Nächtliche Rettungsaktion im Dauerregen: Vier Bergsteiger vom Watzmanngrat gerettet

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Zur Rettung der Bergsteiger mussten am Watzmanngrat aufwendige Seilgeländer errichtet werden. (Foto: Bergwacht)

Ramsau – Mit einem blauen Auge davon gekommen ist eine vierköpfige Bergsteigergruppe aus dem Bereich Hamburg und München bei der Watzmannüberschreitung. Weil ein 39-jähriger Hamburger wegen Knieproblemen unweit der Mittelspitze zunächst nicht mehr weiter konnte, waren 22 Rettungskräfte der Bergwachtbereitschaften Ramsau und Berchtesgaden bei kräftigem Regen teilweise die ganze Nacht unterwegs. Alle vier in Bergnot Geratenen konnten schließlich ohne größere Blessuren ins Tal gebracht werden. 


Trotz für den Nachmittag gemeldeter heftiger Gewitter war die Gruppe am Dienstagfrüh um 3 Uhr an der Wimbachbrücke aufgebrochen, um die Watz-mannüberschreitung in umgekehrter Richtung von Süd nach Nord in Angriff zu nehmen. Recht schnell kamen sie nicht voran, denn als gegen 15 Uhr der Notruf vom Watzmanngrat einging, war die Gruppe bereits zwölf Stunden unterwegs. Ein 39-jähriger Hamburger hatte etwas südlich der Mittelspitze solche Knieprobleme, dass er nicht mehr weitergehen konnte. Den vier Bergsteigern blieb nun nichts anderes übrig, als auf Rettung zu warten.

Bis die Rettungskräfte vor Ort waren, dauerte es allerdings etwas, denn ein Hubschrauber konnte wegen dichten Nebels und heftigen Sturms zunächst nicht fliegen. Etwas nervös war man vor allem, weil starke Gewitter angekündigt waren, was auf dem ausgesetzten Grat mit Drahtseilversicherungen schnell gefährlich werden kann. Die vier Bergsteiger befolgten deshalb den Rat der Bergwacht, etwas unterhalb des Grates auf Hilfe zu warten.

Die Bergwacht Ramsau schickte sehr rasch einen dreiköpfigen Voraustrupp an die Einsatzstelle, die auch schnell gefunden werden konnte. Zwei Bergsteiger aus der Vierergruppe machten sich mit Unterstützung der Bergretter schon einmal auf den Weg in Richtung Hocheck und Watzmannhaus. Bei teilweise heftigem Regen kamen sie allerdings nur sehr langsam voran. Als weitere Hilfskräfte der Bereitschaften Ramsau und Berchtesgaden mit großen Mengen an Material am Grat eintrafen, brachte man auf einer Länge von rund 150 Metern zwischen Hocheck und Mittelspitze zusätzliche Seilsicherungen an. Denn bis dahin war man immer noch davon ausgegangen, dass ein Liegendtransport des Verletzten notwendig sein würde. Zwar erschwerte die Nässe die Arbeiten deutlich, doch letztendlich waren alle froh, dass kein Gewitter über den Watzmann hereinzog. Zwischenzeitlich meinte man sogar, doch noch eine Hubschrauberbergung durchführen zu können. In zwei äußerst gewagten Aktionen versuchte der Notarzthubschrauber »Martin 1« aus St. Johann im Pongau gegen 22 Uhr den Verletzten am Grat aufzunehmen. Doch letztendlich scheiterte das Vorhaben.

Immerhin ging es dem Verletzten dann doch wieder so gut, dass er – gesichert und gestützt von den Einsatzkräften – selbst noch bis zum Hocheck gehen konnte. Während der andere Begleiter dann ebenfalls begleitet den Weg hinunter zum Watzmannhaus antrat, verbrachte der Verletzte mit einigen wenigen Rettern die Nacht ab 24 Uhr in der Unterstandshütte. Gegen 8 Uhr morgens ließ es das Wetter dann sogar zu, dass der Traunsteiner Rettungshubschrauber »Christoph 14« den 39-Jährigen rund 100 Meter unterhalb des Hochecks aufnehmen und in die Kreisklinik Berchtesgaden fliegen konnte. Das noch am Hocheck liegende Material soll dieser Tage mit dem Polizeihubschrauber geborgen werden.

Dass hier alle Beteiligten mit einem blauen Auge davon gekommen sind, ist dem gemeinschaftlichen Einsatz vieler Rettungskräfte zu verdanken. Auch die Wirte­familie Verst vom Watzmannhaus leistete durch ihre Kooperation einen erheblichen Beitrag zum Gelingen der Rettungsaktion. Ulli Kastner

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