen kann.


Herr Fendt, kommt es einem nur so vor, oder waren in diesem Sommer tatsächlich mehr Menschen in den Bergen unterwegs?

Rudi Fendt: Es waren mit Sicherheit mehr Leute unterwegs. Das lag wohl daran, dass zunächst wegen Corona niemand unterwegs sein konnte und dann ist es richtig explodiert.

Anzeige

In den letzten Jahren gab es viele Einsätze im Bereich Ostwand. Heuer war es dort relativ still.

Fendt: In der Ostwand ist weniger los, weil das Ostwandlager geschlossen hat. Viele Bergsteiger haben sonst das Schiff genommen, sind über Nacht im Lager geblieben und dann die Ostwand gegangen. Diesen Sommer war nicht mal die Hälfte der Menschen dort. Die Ostwand sind also nur diejenigen gegangen, die sie in einem durchsteigen, die draußen biwakieren oder – auch ein neuer Trend – die Biwakschachtel nutzten.

Bein gebrochen, am Sprunggelenk verletzt, blockiert: Die Liste an Einsätzen im leichteren Gelände ist lang. Warum überschätzen sich viele Menschen?

Rudi FendtFendt: Ich würde nicht sagen, dass sich die Menschen überschätzen, sondern, dass sie sich nicht richtig einschätzen. Dann kommt es zu Blockaden oder dazu, dass sie dehydrieren.

Bereiten sich die Berggeher nicht mehr richtig vor?

Fendt: Ja. Kürzlich haben wir zum Beispiel Vater und Sohn gerettet. Das war die erste größere Bergtour – und dann gleich über den Watzmann. Bis zur Alarmierung waren die beiden bereits 14 oder 15 Stunden unterwegs. Auf die Frage, was der 20-jährige Sohn denn für einen Sport macht, weil er noch fertiger war als der Vater, hat er geantwortet, dass er ins Fitnessstudio geht und für die Ausdauer auf dem Laufband läuft.

Den Watzmann »muss man ja auch einmal gemacht haben«.

Fendt: Ja, der Berg ist ein Renommee. Das wird in der Heimat dann erzählt. Niemand kennt den Hochkalter, aber der Watzmann sagt vielen etwas.

Erst letztes Wochenende musste ein Münchner von der Wimbachgrieshütte abtransportiert werden, weil er sich Blasen an den Fußsohlen gelaufen hatte. Ist die Hemmschwelle, die 112 zu wählen, niedriger geworden?

Fendt: Die Hemmschwelle ist ganz klar niedriger geworden. Nicht bei allen, aber bei vielen. Heuer hat sogar jemand die 112 gewählt, weil an seinem Fahrrad im Bereich Kühroint Schrauben locker waren. Ich weiß nicht, ob da noch etwas nachkommt, denn das ist Missbrauch der Notrufnummer. Es gibt aber auch immer wieder Äußerungen von Gästen, wie: »Die warten ja nur auf Einsätze.«

Tatsächlich?

Fendt: Ja. Das krasseste waren heuer allerdings Urlauber, die ihrer Vermieterin erzählt haben, dass sie am nächsten Tag auf den Watzmann gehen wollen. Die Gastgeberin hat ihnen davon abgeraten – die Urlauber waren keine Berggeher – und gesagt, dass sie sonst nur die Bergwacht alarmieren müsste. Darauf haben sie dann geantwortet, dass das nichts ausmache, denn dann würde die Bergwacht den Reibach halt mal mit ihnen machen. Die haben also gedacht, dass die Bergrettung ein riesiges Geschäft ist oder wie der Landrettungsdienst darauf wartet, ausrücken zu müssen.

Über das Thema Einsatzkosten wird immer wieder heiß diskutiert. Wann zahlt die Krankenkasse, wann eine Versicherung?

Die Antworten auf diese und weitere Fragen lesen Sie im vollständigen Interview in der Printausgabe vom Samstag, 26. September, des Berchtesgadener Anzeigers.

Lena Klein

Mehr aus Ramsau