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Verkehrsschilder sorgen für Unmut – Schilderwald in der Ramsau?

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Verkehrsschilder sorgen für Unmut – Schilderwald in der Ramsau?
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Nicht schön, aber wirkungsvoll, ist dieses Schild am Schapbachweg. Es ist aber nicht als dauerhafte Lösung vorgesehen. (Foto: Christian Wechslinger)

Ramsau – Die Ramsauer Bürger leben in einem Schilderwald – so hat es zumindest für manche den Anschein. In der Bürgerfragestunde in der Gemeinderatssitzung am Montagabend brachten die Einheimischen unter anderem die zahlreichen Geschwindigkeitsbegrenzungen an der B305, ein großes Stoppschild am Schapbachweg und die Schilder auf dem Parkplatz Wimbachbrücke zur Sprache.


Bürgermeister Herbert Gschoßmann verlas zunächst die Anregungen eines Bürgers, die er in den vergangenen Tagen schriftlich erhalten hat. Darin monierte dieser, dass die Beschilderung am Parkplatz Wimbachbrücke »nicht optimal« sei. Das sei richtig, gab der Rathauschef zu. Allerdings gebe es hierzu einen Arbeitskreis, in dem unter anderem zweiter Bürgermeister Rudi Fendt und Tourismuschef Fritz Rasp sitzen. Diese seien für Anfragen offen. Fendt betonte, derzeit sei es auch nicht sinnvoll, dort etwas zu ändern, solange die Baumaßnahme an der B305 in diesem Bereich noch nicht abgeschlossen sei.

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Überdimensionales Schild zeigt Wirkung

Ein Schild stört manche Ramsauer besonders. Es handelt sich um eine Warnung an Autofahrer, nicht den Schapbachweg zu befahren. Darauf eine große Hand und die Aufschrift »Stopp«, bekannt ist dieses von Autobahn-Ausfahrten.

Wie berichtet, gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit ausländischen Autofahrern, die strikt ihrem Navigationsgerät folgen, die Forststraße unerlaubt befahren und dann nicht mehr weiterkommen. Seitdem nun die Tafel aufgestellt worden ist, seien keine Irrfahrer mehr unterwegs, berichtete der Geschäftsleiter der Gemeinde, Martin Willeitner. Dieser große Hinweis wurde nicht nur in einem Brief an den Bürgermeister angesprochen, auch ein anwesender Ramsauer erkundigte sich, ob die Tafel dauerhaft an dieser Stelle am Beginn des Schapbachweges stehen soll.

Rudi Fendt erzählte, er habe sich in seiner Funktion als Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau mit Bundespolizisten an dieser Stelle getroffen und berichtete: »Das Schild dürfte dort nicht stehen, es ist auch nur vorübergehend da.« Denn der Weg wird, wie bereits angekündigt, mit einer Schranke ausgestattet. Diese ist zwar schon installiert, steht aber noch offen. Der Ramsauer fragte weiters, warum sich die Gemeinde um das Aufstellen der Warnschilder kümmern müsse, und nicht der Nationalpark. »Die Gemeinde ist die Ordnungsbehörde und für die Sicherheit zuständig. Maßnahmenträger ist der Nationalpark«, erklärte Willeitner. Man helfe sich aber gegenseitig.

Belastung für privaten Grundbesitzer

Eine andere Einheimische gab zu bedenken, dass die Schranke sich ein Stück oberhalb des Warnschildes befindet. Wenn dieses wegkomme, dann müssten die Autofahrer erst bis zur Schranke fahren, um von dort wieder rückwärts den Berg hinunterzufahren und dann in einer privaten Einfahrt umzudrehen. »Das ist doch eine Belastung für den Grundstücksbesitzer«, so die Ramsauerin. Willeitner betonte, es handle sich bei der Tafel ja nicht um das einzige Schild, es seien noch mehr aufgestellt. »Aber leider interessiert das die Leute nicht. Die folgen einfach ihrem Navi.«

Gemeinderat Sebastian Karl machte den Vorschlag, die Strecke in den Navigationsgeräten sperren zu lassen, wie es etwa die Österreicher im Sommer mit den Autobahnausfahrten gemacht hätten. Der Geschäftsleiter notierte sich den Vorschlag und will ihn an den Nationalpark weiterreichen.

