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Treiber und Vieh vom »Stockerer« auf dem Weg in Richtung Mittelstation.

»Foa ma hoam« – Der »Stockerer und der »Sulzberger« treiben ihr Vieh zurück ins Tal

Schönau am Königssee – Dass der Almabtrieb für einen Berchtesgadener Bauern immer wieder ein besonderer Tag ist, war am Samstag auf der Wasserfallalm im Jennergebiet zu spüren. Wie bei einer Ausstellung war das Kranzzeug vor den Kasern aufgestellt. Bauer Michael Brandner, »der Stockerer« (Stockerlehen), hatte diesen Sommer 13 Milchkühe und 9 Jungviecher aufgetrieben.


Im Frühjahr und im Herbst waren sie auf der Wasserfallalm und im Hochsommer auf der Hochalm, der Königstalalm. Diesen Sommer war der 22-jährige Wasti Willibald von Arzbach Wackersberg Senn am »Stockerkaser«.

Jedes Stück Vieh wurde zum Almabtrieb »aufgekranzt«. Alle haben zusammengeholfen und so wurden 17 Fuikln und ein paar Latschenboschen gefertigt. Zudem bekam jedes Stück Vieh einen »Bauchkranz« und einen »Votzzaam«, gefertigt aus »Waldmannein« und verziert mit »Maschein« und »Sternein« aus Gschabertbandln. Der »Votzzaam« und der »Bauchkranz« sowie die Glocken samt Federkiel-bestickten Riemen wurden im Stall angelegt. Bauer Michael wies seine Treiber ein und die Kühe wurden einzeln aus dem Stall geführt und die Fuikl aufgesteckt.

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Das Vieh vom »Sulzberger« war beim Almabtrieb prächtig geschmückt. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)

Dann übernahm jeweils ein Treiber das gekranzte Vieh und ging langsam zum Wanderweg Richtung Mittelstation. Das Ganze ging in großer Ruhe und Gelassenheit über die Bühne und man hatte den Eindruck, die Tiere freuen sich auf zu Hause.

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Sarah Wallner und Sophie Brandner im »Berchtesgadener Hemad« vor dem Stockerkaser auf der Wasserfallalm.

Gleich nachdem das letzte Stück fertig war, bewegte sich der Almabtrieb in Richtung Vorderbrand. Es ging die Vorderbrandstraße hinunter und wieder nach oben über den Höllgrabenweg zum Stockerlehen. Ein paar Wanderer, ein paar Freunde und Nachbarn, mehr waren es nicht, die diesen prächtigen Almabtrieb bewundern konnten. Der »Stockerer« war sehr zufrieden, es war ja schließlich auch sein Festtag.

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Das Kranzzeug beim Sulzbergkaser wartet auf seine Verwendung beim Almabtrieb.

Franz Stanggassinger, der »Sulzberger« (Sulzberglehen), war im Frühjahr und im Herbst am Sulzbergkaser auf der Wasserfallalm und im Hochsommer auf der Hochalm am Königsberg. Sein Senn ist Markus Nitzinger. 19 Rinder Fleckvieh hatte er diesen Sommer auf der Alm. Bauer, Senn und Treiber haben sich vor dem Kaser versammelt und gemeinsam gebetet, danach wurde aufgekranzt. Auch seine Kühe bekamen geflochtene »Votzzaam« aus »Waldmannein«, jede Kuh einen Bauchkranz und eine Glocke samt Federkiel-bestickten Riemen. Danach wurden wunderschöne Fuikln und Latschenboschn aufgesteckt. Die Leitkuh hatte wie beim »Stockerer« eine Fuikl mit einem weißen Kreuz. Man zog noch schnell das Stallg'wand aus und die Tracht an, dann ging es auf: »in »Gott's Nam«. Diesen Almabtrieb durften ein paar mehr bewundern, denn Treiber und Vieh hatten einen weiteren Weg. Der führte zuerst hinunter über die Vorderbrandstraße und über Unterstein hinauf zum Sulzberglehen.

Bernhard Stanggassinger