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Starkbierfest der Teisendorfer CSU war zweimal in Folge ein Besuchermagnet – Sepp Aschauer hielt die Starkbierrede

Treffsichere Postboten-Predigt und lustige Gstanzl

Teisendorf – Politiker, Gemeinderäte, Geschäftsleute, Pfarrer und Kaplan: Sie alle wurden derbleckt beim zweimal hintereinander ausverkauften Starkbierfest der CSU im Poststall Teisendorf. Durch das mehr als dreistündige Programm führte Bürgermeister Thomas Gasser.

Postbote Sepp Aschauer imitierte das »Langgebet« von Pfarrer Martin Klein – um dem Vorwurf der Gotteslästerung zu entgehen mit dem Inhalt der Rede des Schnalzervorstands »Lenzei« aus Ufering beim Gemeindepreisschnalzen. (Foto: Mergenthal)

Es fing schon gut an: Nur wenige Musikanten saßen anfangs auf der Bühne. Gasser entschuldigte sich für dieses Dilemma aufgrund einer Grippewelle. Doch wie durch ein Wunder wurden die übrigen Musikanten doch noch bis kurz nach Beginn des Festes gesund. Dank eines Anrufs beim Apotheker – und »Umckaloabo« – zogen sie durch den Saal ein und spielten frisch auf.

Drei Schläge reichten zum Anzapfen

Mit drei Schlägen zapfte Bezirksrat Georg Wetzelsperger routiniert an. Bräu Christian Wieninger stellte eine mit dem Bürgermeister entworfene Teisendorfer Bierverordnung vor, um den stagnierenden Umsatz anzukurbeln und die Brauerei zu retten. Als »Pilotprojekt« solle sie im Gemeinderat umgesetzt werden. Dafür stifte er als Bräu pro Sitzung ein Tragerl Helles. Die Vorteile lägen auf der Hand, zum Beispiel: »Die Räte gehen lieber zur Sitzung. Die Kommunikation wird ehrlicher.« Zudem würden Fahrgemeinschaften gefördert, die die Umwelt schonen.

Den sogenannten »Prominentenwitz« durfte Pfarrer Horst Kreß erzählen. Viele Lacher erntete der »Dorfpolizist«, dargestellt von Stefan Schimmel. Zum Dauerbrenner Marktstraße sagte er, neulich sei er dort angehupt und gerügt worden: »Muaßt du do durch de Marktstraße fahr’n? Siehst du net, dass mia do olle parken!« Einen guten Trick, um die Leute in die Kirche zu bringen, legte er der Geistlichkeit ans Herz: »Ein Wieninger-Schild am Eingang aufstellen und vier Euro Eintritt verlangen.«

Die Schwimmbadfreunde Neukirchen hätten nun die Spenden für ihr Bad beieinander und seien damit ins Rathaus gegangen. »Super, aber mit dem Geld sanieren wir jetzt erst amoi des Teisendorfer Schwimmbad«, habe der Gemeinderat gesagt. In der Trödel-Fernsehshow »Bares für Rares« sei Pfarrer Parzinger mit seinem alten Radl da gewesen. Der Polizist wusste auch die Wünsche des »Aschauer-Sepp«, seines Zeichens nicht nur »Postbot Sepp« beim Starkbieranstich, sondern auch Fußballtrainer. Wenn Teisendorf in die Bezirksliga aufsteige, wolle dieser »20 neue Parkplätze, zehn neue Duschen und elf neue Spieler«.

Der Höhepunkt war die Einfahrt des Postboten mit seinem gelben Radl und seine gesalzene Starkbierrede, gewürzt mit heimlich geöffneten Briefen, etwa ein Glückwunschschreiben an Bürgermeister Gasser aus seinem früheren zeitweiligen Wohn- und Arbeitsort in Afrika dazu, »dass du nach unserem alten tansanischen Sprichwort mit Weitsicht und Ruhe die Wünsche deiner Frau ignoriert hast: Bevor du eine Terrasse baust, warte, ob nicht doch ein Glasfaser-Kabel verlegt wird«.

Dass ihr Wohnort Schödling ans Glasfasernetz muss, darin seien sich der Rauscher-Hans (SPD) und Gasser ausnahmsweise einmal einig. In Schödling hat Gasser ein Passiv-Haus. Diese Gebäudeart habe der Rathauschef dahingehend neu definiert, dass man nach dem Einzug praktisch nichts mehr verändern darf. Deshalb gebe es auch einen Passiv-Sportplatz, ein Passiv-Schwimmbad, ein Passiv-Modehaus-Fuchs-Bürgereck und sogar einen Passiv-Skaterplatz.

Die »Überschall-Liesi« fährt selbst immer zu schnell

Den »Skandal im Bahnhofsviertel« aufgrund des Chefwechsels im »längsten Lagerhaus Bayerns«, bei dem die Raiffeisenbank vergebens auf Diskretion mittels »Sprachregelung« geachtet habe, nahm der Postbote ebenso aufs Korn wie die Verwirrung um die Vorfahrtsregelung auf der Marktstraße. Weil »der Fisch ja bekanntlich am Kopf zu stinken« anfange, brauche man sich nicht wundern, dass Teisendorf verkehrsmäßig »Zentralkongo« gleiche: Wenn geblitzt wird, sei die Erste, die zu schnell unterwegs ist, die Frau Bürgermeister.

Und die für den Verkehr zuständige Gemeinderätin Aschauer-Liesi, auch »Überschall-Liesi« genannt, wolle mehr Tempo-30-Zonen: »So schnell fährt sie selber ja schon an der Hofausfahrt!« Teisendorf sei von den Ortsnamen wie »Englham« oder »Paradies« her ein heiliges Dorf. »Ekelhafte und versaute Orte« wie Petting oder Tittmoning kämen hier nicht auf die Landkarte.

In einem köstlichen Moment seiner Rede widmete sich Sepp dem in jeder Messe in ein »Langgebet« verwandelten Hochgebet von Pfarrer Martin Klein. Um dem Vorwurf der Gotteslästerung zu entgehen, imitierte er Kleins »jeden Buchstaben wiederkäuende« Redeweise mit dem Inhalt der Rede des Schnalzervorstands »Lenzei« aus Ufering beim Gemeindepreisschnalzen.

Köstliche Pointen lieferten auch einige »alternative Fakten« und die Schilderung des »Kerzenstreits« in der Kriegerkapelle am Friedhof zwischen dem »Gschwendner Lug« und der »Almerdinger Maria«, die aufgrund des Wachskerzenverbots in der frisch geweißelten Kapelle eine LED-Kerze aufgestellt habe. Diese habe sie einige Tage später im Mülleimer wieder gefunden.

Die Gstanzlsänger Georg Wetzelsperger, Maria Lindner und Ludwig Pastötter und der siebenköpfige »Da Her G’sang« hatten allerlei Pointen zu Themen wie Turnhalle, Schul-Namensgeber Agliardis oder Gemeindebus parat. Gasser plauderte aus dem Nähkästchen über angebliche Buchveröffentlichungen lokaler Persönlichkeiten, wie: »Schwarz wie die Nacht – ich und meine Unterhose«, ein Sonderdruck des Köhlervereins, oder ein Ratgeber für Männer von der CSU-Kreisvorsitzenden Michaela Kaniber: »Wie werde ich der ideale Einkaufsbegleiter?« vm