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Die Musikanten bei der Schapbachalm mit den Sennerinnen Lena Ziegelmeier und Katharina Donhauser sowie Almbauer Andi Keilhofer. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)

»Musi auf da Oim, zwischen Kiah und Koim«: »Musikalische Oimroas« am Fuße des Watzmanns

Schönau am Königssee/Ramsau – »An gmiatlichen Dog auf da Oim« sollte man am Sonntag laut Einladung am Fuße des Watzmanns verbringen. So kam es bei der »musikalischen Oimroas« auf der Schapbachalm, beim Bartlerkaser auf Kühroint, der Mitterkaseralm und der Stubenalm bei wolkenlosem Himmel dann auch tatsächlich. Auf jeder Alm warteten Musikanten auf die Gäste und spielten von 10 bis 17 Uhr.


Es war einfach nur schön: das Läuten der Kuhglocken, vermischt mit dem Hochgenuss echter Volksmusik. Man hat es auch den Musikanten angesehen, dass sie mit Freude und Leidenschaft ihr Bestes gaben. Immer wieder waren wunderschöne Weisen von den Flügelhornspielern zu hören. Die Besucher nahmen lange Wege auf sich, um in den Genuss der verschiedenen Darbietungen zu kommen. Denn alle Almen sind nur im Rahmen einer längeren Wanderung zu erreichen. Als Belohnung für die Mühen gab es dann aber kulinarische Köstlichkeiten, einen traumhaften Panoramablick auf die Bergwelt rund um den Watzmann und eben gute Laune machende Volksmusik.

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Die Hinterseer Stubenmusi vor dem Bartlerkaser auf Kühroint mit Sennerin Silke Gröfbach (M.).

Die Schapbachalm liegt zentral. Hier spielten Ramsauer, ein Gerer, ein Bischofswieser und ein Berchtesgadener Musikant zusammen. Obwohl wild zusammengewürfelt, kennt man sich natürlich. Und man war sich einig: »Wir sind die Schapbachalm Musikanten.« Zwei Sennerinnen gibt es auch auf der Schapbach­alm: Lena Ziegelmeier und Katharina Donhauser. Sie hatten zwar alle Hände voll zu tun, fanden es aber trotzdem total bärig, dass sich was rührt. Auch Bauer Andi Keilhofer war an diesem Tag auf der Alm und schaute drauf, dass alles passt.

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Musikanten und Sennleute haben eine Mordsgaudi vor der Stubenalm.

Auf Kühroint beim Bartlerkaser ist Silke Gröfbach aus Niederrieden Sennerin. Zu ihr kamen eine Musikantin und fünf Musikanten und spielten schneidig auf. Es handelte sich um die Hinterseer Stubenmusi. Mit vier Steirischen Ziehharmonikas, einem Bariton und einer Gitarre sorgten sie für Stimmung. Musikalischer Genuss pur auf dieser kleinen Hochalmfläche unter dem gewaltigen Watzmannmassiv.

Eine gute Stunde Fußmarsch entfernt von Kühroint liegt die Mitterkaseralm. Sie ist ein beliebter Rastplatz für Watzmannbesteiger. Über die Almfläche schallte an diesem Sonntag natürlich ebenfalls Musik. Der Fegg Hansi hatte noch drei Musikanten mitgenommen und sie bezeichneten sich kurzerhand als die Mitterkasermusi. Der Fegg Hansi spielt bei der Musikkapelle Bischofswiesen das Flügelhorn. Hier auf der Mitterkaseralm zeigt er sein Können auch auf der Steirischen Ziehharmonika. »Ich habe als Bub Schifferklavier gelernt, das hat mich aber dann so aufgeregt, dass ich mir selbst das Spielen auf der Steirischen Ziehharmonika beigebracht habe«, sagte er. Wenn er mit seinem Flügelhorn dann zu den Almkühen ging und ein Weiserl anstimmte, wurde es leise unter den Besuchern vor der Almhütte. Schon das zweite Jahr ist Nina Schöffl aus Weßling im Landkreis Starnberg Sennerin auf der Mitterkaseralm. Die freundliche Gastgeberin erzählte mit Begeisterung von ihren Erlebnissen auf der Alm und dem guten Miteinander der Sennerinnen rund um den Watzmannstock, welche sich regelmäßig zu einem Stammtisch treffen.

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Auf der Mitterkaseralm mit Sennerin Nina Schöffl und Bauer Hans Stocker.

Besonders bei den Einheimischen sehr beliebt ist die Stubenalm. Kein Wunder, denn die Bauersleute, der Freiberg Wasti und seine Frau Christa, bewirtschaften die Stubenalm mit viel almerischen Feingefühl und großer Liebe zum Brauchtum und zur Berchtesgadener Almkultur. Gleich elf Musikantinnen und Musikanten saßen vor der Almhütte und spielten. Abwechselnd gaben sie musikalische Schmankerl zum Besten. Das Oxn Aug'n Trio, die Provisorium Musi, die musikalischem Stubenalmfreunde und die Vierg'saitert Musi aus Trostberg waren vertreten.

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Ein berührendes Weiserl vom Fegg Hansi auf der Mitterkaseralm.

Sennerin Anna Schauer hatte auf ihrer Wange einen roten Lippenabdruck. »Das war kein Verehrer«, sagte sie, »sondern eine Oimgaudi«. Gleich zu Beginn der »musikalischen Oimroas« war eine Gruppe junger Männer da, die einen Junggesellenabschied feierten. Einer von ihnen wollte bei der Anna ausprobieren, ob ein Lippenstift kussfest ist. Wie es ausging, weiß man nicht. Sicher ist aber, dass alle auf eine Wiederholung der »Oimroas« hoffen.

Bernhard Stanggassinger