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Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde Jakob Metzenleitner Oberaufseher des Parkplatzes Königssee.

Königsseer Infanterist kämpfte in Palästina

Schönau am Königssee – Die meisten Gefallenen aus dem Berchtesgadener Land starben im Ersten Weltkrieg in Frankreich oder an der Ostfront. Außergewöhnlich war der Kriegsschauplatz im Nahen Osten. Der Königsseer Jakob Metzenleitner kam als Angehöriger des Infanterie-Geschützzugs Nr. 702 bis nach Palästina. Das Schicksal meinte es gut mit ihm, denn er kehrte 1919 nach Königssee zurück, wo er Oberaufseher des Parkplatzes Königssee wurde. 


Im März 1917 ging das osmanische Bagdad an die Briten verloren. Umgehend wollten die Türken eine Herbstoffensive starten. Dieses Vorhaben sollte den Decknamen »Jildirim-Blitz« tragen und durch osmanische Armeen zusammen mit dem Asienkorps »Pascha II«, einer deutschen Kerntruppe, durchgeführt werden. Der Kommandeur wurde General Erich von Falkenhayn, dessen Starrsinn seit Verdun bekannt war. Durch seine Fehlplanungen musste »Jildirim« auf September 1918 verschoben werden.

In der Zwischenzeit hatte in Deutschland der Aufbau des Asienkorps begonnen. Es war eine handverlesene, tropentaugliche Truppe von zunächst nur 4500 Mann, später wurde sie auf 18.000 Mann aufgestockt. Darunter befand sich Jakob Metzenleitner aus Königssee.

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Hier zeigt sich Jakob Metzenleitner (l.) mit einem Kameraden seines Infanterie-Geschützzugs. (Fotos: privat)

Die Ausstattung dieser Orientkämpfer war sehr gut. Jeder Soldat erhielt eine komplette Winter- und Sommerausrüstung mit Tropenhelm, Moskitonetz, Gasmaske, Taschenapotheke, Pulswärmer usw. Außerdem erhielten die deutschen Soldaten ein Merkblatt über die Kultur der »Mohammedaner«. Der riesige Tross benötigte 24 deutsche und drei österreichische Transportkolonnen.

Der Königsseer Jakob Metzenleitner war Angehöriger des Infanterie-Geschützzugs Nr. 702, und zwar vom Anfang bis zum Ende. Im Oktober 1917 hörte er noch in Konstantinopel die flammende Rede von Kaiser Wilhelm II.: »Haut mir den Feind, wo ihr ihn trefft!« Später marschierte Jakob durch das von Cholera verseuchte Aleppo. Jakob Metzenleitner kämpfte in der Wüste und war entsetzt über die vielen Fahnenflüchtigen. Auch die Räumung der heiligen Stadt Jerusalem erlebte er. Anfang September erreichte Metzenleitner mit dem Asienkorps die Höhe von Nazareth und reihte sich in die Palästinafront ein. »Pascha II« hatte damals 96 Offiziere und 2578 Mannschaften. Die Wiedereroberung Jerusalems begeisterte die deutschen Soldaten, auch den Elitesoldaten Jakob Metzenleitner. Er und seine Mitkämpfer wurden später im Nahen Osten interniert.

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Auf zahlreichen Postkarten an seine Familie zu Hause in Königssee schilderte Jakob Metzenleitner seine Reise durch Palästina. (Foto: Kastner)

Während seines Aufenthalts in Kleinasien schickte Jakob Metzenleitner voller Begeisterung prächtige Farbpostkarten an seine Familie in der »Villa Achenthal« in Königssee. Mit diesen Karten machte er bei seinen Königsseer Landsleuten sicher großen Eindruck. Die Gotteshäuser und ihre Farbenpracht beeindruckten ihn offensichtlich sehr. Auch im fernen Baalbek im Libanon fand Jakob Metzenleitner prunkvolle Tempel, zum Beispiel das spätrömische Jupiterheiligtum.

Jakob Metzenleitner konnte erst im April 1919 die lange Heimreise auf dem Schiff antreten. Die Gemeindeverwaltung Königssee hatte den Palästina-Kämpfer nicht vergessen. Schon bald bekam er eine neue Uniform. Die Schirmmütze kennzeichnete ihn als Oberaufseher des Parkplatzes am Königssee.

Christoph Karbacher