Vandalen wüten im Bergsteigerdorf

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Die Skulptur wurde zerstört. Zweiter Bürgermeister Rudi Fendt war entsetzt über die Nachricht.
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Die Arme der Holzskulptur sind abgeschlagen. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Ramsau – Die pinke Hose war Hingucker und Stein des Anstoßes zugleich: Die Holzskulptur des bekannten Ramsauer Bergsteigers Raphael Hang begrüßte die Gäste des Bergsteigerdorfs Ramsau am Ortseingang. Bis in der Nacht auf Samstag Unbekannte das massive Kunstwerk aus Eiche mit roher Gewalt zerstörten, die Arme wurden abgebrochen. »Mir fehlen die Worte, das alles stimmt mich traurig«, sagt Ramsaus Zweiter Bürgermeister Rudi Fendt am Morgen danach.


Er weiß: »Es gab Kritiker.« Dies rechtfertige aber nicht das rüde Vorgehen. »Eine Respektlosigkeit gegenüber dem Künstler.« 40 Kilogramm schwer ist die Bergsteigerfigur, die in gewisser Weise auch Wahrzeichen der kleinen Gemeinde Ramsau sein soll. Bilder des Ramsauer Urgesteins Raphael Hang zieren etliche Werbeprospekte der Gemeinde und finden sich auf Werbeartikeln. Im ersten Bergsteigerdorf Deutschlands spiegelt das Kunstwerk aus Eichenholz all das wider, womit man sich hier identifiziert und wofür die 1 800-Seelen-Gemeinde steht: Landschaft und Berge.

Diskussionen in der Vergangenheit

Der Zweite Bürgermeister Rudi Fendt war einer der Ini-tiatoren der Holzskulptur, die an einem massiven Felsbrocken befestigt war. Diese Figur thront auf einem Hügel in der Mitte des Kreisverkehrs am Ortseingang. Der sieben Tonnen schwere Brocken stammt aus dem Klausbachtal unterhalb der Mühlsturzhörner. Fendt sagt: »Er hat sich perfekt geeignet für unseren Kreisverkehr.« Schon das gefiel nicht jedem.

Kian Bartels, der Künstler der Bergsteigerfigur, hat seinem Werk aus massiver Eiche eine pinke Hose verpasst. »Viele bleiben stehen, zücken das Smartphone, knipsen Fotos«, weiß Rudi Fendt. Die Skulptur sticht also ins Auge. »Wäre die Hose nicht so auffällig, würde vielleicht keiner hinschauen. Ich finde die Intention des Künstlers gut.« Allerdings missfiel vielen die künstlerische Freiheit, die hier in der Farbgebung des Beingewands Einzug fand. Das Pink hat in der Vergangenheit zu kontroversen Diskussionen geführt. In sozialen Netzwerken wurde die an die Ramsauer Bergsteigerlegende angelehnte Skulptur als Bergsteigerin bezeichnet. Andere ordneten das Ganze als verpackten Beitrag zur Gender-Debatte ein oder erkennen in der Farbwahl deutliche Kritik an der Kommerzialisierung des alpinen Bergsports.

Unbekannte stellten in einer Nacht auf Samstag ein Gipfelkreuz auf den Felsen, garnierten das Ganze mit einem Gipfelbuch und verpassten dem mächtigen Gesteinsbrocken per Schild den Namen »Kreisel-Köpfl«. In der Gemeinde fand man das amüsant und entschied sich dafür, die Beigaben an Ort und Stelle zu belassen.

»Ja, die pinke Hose war anfangs umstritten«, sagt Rudi Fendt. Noch Anfang des Jahres hatten die Verantwortlichen ihre Hoffnung geäußert, von Vandalen verschont zu bleiben. Zumal das Kunstwerk nun schon eine Zeit lang unbeschadet war. Außerdem sind die Diskussionen darum seit langem verstummt.

»Wo rohe Kräfte sinnlos walten«

Zu früh gefreut: Am Samstagmorgen erhielt Rudi Fendt mehrere WhatsApp-Nachrichten, die ihn über das Ergebnis der blinden Zerstörungswut informierten. Fendt ging zur Polizei, erstattete Anzeige. Die Gemeinde reagierte schnell über soziale Medien: »Wo rohe Kräfte sinnlos walten«, heißt es auf Facebook. Mit »roher Gewalt und sinnloser Zerstörungswut« sei das Kunstwerk kaputt gemacht worden. In der Gemeinde ist man »entsetzt von dieser Barbarei«. Im Umfeld gibt es keine Kameras, weiß der Zweite Bürgermeister. Trotzdem hofft man, dass jemand die Vandalen gesehen hat. Die Teile des Kunstwerks wurden in den Keller des Rathauses verfrachtet.

Die Arme des Bergsteigers sind abgebrochen, ebenso der Fuß. Noch ist nicht klar, was alles kaputt ist. Der junge Ramsauer Künstler weilt derzeit in Karlsruhe, besucht dort die »Staatliche Akademie der Bildenden Künste«. Sobald Kian Bar-tels wieder zuhause ist, werde er sich der Skulptur widmen, eine Schadensaufnahme machen und schauen, wie man den Bergsteiger wieder reparieren kann, sagt Rudi Fendt.

Abgesehen vom finanziellen Wert des Kunstwerks, den die Ramsauer mit mehreren tausend Euro beziffern, ist der ideelle Wert unermesslich. »Wir werden ihn auf jeden Fall reparieren lassen.«

Hinweise nimmt die Polizei Berchtesgaden unter Telefon 08652/94670 entgegen.

Kilian Pfeiffer

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