Bildtext einblenden
Foto: Pixabay/Symbolbild

57-jähriger Essener mit 22 Vorstrafen erneut hinter Gitter

Wie viele Jahre der gebürtige Essener bereits hinter Gitter verbracht hat, konnte er selbst nicht sagen. Doch im November aus der Haft entlassen, machte der 57-Jährige nur wenige Tage später genau so weiter. Wohnungsmieten, Autokaufpreis, Versicherungen, all das blieb der Arbeitslose schuldig, erfand falsche Adressen und Ausflüchte. Betrug in vier Fällen und Urkundenfälschung lautete die Anklage am Laufener Schöffengericht. Das schickte ihn für zwei Jahre und fünf Monate hinter Gitter.


Noch in Haft bemühte sich ein Diakon um eine Wohnung für den Angeklagten. Und belog dabei die 49-jährige Reichenhallerin, indem er angab, er suche eine Ferienwohnung für einen Bekannten, der momentan im Ausland sei. »Interessant«, zeigte sich Vorsitzender Richter Martin Forster überrascht. Die Hausfrau unterzeichnete einen Mietvertrag, der ihr monatlich 600 Euro einbringen sollte. Die erste Miete floss. Weitere nicht mehr. Dazu kamen andere Kosten, die der Angeklagte nicht beglich. »Er war nett«, beschrieb sie den Mann, »kein Unguter.« Ihr erzählte er, er wohne vorübergehend hier, um gleichzeitig seine Wohnung in der Kurstadt zu sanieren.

Dazu brauchte er ein Auto, das er bei einem Autohaus in der Ramsau für 11.400 Euro kaufte. Diesen Betrag blieb er ebenso schuldig wie die Versicherung. Ein Navigationsgerät für 870 Euro ließ er sich einbauen. Als Rechnungsadresse gab er nicht existente Wohnungen an. Mit dem Autohaus hatte er ein Katz-und-Maus-Spiel veranstaltet, indem er behauptete, das Geld müsse erst von Spanien auf sein Wiener Konto transferiert werden. Dazu hatte er sogar ein Schreiben der Wiener Bank gefälscht. Weil der Kaufpreis nicht eintraf, erstattete der Autohändler Anzeige. Kfz und Navi sind wieder bei ihren Besitzern.

Nebenbei mietete der Angeklagte eine Drei-Zimmer-Wohnung in Baden-Württemberg, weil er dort angeblich eine Stelle im Außendienst in Aussicht hatte. Auch hier blieb er die Kaution über 2000 Euro und 950 Euro Miete schuldig.

Der Angeklagte hat 22 Einträge im Bundeszentralregister, immer wieder Urkundenfälschung und Betrug. Zuletzt war er 2019 wegen zweifachen Betrugs und Untreue am Laufener Amtsgericht zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Pflichtverteidiger Jürgen Pirkenseer regte an, den Einmietbetrug für die Ferienwohnung wegzubeschränken, schließlich hatte der Angeklagte 2400 Euro Entlassungsgeld in der Tasche und sei in der Lage gewesen, zumindest zwei Monatsmieten zu begleichen und seinen persönlichen Bedarf zu bestreiten. Nicht zuletzt wegen Corona habe die Erfassung und das Verfahren im Jobcenter sehr lange gedauert.

Damit war auch Staatsanwältin Sarah Harant einverstanden. Gleichwohl sah sie gewerbsmäßiges Handeln verwirklicht. »Nur zwölf Tage nach der Haftentlassung schließt er den Kaufvertrag für ein Auto und macht dreiste Phantasieangaben«, so Harant, die drei Jahre und fünf Monate beantragte.

Wahlverteidiger Udo Krause gestand, es sei nicht einfach, Argumente zugunsten seines Mandanten zu finden. »Aber mit Wohnung und Auto wollte er endlich wieder auf die Beine kommen und eine bürgerliche Existenz aufbauen«, versuchte er eine Erklärung. Nicht zuletzt habe der Angeklagte – »ein schwer kranker Mann« – ein »echtes Geständnis« abgeliefert. Krause plädierte auf ein Jahr und vier Monate. »Ich gehe mit dem Kollegen nicht ganz konform«, deutete Pirkenseer eine andere Sicht an, in dem er auf die hohe Rückfallgeschwindigkeit verwies und den Schaden trotz Rückgabe von Auto und Navi. Deshalb sollten 1900 Euro eingezogen werden. Der Pflichtverteidiger stellte keinen eigenen Antrag, sondern das Strafmaß ins Ermessen des Gerichts.

Das entschied auf zwei Jahre und fünf Monate und bezifferte den Wertersatz auf 1945 Euro. Daneben hat der Verurteilte 950 Euro an die Vermieterin im Badischen zu zahlen. »Mit hoher krimineller Energie haben sie immer auf Kosten anderer gelebt«, fasste Vorsitzender Richter Martin Forster »die verheerende Lebensbilanz« zusammen.

höf