Für Beurteilung des Schwerlastverkehrs: Permanente Erfassung des Verkehrs über 7,5 Tonnen
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Helmut Schuhböck vom Staatlichen Bauamt Traunstein (links) erklärt BGL-Landrat Bernhard Kern das Messgerät an der B 21 bei Schneizlreuth. (Foto: Bauregger)

Für Beurteilung des Schwerlastverkehrs: Permanente Erfassung des Verkehrs über 7,5 Tonnen

Schneizlreuth – Seit Jahren nimmt der Schwerlastverkehr im Berchtesgadener Land stetig zu. Außergewöhnlich stark betroffen sind davon die Anlieger entlang der Bundesstraßen 20 und 21 im Kleinen Deutschen Eck. Dagegen wehren sich immer mehr Bürger, weil der Schutz vor Belastungen durch Lärm, vor Abgasen und anderen Emissionen aus dem Straßenverkehr, schon lange nicht mehr mit dem Tempo der Steigerung des Lkw-Verkehrs mithalten kann.


Verstärkt im Fokus ist seit einigen Jahren auch das geltende Nachtfahrverbot im Kleinen Deutschen Eck, zwischen 22 und 6 Uhr. Um zukünftig die Gesamtsituation durch aussagekräftige Zahlen belegen und beurteilen zu können, sind nun in Schneizlreuth zwei Seitenradarmessgeräte in Betrieb genommen worden. Bei einem Pressetermin stellten Landrat Bernhard Kern und der Leiter der Staatlichen Bauamts Traunstein, Christian Rehm, die Technik vor.

Kostengünstigere Lösung ist auch praktischer

Wie Landrat Bernhard Kern eingangs betonte, nimmt das Landratsamt den Schutz der betroffenen Bürger entlang der B 20/21 und die Einhaltung des Nachtfahrverbots im Landkreis Berchtesgadener Land sehr ernst. Aus diesem Grund habe er sich bereits mehrfach mit Vorschlägen an das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und weiter an das Innenministerium gewandt. Gemeinsam mit der kürzlich aus dem Kabinett ausgeschiedenen Staatsministerin Kerstin Schreyer und dem Staatlichen Bauamt in Traunstein konnte nun eine effektive und kostengünstige Lösung zur Datenerfassung gefunden werden.

Im Gegensatz zum Einbau einer dynamischen Achslastwaage etwa im Wendelbergtunnel, die circa 100.000 Euro gekostet hätte, mussten laut Kern, für die beiden nun installierten Geräte nur etwa 8000 Euro investiert werden. Bereits seit 1. Februar 2022 werden nun rund um die Uhr alle Pkw und Lkw, erfasst. Wie Helmut Schuhböck vom Staatlichen Bauamt erläuterte, kann das Gerät allein bei Lastwagen 43 verschiedene Typen unterscheiden. Die Geräte sind durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) geprüft und zertifiziert. Somit sind die gelieferten Daten offiziell anerkannt und verwertbar. Damit wisse man bald ganz genau, wie viele Lkw über 7,5 Tonnen auf der B 21 fahren und welche Auswirkungen beispielsweise die Blockabfertigung auf der A 93 bei Kiefersfelden auf das kleine Deutsche Eck habe, heißt es aus dem zuständigen Ministerium.

Einen großen Vorteil sieht Landrat Kern auch darin, dass die Daten regelmäßig über eine Funkanbindung direkt an das Staatliche Bauamt übermittelt werden und von Helmut Schuhböck relativ kurzfristig ausgewertet und zur Verfügung gestellt werden können. Laut Christian Rehm ist dies etwa im Falle der dynamischen Achslastwaage im Bereich Laufen nicht der Fall. Diese werde privat betrieben und über eine private Firma ausgewertet, und verursache wesentlich mehr Kosten als die hier an der B 21 nun umgesetzte Lösung.

Schwerpunktkontrollen und Verkehrsgipfel

Wie Landrat Kern weiter informierte, sollen neben diesen Dauermessungen aber auch die Schwerpunktkontrollen der Polizeiinspektion Bad Reichenhall zur Einhaltung des Nachtfahrverbots, in Zusammenarbeit mit Fachkräften aus dem Landratsamt Berchtesgadener Land, der Bereitschaftspolizei, des Verkehrszuges Traunstein und der Grenzpolizei in Piding weiterhin durchgeführt werden. Auf Initiative des Landkreises und mit Unterstützung durch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sollen diese Kontrollen mindestens einmal im Monat stattfinden.

Landrat Kern sieht die Situation im Kleinen Deutschen Eck auch durch den grenzüberschreitenden Verkehr verursacht. Daher habe er sich bereits mehrfach an den Salzburger Landesrat Stefan Schnöll gewandt. In einem ersten Schritt der Zusammenarbeit werden die Kontrollen des Lkw-Nachtfahrverbots seit Kurzem durch Verkehrskontrollen auf österreichischer Seite begleitet. Für Mai 2022 sei darüber hinaus ein erstes »Euregio-Verkehrsgespräch« zum gesamten Themenkomplex geplant.

Zu dem Austausch sollen auch die Bürgermeister zwischen Burghausen und Schneizlreuth eingeladen werden. Kern bestätigte auf Nachfrage, dass mit der Landesregierung in Tirol, etwa bezüglich einer Bemautung der B 178, bisher noch keine Gespräche geführt wurden. Die Pressestelle dort hatte auf eine Presseanfrage mitgeteilt, dass keine diesbezüglichen Maßnahmen geplant sind. Kern halte es aber in einem zweiten Schritt durchaus für sinnvoll, auch mit der Tiroler Landesregierung zu sprechen. Zu einer weiteren Zunahme des Transit-Ausweichverkehrs zwischen Wörgl und der A8 bei Piding könnte es nämlich durchaus kommen, wenn die Bestrebungen des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und des Bundesverkehrsministeriums, auf der Brennerroute in Bayern und Tirol höhere Mautgebühren zu erheben, erfolgreich verlaufen.

Wie der Leiter des staatlichen Bauamts, Christian Rehm, erläuterte, wurde seine Behörde am 26. Januar vom Bayerischen Verkehrsministerium mit den Messungen beauftragt. Das Team um Helmut Schuhböck hat danach sofort mit der Umsetzung begonnen, so dass bereits seit 1. Februar gemessen wird. Derzeit werden, als provisorische Lösung, zwei zertifizierte und batteriebetriebene Seitenradar-Messgeräte aus dem Bestand für Verkehrszählungen verwendet. Diese bieten eine 95-prozentige Zählgenauigkeit. Wegen der täglichen Verkehrslast von über 7000 Fahrzeugen, musste laut Rehm je ein Gerät für jede Fahrtrichtung aufgebaut werden. Wenn die zwei neu bestellten Radargeräte in den nächsten Wochen eingetroffen sind, werden diese dann fest am Wendelbergtunnel verbaut. Dort ist es dann auch möglich, diese direkt an die Stromversorgung anzuschließen. Wegen der Bedeutung der Verkehrserfassung im Kleinen Deutschen Eck wird bis auf Weiteres mit dem Ziel gemessen, eine möglichst gute Datengrundlage zu erhalten. Wie die Auswertung der Daten seit Anfang Februar sich darstellt, zeigten Rehm und Schuhböck anhand von Tabellen und Diagrammen eindrucksvoll. Auswertungen erhält das Landratsamt Berchtesgadener Land vom stattlichen Bauamt nun monatlich. Zur Jahresmitte soll dann auch die Öffentlichkeit informiert werden.

wb