Warme Winter und Corona-Politik: Herausforderung für Geschäftsführer der Hochschwarzeck-Bergbahn

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Die Schneelage reicht am Hochschwarzeck aktuell nur für die Rodelbahn »Hirscheckblitz«. Für die Rodler ist die Bahn in Betrieb, die Skipiste ist allerdings geschlossen. (Foto: Christian Wechslinger)

Ramsau – Mitte Januar, tiefe Temperaturen und strahlender Sonnenschein. Eigentlich beste Voraussetzungen für Wintersportler, möchte man meinen. Doch am Hochschwarzeck reicht die Schneelage wieder einmal nur für die Rodler auf dem »Hirscheckblitz«. Immerhin ist die Hochschwarzeck-Bergbahn (HSB) für die Schlittenfans in Betrieb, doch die Skifahrer müssen in andere Gebiete ausweichen. Keine leichte Situation für HSB-Geschäftsführer Christian Riel, der Jahr für Jahr für den Erhalt des von 300 Kommanditisten getragenen Skigebiets kämpft.


Am dritten Adventswochenende fuhr die Bahn im Familienskigebiet Hochschwarzeck genauso wie zeitweise in den Weihnachtsferien, am vergangenem Wochenende und laut Riel »Gott sei Dank« auch jetzt. »Voraussichtlich fährt der Sessellift auch am Wochenende«, kündigt der 58-jährige Hochschwarzeck-Bergbahn-Chef an.

Doch »wie lange halt?«, fragt er sich. Riel muss den Betrieb der Doppelsesselbahn immer mal wieder einstellen. Alle Jahre wieder kämpft er darum, die Hochschwarzeck-Bergbahn wirtschaftlich zu betreiben. Der eher schneearme Winter und »das ewige Hickhack« in der Corona-Politik machten es ihm heuer schwer, bedauert der Ramsauer. Er ist froh, in der Vergangenheit gut gewirtschaftet und Rücklagen gebildet zu haben. Wetter- und pandemiebedingt braucht die »Hochschwarzeck Bergbahn GmbH & Co KG« den Puffer. Christian Riel und sein Team bemühen sich, wann immer es möglich ist, Wintersportler mit der Sesselbahn auf den Berg zu transportieren. »Die Leute wollen ja rauskommen, die Natur genießen, sporteln«, betont der zweifache Familienvater. »Aber was soll ich tun, wenn es die Bedingungen nicht zulassen?« Das Familiengebiet Hochschwarzeck ist auf Naturschnee angewiesen, eine flächendeckende maschinelle Beschneiung gibt es hier nicht.

Christian Riel und sein Team schaufeln schon gelegentlich einmal den Schnee, den sie seitlich der Abfahrten oder im Tal lagern, auf die Skipiste und die Rodelbahn. »Kleine Flecken lassen sich so ausbessern«, erklärt der engagierte Geschäftsführer. Doch das Ausschlaggebende für einen kontinuierlichen Winterbetrieb sei ein »gescheiter Winter« mit Schneefall. »Der Schnee kommt aber nicht, nur weil ich ihn brauche«, bedauert der gebürtige Bad Reichenhaller. Seit 2003, als sich die »Interessensgemeinschaft zur Rettung des Hochschwarzecks« zusammengetan hatte, stehen Christian Riel und vier weitere Betriebsleiter, die ihn unterstützen, vor demselben Problem: die schlechte Schneelage, die Ungewissheit. Sorge bereitet dem Geschäftsführer heuer »abgesehen von Corona«, wie er sagt, dass die Faschingsferien erst Anfang März sind.

Gut möglich, dass frühlingshafte Temperaturen es nicht erlauben, die Skipiste und die Rodelbahn für Urlauber und Einheimische zu öffnen. Deshalb rät Riel den hiesigen Wintersportlern, lieber jetzt schon einen Ski- oder Rodeltag im heimischen Familiengebiet zu verbringen. Denn es liegt ihm am Herzen, dass die Berchtesgadener Skigebiete erhalten bleiben können. »Wo sonst sollten die Kinder das Skifahren lernen?«

Der Geschäftsführer hofft, den Kommanditisten bei der nächsten Gesellschafterversammlung ein zufriedenstellendes zurückliegendes Geschäftsjahr der »Hochschwarzeck Bergbahn GmbH & Co KG« präsentieren können. Im Gespräch mit der Redaktion des »Berchtesgadener Anzeigers« äußert Riel zwar seine Sorgen, blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft. Immerhin kann der Geschäftsführer, der ursprünglich aus dem Einzelhandel kommt, auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken.

»Manchmal komme ich mir vor wie ein Krisenmanager«, sagt Christian Riel. Jede Saison kämpfe er aufs Neue. »Ich weiß oft gar nicht, wie wir es immer wieder schaffen«, sagt er. »Wahrscheinlich, weil wir mit Herzblut bei der Sache sind.«

Lisa Schuhegger

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