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Foto: dpa/Symbolbild

»Ich habe mich wie ein Robin Hood benommen«: 50-jähriger stiehlt 28.600 Euro

Das Verhältnis zwischen ihrem langjährigen Altenpfleger und der Seniorin soll sehr gut gewesen sein. Das Verhältnis ihres Sohnes zur Mutter hingegen geprägt von Streit, Schikane und sogar Körperverletzung. Das soll Anlass für den 50-jährigen Altenpfleger gewesen sein, Geld zu entwenden, um vermeintlich den »bösen« Sohn zu schädigen. Der Altenpfleger stand nun in Laufen wegen Diebstahls in 25 Fällen vor Gericht. Insgesamt soll er rund 28.600 Euro entwendet haben. Das Urteil: eine Geldstrafe von 3600 Euro.


Der Großteil des Geldes soll aus Geldbörsen und Schubläden im Haus gekommen sein. Daneben hatte der Altenpfleger den Code des Wandsafes ausgespäht und auch dort in vier Fällen Geld entnommen, ehe er mit Hilfe einer Kamera überführt worden war. »Erst dann ist ihm so recht bewusst geworden, was er getan hat«, schloss Rechtsanwältin Katharina Pilsel ihre Schilderung des Geschehens. Die Verteidigerin sprach von »Selbstjustiz« ihres Mandanten, der damit jedoch anders als gewollt nicht den Sohn getroffen habe. »Ich wollte den Sohn schädigen und habe mich wie ein Robin Hood benommen«, bestätigte das der Angeklagte.

Was für den Täter folgte, waren erhebliche finanzielle und psychische Probleme bis hin zu einem Suizidversuch. Dass der Altenpfleger seine Arbeitsstelle verloren hat, war nicht anders zu erwarten. Auch seine Ehe ist aufgrund der Ereignisse in die Brüche gegangen. Gefunden hatte man bei ihm noch 7650 Euro. Die Seniorin und ihr Anwalt hätten sich mit weiteren 5000 Euro Rückzahlung zufriedengegeben. »Aber er hat alles eingeräumt und alles zurückbezahlt«, so Pilsel, die den »Täter-Opfer-Ausgleich« hervorhob. So hätten sich die geschädigte Seniorin und ihr Mandant inzwischen ausgesprochen. »Sie hat ihm verziehen und will nicht, dass er bestraft wird.«

Diese »erheblichen Anstrengungen« wertete Staatsanwältin Pia Wilczek zugunsten des bislang unbescholtenen Angeklagten. »Aber Selbstjustiz ist nicht das Mittel der Wahl.« Zudem sei über einen längeren Zeitraum ein hoher Schaden entstanden. Wilczek beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die sie zur Bewährung aussetzen wollte. Daneben solle der Angeklagte 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Katharina Pilsel betonte das »überschießende Geständnis« ihres Mandanten, was von »echter Reue« geprägt sei. Der Schaden sei wieder gut gemacht und einen Täter-Opfer-Ausgleich könne man nicht besser gestalten. Für die Verteidigerin eine »erste Ebene«; in einer »zweiten Ebene« sah Pilsel die Möglichkeit, sogar ganz von einer Strafe abzusehen. Zu einem Schlusswort war der 50-Jährige nicht mehr fähig, er weinte.

Richter Josef Haiker gestand, dass »nach Aktenlage« selbst der Antrag der Staatsanwältin noch zu gering erscheine. In Anbetracht des enormen Missbrauchs eines Vertrauensverhältnisses sei eher ein Strafmaß von »weit über einem Jahr« angemessen, so der Richter, der den Angeklagten zunächst »mit einem Fuß im Gefängnis« gesehen habe. Die Art des Täter-Opfer-Ausgleichs wertete Haiker als »nahezu ein Paradefall«. Allerdings: »Selbstjustiz ist kein gangbarer Weg. Und einen Robin Hood gibt es nur im Märchen – nicht bei uns.« Von einer Strafe abzusehen, wie es die Verteidigerin beantragt hatte, erachtete der Strafrichter »nicht als sachgerecht.« Der Richter am Amtsgericht urteilte auf 90 Tagessätze zu je 40 Euro. Der Verurteilte will sich demnächst erneut in stationäre, psychologische Behandlung begeben.

höf