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Ein 49-Jähriger stand wegen eines Unfalls unter Alkoholeinfluss vor dem Gericht. (Foto: Schuhegger)

Zu tief ins Glas geschaut und Auto angefahren

Berchtesgadener Land – Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer war es, der gleich zu Beginn der Verhandlung am Laufener Amtsgericht ein »Rechtsgespräch« anregte, um hinter verschlossenen Türen die Sach- und Rechtslage zu erörtern. Doch eine Verständigung mit Staatsanwalt und Gericht kam nicht zustande. Stattdessen erklärte der 49-jährige Angestellte, der wegen eines Unfalls unter Alkoholeinfluss belangt worden war, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Rechtsfolgen zu beschränken. 


Der Freilassinger hatte am späten Nachmittag des 12. Dezember 2021 auf der Münchner Allee in Bad Reichenhall einen an der Ampel wartenden Mercedes GLC touchiert. Der Schaden: 2870 Euro. Wenig später waren bei dem BMW-Fahrer 0,94 Promille Blutalkohol festgestellt worden.

Die Beschränkung des Einspruchs bedeutet, dass die Anklage eingeräumt wird und nur noch das Strafmaß zur Entscheidung ansteht. So durfte die medizinische Sachverständige ebenso unverrichteter Dinge wieder abreisen wie der ermittelnde Polizeibeamte.

»Ich habe am Nachmittag etwas konsumiert«, räumte der Angeklagte ein, während Verteidiger Schwarzer eilig betonte, dass sich sein Mandant noch fahrtüchtig gefühlt habe. Den Führerschein hatte man ihm erst im Juni abgenommen. »Jetzt fahr ich mit dem Rad. Das ist gut für die Umwelt«, merkte der 49-Jährige humorig an. Er gestand, dass ihm die Situation hier vor Gericht unangenehm sei und er seine »Lektion gelernt« habe. Der Freilassinger ist nicht vorbestraft und auch im Fahreignungsregister findet sich nur dieser Führerscheinentzug.

»In Anbetracht der Fahrzeuge ist der Schaden überschaubar«, meinte Staatsanwalt Fabian Meixner dazu. Er wollte es bei den 80 Tagessätzen aus dem Strafbefehl belassen, lediglich die 70 Euro Tagessatzhöhe könne man auf 65 Euro reduzieren. Der Verteidiger mochte die 80 Tagessätze »nicht angreifen«, bloß deren Höhe sei mit 60 Euro ausreichend. Die weitere Führerschein-Sperrfrist des Staatsanwaltes von acht Monaten hätte Schwarzer gerne auf sieben Monate reduziert.

Weil der Schaden an dem Mercedes von der Versicherung inzwischen beglichen ist, entschied Richter Josef Haiker auf die acht Monate und betonte, dass die Sperrfrist damit immerhin um rund sechs Wochen verkürzt werde. Bei der Geldstrafe folgte er mit 5200 Euro dem Antrag des Staatsanwaltes.

höf