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1 400 Mitglieder unterhalten sich im Internet über Talkessel-Themen – Vom Foto-Wettbewerb über Lieblingsrezepte bis hin zum Brauchtum

Berchtesgaden – »DU kommst aus Berchtesgaden, wenn ...« – so heißt eine Gruppe auf Facebook, dem größten sozialen Netzwerk im Internet. Dort unterhalten sich Dutzende Personen über Gott und die Welt, veröffentlichen Bilder, äußern sich zu Themen, 1 462 Mitglieder zählt die Gruppe bereits. Einheimische, Fremde, solche, die einst hier wohnten, dann wegzogen. Und die Gemeinschaft wächst weiter.

Alles rund um den Talkessel findet sich in der Facebook-Gruppe »DU kommst aus Berchtesgaden, wenn ...«. Die Mitgliederzahl ist in den letzten Monaten rasant gestiegen. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Neujahrswünsche? Die dürfen in Facebook natürlich nicht fehlen. Fast jeder Nutzer verfasst und erhält solche. Auch in der Gruppe »DU kommst aus Berchtesgaden, wenn...« sparen sich die Mitglieder nicht gerade mit Glückwünschen aus: So weiß zum Beispiel Michael Moser, dass man vor allem dann aus Berchtesgaden kommt, »wennst ois Beatsgona Exilant de dahoam blieb’ma Beatsgona an guad’n Oofang vum Noi’en Joa’ winscht. Doad’s heint in da Nocht schee schiass’n und nan’d Mettensupp’n und de Mettenwirscht’ ohne Ketchup essen...Pfiat enk bis zun next’n Joa’«. Und Markus Ilsanker wünscht allen Mitlesern »alles Geile für's naie Johar.«

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Inhaltlich findet sich in der Gruppe so ziemlich alles. Da veröffentlicht etwa Marc Janssen ein kurzes Video, in dem die landschaftlichen Gegebenheiten der Umgebung gezeigt werden. Logisch, dass sich die Facebook-Gruppe bei ihm bedankt. Nutzerin Irmingard Ute Brown etwa schreibt: »Danke für einen schnellen Sprung nach Hause.«

Äußerst beliebt sind Landschaftsfotos der Gegend. Der Watzmann ist ein beliebtes Motiv, egal, ob die Sonne scheint, der Himmel wolkenverhangen ist oder Schnee den Ort in ein weißes Kleid hüllt. Bergtouren und Familienausflüge werden immer wieder dazu genutzt, die dort eingefangenen Foto-Impressionen mit allen anderen zu teilen, was viele mit einem Klick auf den »Gefällt mir«-Knopf belohnen – der »Währung« auf Facebook.

Beliebt auch: Kleine Bilderrätsel. Nutzer fragen dann etwa, von wo aus ein bestimmtes Foto geschossen wurde. Andere wiederum versuchen, das Rätsel zu knacken, was in der Gemeinschaft meist gelingt. Zumal über 1 400 Personen viel Wissen mitbringen, selbst historische Fotos, die in den letzten Jahrzehnten irgendwo im Talkessel entstanden sind, werden erraten.

Facebook-Userin Barbara Buchmann präsentiert »mein Berchtesgaden« in Form von mehreren Bildern. Bekannte Bergmotive, ebenso ein typischer Berchtesgadener, mit Hut, Lederhose und Ziach, aber auch ein Wasserlauf ist dabei, in dem Eis schmilzt. Barbara Stortz bezeichnet die veröffentlichten Bilder als »Traum« und Josef Brüggler ist begeistert vom Anblick des Watzmanns.

Natürlich waren Anfang Dezember Kramperl und Buttnmandl ein großes Thema in der Gruppe. Jubelschrei-Kommentare gab es von Melanie Deißenbeck, die in der Strub den Bundeswehr-Nikolaus ablichtete und von 57 Facebook-Nutzern mit einem »Gefällt mir« bedacht wurde.

Zahlreiche Gipfelkreuze gibt es zu bestaunen, Almen obendrein. Andrea Kovacs veröffentlicht etwa Priesbergalm-Bilder und erfreut so manchen Mitleser mit Schnappschüssen von der Königsbachalm. Andreas Mannert gibt den Beweis auf, dass es »den schönsten Spiegel der Welt« hier in der Gegend gibt. Wo denn? Natürlich in Schönau am Königssee. Was genau? Natürlich die Wasseroberfläche von Königssee und Obersee. »Mann, da hab ich voll Heimweh und vermisse meine Mama, die in Bischofswiesen wohnt«, schreibt etwa Elke Royal.

Barbara Zeller hingegen unterbreitet öffentlich den Vorschlag, »Berchtsgoner Rezepte« zu sammeln. Wer möchte, soll ein Rezept einsenden. »I samme des, ordnes in Kategorien – Suppn, Mehlspeis, Fleisch (...) und wer dann oa Rezept mecht, braucht se blos rian«, meint Zeller. Dass das Angebot auf große Resonanz stößt, wird beim Lesen der Kommentare schnell deutlich. Viele Nutzer bedanken sich, »i gfrei mi«, meint etwa Nutzerin Stephanie Christina Ponn.

Hannes Stangassinger ist im Internet auf ein ganz besonderes Angebot aufmerksam geworden. Beim größten Versandhändler der Welt, Amazon, hat er Bier entdeckt. Berchtesgadener Hell, zu kaufen auf Knopfdruck. Auf viel Begeisterung stößt das nicht. »Na ja, ist ja schön, dass man auch diese Produkte bei Amazon bestellen kann, aber hier bin ich eigen«, schreibt Ina Ortlieb. Sie kaufe lieber direkt vor Ort.

Der Facebook-Nutzer »Schneidiger Bua« freut sich auf den Winter, »mit vuuuui Schnee, so wia letzt's Jahr am Christkindlmarkt«, und verdeutlicht dies mit einem Foto des Berchtesgadener Advent mit viel Neuschnee.

Oliver Weblus, nach eigener Aussage im Norden beheimatet, zeigt etwa seine ersten Versuche des Stuckbackens. Sein Fazit: »Mehr Keks als Stuck – was mache ich falsch?«

Kerstin Staudigl schreibt, dass ihr das Herz aufgeht, wenn sie Bilder ihrer Heimat sieht. Obwohl sie »nie als Berchtesgadener angenommen wurde«. Lediglich »die Berge und die Menschen, die Dir ein Heimatgefühl gegeben haben, lassen Dein Herz höher schlagen.«

Dass das Heimweh nach Berchtesgaden ein großes Thema ist, beweist so mancher Beitrag in der Gruppe: Robert Pawliczek ist sich sicher, dass man aus Berchtesgaden kommt, »wennst da voa lauta 'Zeitlang' oiwei wieda de Webcam am Lockstoa oschaust«. Dort kann man per Klick über das Internet Live-Bilder aus der Heimat ansehen. Für Marlies Kössel ist das Heimweh ebenfalls ein stetiger Begleiter: »I hob a zeitweis so Hoamweh, dass mas Herz zarreißt.«

Gut also, dass es die Facebook-Gruppe gibt. »Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es ohne Euch ist«, meint ein Nutzer. Kilian Pfeiffer