Notfall im Wimbachgries? Aufwendige Suche nach mysteriösen Walkie-Talkie-Funksprüchen

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Foto: Bergwacht Ramsau
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Ramsauer Forst – Mysteriöse Walkie-Talkie-Funksprüche über einen mutmaßlichen Notfall im Wimbachgries haben am Freitagnachmittag rund viereinhalb Stunden lang die Einsatzkräfte der Bergwacht Ramsau, der Berchtesgadener Polizei, der BRK-Wasserwacht und die Besatzung eines Polizeihubschraubers gefordert, die das weitläufige und alpine Gelände zu Fuß, aus der Luft und mit Wärmebild-Kamera ohne Feststellung absuchten. Zwei Forscher-Gruppen waren im Auftrag des Nationalparks mit Amateur-Funkgeräten im Gelände unterwegs und hatten über Notruf mitgeteilt, dass ein Fremder über die offene Frequenz per Funk konkret Hilfe anfordern würde.


Als die Leitstelle Traunstein gegen 15 Uhr auf Bitten der Polizei die Bergwacht Ramsau alarmierte, klärte der Einsatzleiter zunächst den genauen Sachverhalt ab: Die Melder waren im Gries in zwei Gruppen zwischen Schloss und Hütte mit handelsüblichen Walkie-Talkies unterwegs, wobei die hintere Gruppe auf Höhe des Hinterbergkopfs wiederholt Hilferufe und eine konkrete Anforderung nach Seilen und einem Heli übers Funkgerät gehört hatte – sie versuchten zu antworten und teilten mit, dass die Hilfe holen würden, bekamen aber keine Rückmeldungen mehr.

Die Geräte haben laut Hersteller eine Reichweite von zwei bis vier Kilometern, weshalb die Einsatzkräfte von einem mutmaßlichen Notfall im Umkreis von bis zu vier Kilometern rund um die Grieshütte ausgehen mussten. Der Voraustrupp nahm Kontakt zur Melderin am Wimbachschloss auf, übernahm von ihr das Funkgerät und fuhr weiter in Richtung der Grieshütte; Nationalpark-Mitarbeiter brachten für die Suche weitere baugleiche Funkgeräte in die Rettungswache. Der zweite Trupp fuhr mit dem Raupen-All-Terrain-Vehicle (ATV) ins hintere Gries und richtete dort ein mobiles Funk-Gateway ein. Die Einsatzkräfte suchten dann vom Watzmann-Südspitzabstieg bis zum Loferer Seilergraben in Zusammenarbeit mit den Nationalpark-Mitarbeitern alle bekannten Steige und Schleichwege ab, wobei sämtliche Versuche, mit den Walkie-Talkies wieder Kontakt aufzunehmen, unbeantwortet blieben.

Die BRK-Wasserwacht Berchtesgaden brachte eine tragbare Wärmebild-Kamera zum Tallandeplatz, mit der zwei Bergretter dann rund eine Stunde lang vom Polizei-Heli aus bei tiefhängenden Wolken das weitläufige Gebiet vom Watzmann- Südspitzabstieg über das Trischübel, den Hundstod, den Seilergraben, das Hocheis, das Sittersbachtal, das Ofental und die Hochalm kontrollierten. Dabei versuchten sie auch immer wieder ergebnislos über das Walkie-Talkie Verbindung aufzunehmen.

Die Polizeiinspektion Berchtesgaden kontrollierte mit zwei Beamten den Bereich rund um den Parkplatz am Klausbachtal, da nicht auszuschließen war, dass der Funkspruch auch aus dem Raum Hocheis, Sittersbachtal oder Ofental gekommen war; sie fanden aber nur Autos von einheimischen Anwohnern. Die Bergwacht fuhr mit einem weiteren Fahrzeug zum Hirschbichl und versuchte dabei, per Walkie-Talkie Kontakt aufzunehmen. Der Nationalpark bestätigte, dass sonst keine Mitarbeiter oder Ranger mit Funkgeräten unterwegs seien; auch die Einsatzkräfte im Salzburger Pinzgau teilten auf Nachfrage mit, dass sie derzeit keinen Rettungseinsatz abarbeiten, zu dem die Funksprüche passen würden.

Da bis 18 Uhr noch kein Notruf eingegangen war, keine Vermissten gemeldet worden waren, keine herrenlosen Autos auffielen und der komplette Einsatzraum aus der Luft abgesucht war, brachen die Einsatzkräfte die Suche ab. Für den Rückflug nach München tanke die Bergwacht „Edelweiß 4“ mit ihrem Kerosinanhänger wieder auf. Insgesamt waren elf Ramsauer Bergretter, ein Wasserretter und vier Polizisten gefordert.

fb/red

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