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Naturdenkmal in untypischer Höhe

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Ramsau: Die Hindenburglinde ist ein Naturdenkmal in untypischer Höhe
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Die Große Linde im Jahr 1900. (Repro: Johannes Schöbinger)

Ramsau – Im neuesten Teil der »Anzeiger«-Serie »Berchtesgaden damals und heute« geht es um die Hindenburglinde. Das großartige Naturdenkmal steht an der Deutschen Alpenstraße etwa 150 Höhenmeter über dem Ramsauer Tal im Gnotschaftsbezirk Taubensee der Gemeinde Ramsau.


Für Biologen oder Forstwissenschaftler handelt es sich dabei um eine mächtige, einzeln stehende Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und ihr Standort in dieser Höhe ist für diese Baumart untypisch. Trotzdem konnte sie sich in einer enormen Vitalität zu diesem herausragenden Baum entwickeln.

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Dabei gilt es ferner zu bedenken, dass die Höhe des Standortes auch eine verkürzte Vegetationszeit bedingt. Diese Linde wächst auf einer einstigen Freiweidefläche, einer sogenannten Tratte. Schon die früheren Lehensbauern der Fürstpropstzeiten nutzten die Fläche als Viehweide (fast 1000 Quadratmeter) und holten sich den umfangreichen Laubstreu. Ein weiterer Bewuchs war nicht erlaubt beziehungsweise nicht möglich. So hatte die solitär stehende Linde genügend Raum, sich zu ihrer heutigen Größe zu entwickeln.

Erwähnungen der Linde seit 150 Jahren

Seit gut 150 Jahren wird sie als »Große Linde« in Beschreibungen erwähnt und ihr ein tausendjähriges Alter nachgesagt. Der königlich bayerische Inspektor Friedrich Stützer fotografierte und dokumentierte sie im Jahre 1900 als Erster in seinem Buch »Die größten, ältesten oder sonst merkwürdigsten Bäume Bayerns«. Damit hat der Autor im Buchtitel schon fast alles über den »gigantischen Baumriesen, der eine hervorragende Baumerscheinung bildet« zusammengefasst.

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Seit gut 150 Jahren wird der Baum als »Große Linde« in Beschreibungen erwähnt. (Foto und Repro: Christian Wechslinger)

Stützer stellt außerdem fest, dass die Linde, die nie abgestützt wurde, die mit Abstand breiteste Krone aller Bäume in Europa hatte. In dieser Ausschließlichkeit mag das heute nicht mehr gelten, denn 1997 war der größte Ast herausgebrochen. Die Hindenburglinde wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals exakt vermessen.

2015 hatte der Stamm auf Brusthöhe einen Umfang von 10,90 Metern aufzuweisen und die Forstwissenschaftler zählen sie damit zu den stärksten und größten Linden in Europa. Stützer kam bei seinen Untersuchungen auf ein Alter von fast 750 Jahren. Neuere Forschungen gehen von mindestens 600 bis 700 Jahren aus.

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Auch heute noch steht das Naturdenkmal an der Alpenstraße.

Benennung nach Reichspräsident

Nach der Machtergreifung 1933 und im Rahmen des entstehenden Führerkults verlieh die Gemeinde Ramsau am 26. März 1933 dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerwürde. Zugleich wurde ihm für die Berufung Hitlers zum Reichskanzler gedankt und der bisher unter dem Namen »Große Linde« bekannte Baum hieß nunmehr »Hindenburglinde«. Der benachbarte Gasthof »Lindenhäusl« wurde erst 1950 umbenannt und zu einem Hotel umgestaltet.

In der Rubrik »Berchtesgaden damals und heute« zeigt der »Anzeiger« Gegenüberstellungen von Fotos aus vergangenen Tagen und aus heutiger Zeit. Wer hat noch solche Bildschätze zu Hause? Der kann sie gerne in der Redaktion vorbeibringen, Dr.-Imhof-Straße 9, 83471 Berchtesgaden. Wenn die Fotografien schon in digitaler Form vorhanden sind, dann können sie per E-Mail an redaktion(at)berchtesgadener-anzeiger.de geschickt werden.

Johannes Schöbinger

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