Anschließend meldete sich ein anderer Bürger zu Wort und informierte den Gemeinderat darüber, dass das Vodafone-Netz offenbar seit Dezember nicht mehr funktioniert. Gschoßmann sagte, das sei der Gemeindeverwaltung nicht bekannt. »Wir versuchen, Abhilfe zu schaffen«, versprach er.

»Hat das Amt zu viele Schilder im Keller?«

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Von 70 auf 50, von 50 auf 100: Acht Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 1,3 Kilometern hat Paul Lenk entlang der Alpenstraße in Ramsau gezählt. (Foto: Annabelle Voss)

Am meisten Mühe hat sich der Ramsauer Paul Lenk für die Bürgerfragestunde im Gemeinderat gemacht. Er zählte die Vorschriftzeichen mit den zulässigen Höchstgeschwindigkeiten entlang der B305. Bei einer Strecke von 1,3 Kilometern von der Kurve der Alpenstraße oberhalb des Kreisverkehrs über das untere Felsentor bis hin zur Rosshofschmiede kam er auf acht Schilder. Lenk fertigte sogar eine Skizze mit allen Beschränkungen an. »Haben die im Straßenbauamt zu viele Schilder im Keller rumliegen oder warum müssen die nun alle bei uns aufgestellt werden?«, so seine Frage in die Runde. Man benötige als Autofahrer schon fast einen Beifahrer wie bei Rallyes, der einem sagt, welche Geschwindigkeit gerade erlaubt ist, da man selbst nicht so schnell schauen könnte.

Bürgermeister Herbert Gschoßmann gab ihm recht und sagte: »Das habe ich nicht gewusst. Ich kläre ab, was aufgrund der Baustelle temporär und was dauerhaft ist.« Auch er hoffe auf eine akzeptable Lösung, denn »da kennt sich niemand mehr aus«. Eine Ramsauerin wünschte sich in diesem Zusammenhang eine komplette Beschränkung auf Tempo 50 im genannten Bereich. »Das sagen wir schon von Anfang an«, so der Bürgermeister daraufhin. In der Vergangenheit habe sich die Gemeinde bereits des Öfteren für diese Beschränkung ausgesprochen. Leider bisher ohne Erfolg. »Aber man muss auch nicht jede Antwort akzeptieren, die vom Staatlichen Bauamt kommt«, fügte er noch hinzu.

Schließlich erkundigte sich noch ein Einheimischer nach dem alten Feuerwehrhaus und dessen Nutzung. Er regte an, dort Baugrund für junge Familien zu schaffen. Kritik äußerte er an dem Angebot der Gemeinde, das Haus der Wohnbauwerk im Berchtesgadener Land GmbH zur Verfügung zu stellen.

Baugrund für junge Familien schaffen

»Ich denke, es wäre sinnvoller, es finanziell für die Gemeinde zu nutzen, anstatt es dem Wohnbauwerk zu geben.« Daraufhin erklärte Gschoßmann, man würde es der Gesellschaft ja nicht schenken. »Es würde sich der Anteil der Gemeinde an der interkommunalen GmbH erhöhen.« Man habe durch diesen Vorschlag gezeigt, dass man hinter dem Wohnbauwerk stehe. »Es ist außerdem wichtig, dass das kommunale Unternehmen weiterhin Wohnungen zur Verfügung stellen kann.« Die Nachfrage nach Wohnungen liege dort bereits im dreistelligen Bereich.

Ob es dann wirklich so ist, dass das Wohnbauwerk das alte Feuerwehrhaus bekommt, ist eine andere Sache. »Wir haben nur gesagt, wir könnten es uns vorstellen.«

Annabelle Voss

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