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Ringer steigen in die Bayernliga auf

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Nach 42 Jahren stieg der TSV Berchtesgaden nach dem souveränen Meistertitel und zwei begeisternden Aufstiegskämpfen gegen Bamberg in eine höhere Liga auf. (Foto: Wechslinger)

Bamberg – Die Ringer des TSV Berchtesgaden haben es geschafft und steigen nach den beiden souveränen Erfolgen gegen den Meister der Landesliga Nord, den KSV Bamberg, in die Bayernliga auf. Mit 32:6 für die Berchtesgadener endete der Rückkampf in der Dreifachturnhalle der staatlichen Berufsschule in Bamberg. Auch wenn der Aufstieg nach dem klaren 29:6-Erfolg am 19. Dezember in der Schneewinkl-Sporthalle bereits so gut wie fix war, lieferten die entfesselt ringenden Berchtesgadener erneut eine Demonstration ihres Könnens ab.


Dabei hatten die Bamberger die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Mannschaft zu unterstützen, damit der Kampf zu einem Highlight in der Vereinsgeschichte werden würde. Die Bamberger fühlten sich bei der klaren Niederlage in Berchtesgaden nämlich vom Kampfrichter benachteiligt. Doch im Rückkampf sollte es sogar noch viel schlimmer für den Meister der Gruppe Nord kommen. »Im Rückkampf sollte vieles anders laufen«, war in Berichten aus Franken zu lesen. Und so kamen auch neben den 140 Berchtesgadener Zuschauern 200 Bamberger, die allerdings vergeblich auf ein Ringerwunder warteten.

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Die bis in die Haarspitzen motivierten Berchtesgadener Ringer gingen ausschließlich vorwärts zu Werke und ließen den bedauernswerten Gastgebern nicht den Hauch einer Chance. Berchtesgaden gewann beim 32:6 sogar drei Punkte mehr als im Heimkampf vor zwei Wochen. Nicht weniger als acht Mal gingen die Berchtesgadener als Sieger von der Matte. Nur der lange verletzte Lukas Laue und Andreas Wendl mussten einkalkulierte Niederlagen hinnehmen.

Berchtesgaden startete ideal, da Sebastian Hillebrand (G 57) seinem Widersacher Turpul Saipov keine Möglichkeiten ließ und die erste wichtige Viererwertung errang. Bereits in Runde eins war der Kampf nach 2:52 Minuten durch technische Überlegenheit von Hillebrand beendet. Hillebrands Gegner gelang eine einzige Wertung, dem Berchtesgadener zehn. »Wasti hat seinen Gegner förmlich vernichtet«, lautete der Kommentar von Ringerboss Hans Labacher.

Hans Preinfalk gewinnt Kampf nach 5:27 Minuten

Wie schon im Hinkampf traf Hans Preinfalk (F 130) auf Alexandr Gabriel, der neuerlich gegen die Virtuosität und Kraft des Berchtesgadeners keine Chance hatte und nach 5:27 Minuten den nächsten »Vierer« abgeben musste. »Ein Kompliment an Hansi, den ich so noch nie gesehen habe. Seine Einstellung und Einsatz waren einmalig, er hat seinen Gegner aufgearbeitet«, analysierte Labacher, der auch dem lange verletzten Lukas Laue (F 61) ein Kompliment machte. Laue verlor zwar gegen den starken Lukas Tomaszek mit 7:14 Punkten, doch in diesem Kampf beging der ansonsten souveräne Mattenrichter seinen einzigen Fehler. Eine Viererwertung für den Bamberger wäre genau umgekehrt gewesen und dann hätte Laue gewonnen. So aber verkürzten die Gastgeber zwischenzeitlich auf 2:8.

Wie schon in Berchtesgaden bot Bamberg gegen den bundesligaerfahrenen Ungarn Richard Dajka (G 98) keinen Gegner auf, sodass Berchtesgaden weiter davongezogen ist. Es stand zwar ein Bamberger Ringer an der Waage, doch als er Dajka gesehen hat, zog er es vor, zuzuschauen.

Rechnerisch war zu diesem Zeitpunkt der Aufstieg des TSV Berchtesgaden bereits perfekt, aber es sollte noch besser kommen.

Als Benedikt Graßl (G 66 A) gegen Christopher Kegel nach nur gut einer Minute und einer 8:0-Führung zum Aufgabesieger erklärt wurde, gingen die Gäste mit einem komfortablen 16:2-Vorsprung in die Ringpause. Bereits im Hinkampf nahm der Bamberger wegen einer angeblichen Verletzung im Kampf gegen Benedikt Graßl eine Auszeit und auch dieses Mal fiel ihm gegen den Toptechniker aus der Ramsau nichts anderes ein.

Mackamul wächst über sich hinaus

Seinen ersten Sieg in dieser Saison feierte der erst 18-jährige Marius Mackamul (F 86 B), der Jan Wagner nach allen Regeln der Ringkunst beherrschte und bereits nach 1:24 Minute als überlegener Punktsieger feststand. »Endlich ist bei Marius der Knoten aufgegangen«, freute sich Labacher.

Chancenlos war dagegen im siebten Kampf Andreas Wendl (F 66 B) gegen den besten Bamberger Stoyko Rusev, der schon bei mehreren Vereinen in der Bundesliga gerungen hat, einen Hochschulabschluss aufweist und sich auch schon als Buchautor einen Namen gemacht hat. Nach 28 Sekunden machte der Bulgare dem ungleichen Kampf ein frühes Ende.

Bamberger geben jeglichen Kampfgeist auf

Die letzten drei Kämpfe dauerten nur gut drei Minuten, die Bamberger hatten endgültig resigniert. Zunächst schulterte Andreas Pfnür (G 86 A) sein Gegenüber Dirk Schmid nach knapp eineinhalb Minuten mit großer Gewalt, nachdem er zunächst in Rückstand geraten war.

Es hatte zuletzt den Anschein, als hätten die Bamberger jeglichen Kampfgeist aufgegeben, nachdem sie bis dahin unerwartet vorgeführt worden sind.

Auch der Bamberger Thomas Dehler hatte Alexander Petersen (G 75 A) eigentlich die Revanche angekündigt, aus der jedoch nichts wurde. Vielmehr lag der Bamberger bereits nach 42 Sekunden auf den Schultern, als ihn Petersen mit all seinem Können brachial in die Knie zwang.

Schließlich ließ auch Andreas Hillebrand (F 75 B) seinem Gegner Benedikt Panzer nicht den Hauch einer Chance und siegte nach 1:14 Minute mit einem gewaltigen Ausheber entscheidend. Das Ergebnis von 32:6 war eine Demonstration Berchtesgadener Stärke und technischen Könnens. Die Ringerstaffel des TSV Berchtesgaden scheint auch für die Bayernliga gut gerüstet zu sein.

»Bamberg war wirklich eine Reise wert«, resümierte Labacher und richtete einen großen Dank an die weit über 100 Anhänger, die ihre Staffel zum überwältigenden Sieg getrieben haben. Die Berchtesgadener Ringsportanhänger dürfen sich jetzt schon auf spannende und mitreißende Kämpfe im Kongresshaus freuen. Die Ringerabteilung im TSV Berchtesgaden hat schon Sponsoren für die Miete und hofft darauf, dass sie durch Vermittlung der Gemeinden und der TRBK einen adäquaten Preis für die sieben Heimkämpfe bekommt. Christian Wechslinger

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