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Ausstellung im Klausbachhaus widmet sich der Almwirtschaft – Neue Station soll Adlerbeobachtung erleichtern

»1 000 Jahre Auf und Ab« im Nationalpark

Ramsau – Der Nationalpark Berchtesgaden hat zwei neue Besucherattraktionen. Als dezentrale Infostelle des »Hauses der Berge« eröffnete man am Donnerstag im »Klausbachhaus« die interaktive Dauerausstellung »1 000 Jahre Auf und Ab«, die sich mit der Almwirtschaft im Schutzgebiet und mit der Bedeutung des Steinadlers für das ökologische System befasst. Außerdem gibt es rund einen Kilometer entfernt, im Klausbachtal, eine neue Steinadler-Beobachtungsstation.

Präsentation vor atemberaubender Kulisse (v.l.): Alexander Burghartswieser, Dr. Christian Barth, Dr. Lutz Spandau, Dr. Hubert Zierl und Wolfgang Czech mit »Jennifer«. (Fotos: Bauregger)
Die Austragsbäuerin Marianne Schmuck präsentiert den Infostand über das Almleben.

Wie der Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums, Dr. Christian Barth, bei der Eröffnung der Ausstellung sagte, sei die uralte »Kulturlandschaft Alm« nicht nur untrennbar mit dem alpinen Bayern verbunden, sondern für die Region prägend und identitätsstiftend. Die Natur rund um die Almen könne getrost als »ökologisches Schatzkästchen« bezeichnet werden. Die Ausstellung solle aber auch als Mahnung verstanden werden und zeigen, welch tragischer Verlust beim Verschwinden dieser Kulturlandschaft entstünde.

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Das hier dargestellte Thema passe perfekt zum bäuerlichen Stil des Ausstellungsgebäudes, auch wenn der begrenzte Platz in den Räumlichkeiten besondere Anforderungen an die Konzeptionierung der Ausstellung stellte. Als Ergebnis sei in Zusammenarbeit von »Machern«, Almweideberechtigten sowie ehrenamtlichen Informationsgebern und Helfern eine sehr informative, modern und interaktiv gestaltete Dauerausstellung entstanden.

In ähnlicher Art und Weise soll laut Dr. Barth im nächsten Jahr das Thema »Wasser« an einer weiteren dezentralen Informationsstelle in St. Bartholomä dargestellt werden. Durch die pädagogisch hervorragend und geschickt gewählte Präsentationstechnik spreche die Ausstellung eine sehr breite Zielgruppe, angefangen von den Kindern und Familien bis hin zu Touristen und Einheimischen, an.

Davon konnten sich die Festgäste, zu denen auch Bürgermeister Herbert Gschoßmann und Nationalparkchef Dr. Michael Vogel zählten, bei einem Rundgang überzeugen. Im Erdgeschoss des Klausbachhauses wird in erster Linie der menschliche Aspekt aufgegriffen. Dazu gehören mehrere Arbeitsvorgänge auf der Alm, die in verschiedenen Videosequenzen von der Austragsbäuerin Marianne Schmuck erklärt und vorgeführt werden. Auf einer Übersichtskarte wird sichtbar, wie viele Almen es im Gebiet des Nationalparks einst gegeben hatte und wie viele heute noch bewirtschaftet werden.

Wer das Melken probieren möchte, kann sich an einer Melkstation versuchen. Im Obergeschoss richtet sich der Blick auf die Ökologie dieses speziellen Lebensraumes, die Flora und Fauna in den Almgebieten. Unter anderem werden einzelne Themen mit einem Alpenblumen-Memory aus Sitzkissen behandelt. Zudem werden verschiedene Anpassungsstrategien angesprochen und durch atemberaubende Flugaufnahmen mit einem Steinadler dargestellt, wie der »König der Lüfte« von diesem Ökosystem profitiert und welche Rolle er darin spielt. Erklärt werden die einzelnen Themen über Informationstafeln mit ins Englische übersetzter Überschrift. Die restlichen Inhalte können fremdsprachige Besucher über ein Tablet aufrufen, das ihnen zur Verfügung gestellt wird.

Ein wichtiger Bestandteil der Präsentation ist darüber hinaus eine neue Steinadler-Beobachtungsstation, die sich etwa einen Kilometer hinter dem Klausbachhaus im Klausbachtal befindet. Neben dem mit Infotafeln versehenen Unterstand aus Holz zieren die Station eine Feder aus Lärchenholz und ein überdimensionaler Adlerkopf, den Mario Guggenberger aus Berchtesgaden aus einem großen Eichenstamm geschnitzt hat. Wolfgang Czech vom Adlergehege am Obersalzberg präsentierte am Donnerstag zum Vergleich direkt daneben sein 14 Jahre altes Adlerweibchen »Jennifer«. Drei Liegen, aus großen Baumstämmen geschnitten, sollen das Beobachten bequemer machen.

Die an dieser Station erhältlichen Informationen konnten bereits in den 90er-Jahren im Rahmen eines »Steinadler-Projekts« gesammelt werden, an dem sich auch die »Allianz-Umweltstiftung«, vertreten durch Dr. Lutz Spandau, mit hohem finanziellen Aufwand beteiligt hatte. 50 000 Euro spendete die Stiftung auch in diesem Fall für die Beobachtungsstation und den Adlerraum in der Ausstellung.

Ein weiterer wichtiger Unterstützer ist die »Eva Mayr-Stihl Stiftung«, vertreten durch Alexander Burghartswieser. Sie beteiligte sich ebenfalls mit 35 000 Euro an der Ausstellung. Der »Verein der Freunde des Nationalparks« übernahm die Kosten für die Holzskulpturen an der Beobachtungsstation. Insgesamt kostete das Ausstellungsprojekt inklusive Steinadler-Beobachtungsstation etwa 200 000 Euro.

Einen Einblick in das »Steinadler-Projekt« gaben der Projektleiter und stellvertretende Leiter der Nationalparkverwaltung, Ulrich Brendel, und der stellvertretende Projektleiter Jochen Grab. Laut einer Erhebung nahmen bisher etwa 1 400 Interessierte an den ganzjährig etwa 60 angebotenen Steinadler-Beobachtungstouren teil. Eine richtige Beobachtungsstation habe es bisher noch nicht gegeben. Gerade das Klausbachtal sei aber zur Beobachtung der Steinadler ideal geeignet.

An der neuen Beobachtungsstation haben Besucher freie Sicht auf eine Horstwand der Adler, deren Jagdgebiete und bevorzugte Aufenthaltsorte. Die Chancen stehen gut, mit etwas Glück hier tatsächlich den »König der Lüfte« in freier Wildbahn zu entdecken. Werner Bauregger