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1 600 Seiten spannende Heimatgeschichte

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Am Ende eines langen Weges (v.l.): Verleger Anton Plenk, Museumsleiterin Friedl Reinbold, Landrat Georg Grabner, Autor Dr. Karl-Otto Ambronn, Prälat Dr. Walter Brugger und Alfred Spiegel-Schmidt, Vorsitzender des Heimatkundevereins. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Die Eingangshalle von Schloss Adelsheim war menschenvoll, die Besucher wohl auch voller Erwartung auf ein besonderes Ereignis. Der in Berchtesgaden geborene und in der Oberpfalz lebende Historiker Karl-Otto Ambronn konnte an diesem Abend erstmals sein vom Verleger Anton Plenk überreichtes »Biographisches Lexikon des Berchtesgadener Landes«, Teil 1: 1100 bis 1810, in Empfang nehmen.


Ambronn trug in neunjähriger Arbeit akribisch Fakten über einstige »Bewohner von einiger Bedeutung« des sogenannten südlichen Landkreises zusammen, war zielstrebiger Stammgast in verschiedenen Archiven und sieht sich nun am Ziel eines langen und sicher manchmal mühsamen Weges. Das vorliegende Lexikon war ursprünglich auf etwa 800 Seiten konzipiert. Endgültig sind es mehr als 1 600 Seiten, die in zwei Bänden gebunden ein wohl einmaliges und wertvolles Nachschlagewerk für alle bedeuten, denen Regionalgeschichte Anliegen ist. Eine üppig sprudelnde Quelle als Ergänzung zur vor Jahren erschienenen mehrbändigen »Geschichte von Berchtesgaden«.

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Auf Seite 381 des Biographischen Lexikons taucht ein Anton Grabner auf, der war Mitte des 17. Jahrhunderts Bader und Bürgermeister im Markt Schellenberg. Der ist allerdings kein Mitglied in der Ahnenreihe von Landrat Georg Grabner, der nicht nur als »Hausherr« von Schloss Adelsheim, sondern auch als Vertreter zweier wesentlicher Spender und somit Förderer des Projekts gekommen war, ohne die es dieses Mammutwerk wohl nicht gedruckt gegeben hätte. »Die Auszahlung der Fördersumme ist bereits auf dem Weg«, konnte Grabner vermelden. Das nun vorliegende »Biographische Lexikon« ergänze die »Geschichte von Berchtesgaden« in hervorragender Weise, fand der Landrat.

Herausragendes Geschichtswerk

Als Vorsitzender des Heimatkundevereins Berchtesgaden erinnerte Alfred Spiegel-Schmidt an die vor 50 Jahren von Hellmuth Schöner begonnene »Berchtesgadener Schriftenreihe«, die Neues und längst Vergriffenes auflegen sollte. Er freue sich, so Spiegel-Schmidt, dass im Jubiläumsjahr der Reihe die umfangreichste von einer Einzelperson erstellte Veröffentlichung eingegliedert werden könne. Dr. Karl-Otto Ambronn habe mit diesem ausgezeichnet und akribisch recherchierten Lexikon nicht nur ein herausragendes Geschichtswerk geschaffen, sondern auch selbst Geschichte geschrieben. Weder der Heimatkundeverein noch der Verlag hätten das Werk allein stemmen können. Mithilfe von Förderern habe man auch erreicht, den Verkaufspreis auf ein angemessenes Maß zu reduzieren, dafür sei man dankbar, insbesondere der Berchtesgadener Landesstiftung und der Sparkassen-Bürgerstiftung, beide vertreten durch Landrat Georg Grabner. Die Marktgemeinde Berchtesgaden und der Heimatkundeverein hätten natürlich auch ihr Scherflein beigetragen.

Verleger Anton Plenk ließ die Entstehungsgeschichte des Lexikons noch einmal aufleben. Ohne zusätzliche Mittel hätte er das Werk niemals auflegen können, mindest nicht zu einem moderaten Preis. »Dann hat sich Dr. Walter Brugger eingemischt«, merkte Plenk lächelnd an. Und so habe er zugestimmt, auch, weil der Heimatkundeverein als Herausgeber »aufgesprungen« sei und das Mammutwerk in seine Schriftenreihe aufnahm. Die etwa 850 Din A 4–Seiten mussten auf zwei Bände (A-K und L-Z) verteilt werden, denn immerhin galt es 48 000 Zeilen unterzubringen. Dem Verfasser Karl-Otto Ambronn bescheinigte er ein »unglaubliches Durchhaltevermögen«.

»Lieb und teuer«

»Walter, Du bist mir lieb und teuer«, hatte Landrat Georg Grabner in Richtung von Prälat Dr. Walter Brugger angemerkt. In seiner Laudatio ging Dr. Brugger dann auch auf die finanzielle Unterstützung ein. Und freute sich, unter den Gästen auch den ehemaligen Landrat Martin Seidl zu sehen: »Martin, damals hast Du mir mehr Geld für die »Geschichte von Berchtesgaden« gegeben«, konterte er die »Attacke« von Georg Grabner.

Im Vorfeld habe er Gelegenheit gehabt, in Dr. Ambronns Werk zu blättern und sich mehrfach »festgelesen«. Der Autor habe auch bei der »Geschichte von Berchtesgaden« mitgewirkt und seine immerhin fast 250 Seiten umfassenden beiden Beiträge dort ragten durch Umfang, Genauigkeit und intensivster archivalischer Recherche heraus. Nun lege Dr. Ambronn ein Ergänzungswerk zur erwähnten Reihe vor, das an Umfang, Genauigkeit und fast erdrückender Archivarbeit nichts dergleichen habe.

Der Wert dieser umfangreichen Arbeit liege darin, dass man nun Einzelheiten über Pröpste, Chorherren, Geistliche, führende Beamte, Bürgermeister und Bürger, Musiker, Künstler, Weinwirte, Salzbergwerke und nicht zuletzt über die Augustinerinnen im Nonntal und draußen am Anger nachlesen könne, von denen bisher kein Forscher der Berchtesgadener Geschichte eine Ahnung hatte.

Reisen durch die Archive

Nach viel und gern entgegengenommenem Lob kam endlich der Autor Dr. Karl-Otto Ambronn zu Wort. Er schilderte seine insgesamt neunjährigen Mühen bei seinen Reisen durch die Archive. Insbesondere das Bayerische Hauptstaatsarchiv habe er regelmäßig besucht und dazu andere wie das Archiv des Erzbistums München-Freising. Aber auch die regionalen Anlaufstellen, und hier besonders das von Andreas Pfnür verwaltete katholische Kirchenarchiv, bekamen Anteile am Dank des Autors.

Am Ende der den Büchern angemessen langen Veranstaltung gab es Blumen für die Gattin des Autors, die den Computerpart übernommen hatte, ohne den die Herausgabe des Werkes wohl noch weitere Monate in Anspruch genommen hätte. Autor Dr. Karl-Otto Ambronn erhielt nach der mühevollen Arbeit endlich das erste Belegexemplar aus Verlegerhand. Dieter Meister