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100 000 Ausflüge für zwei Gläser Honig

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Ein flammendes Plädoyer für die Bienen hielt Apotheker Dr. Johann Seibert. (Foto: Berwanger)

Bischofswiesen – Eine Lanze für die Bienen hat der Teisendorfer Apotheker Dr. Johann Seibert bei der jüngsten Gebietsversammlung der Landfrauen aus den Bereichen Au, Bischofswiesen, Königssee, Maria Gern, Marktschellenberg, Ramsau, Schönau und Salzberg gebrochen. Der Imker und Nebenerwerbslandwirt überzeugte die Besucherinnen der Veranstaltung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Gasthof »Brennerbräu« in seinem lebendigen Vortrag vom buchstäblichen Fleiß der Bienen und von der Heilkraft ihrer Produkte.


Maria Krammer, Kreisbäuerin des Berchtesgadener Landes, und Reinhard Lampoldshammer, Geschäftsführer der BVV-Geschäftsstelle Traunstein, konnten sich über einen gut besuchten Nachmittag freuen. Die Kreisbäuerin nutzte ihre Begrüßungsworte auch gleich, um die Anwesenden zum Landfrauentag am Freitag, 12. Februar, ab 10 Uhr in Teisendorf einzuladen. Das Festreferat von Bezirksbäuerin Christine Singer stünde unter dem Motto »Vielfalt – Leben«, warb Krammer und forderte das Publikum auf: »Kommt's und lasst's euch verwöhnen.«

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Bevor sich die Landfrauen diesmal mit Kaffee und Kuchen verwöhnen ließen, brachte sie Reinhard Lampoldshammer auf den neusten Stand bei den Neuerungen für die Landwirtschaft in Sachen Sozialrecht. Dazu gehören heuer auch eine zusätzliche Finanzspritze aus dem Bund als Zuschuss für die Beiträge zur Berufsgenossenschaft sowie die lange diskutierte Neuregelung der Hofabgabeklausel. Sie soll bei diesem generationenübergreifenden Thema unter anderem durch höhere Rückbehaltegrenzen und Zuschläge bei späterem Rentenbezug für mehr Gerechtigkeit zwischen Jung und Alt sorgen.

Er habe seinen Hof auch noch nicht übergeben, bekannte Apotheker Johann Seibert schmunzelnd, bevor er seinen Vortrag zum Thema »Bienen, Pflanzen und Natur« startete. Nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass er auf Rat seiner Frau das Handy beiseitelege. Obwohl er dringend auf die Nachricht warte, dass die älteste seiner fünf Kühe endlich zu kalben beginne. Vom Großvater habe er die Liebe zu den Bienen, so der Pharmazeut. Die Bienen seien »faszinierende Lebewesen«, die nicht nur der für sie sehr schädlichen Varroamilbe wegen schwere Zeiten durchlebten.

So säßen die Bienen infolge des lange warmen Winters schon auf der Brut und kämen deswegen »bei diesem brutalen Kälteeinbruch« nicht mehr an die vollen Waben. »Sie verhungern bei vollem Futter«, befürchtete Seibert. Detailreich und für die Landfrauen hochspannend schilderte der Teisendorfer die vielfältige Arbeit der Bienen, eindrucksvoll hinterlegt mit seltenen Nahaufnahmen der Bienen. Beispielhaft für andere für den Menschen wertvolle Produkte der Bienen wie Honig, Wachs oder Gelée Royale, der Futtersaft der Bienenköniginnen, pries der Apotheker die Vorzüge von Propolis. »Propolis kennen eher wenige Menschen«, sagte Dr. Seibert. Dabei sei der Kittharz, den die Bienen am Eingang des Stocks brauchten, um sich »die Füße zu desinfizieren«, schon vor 2 000 Jahren bekannt gewesen.

Die alten Ägypter hätten Propolis zur Behandlung ihrer Mumien benutzt und es sei erst vor gut 50 Jahren wiederentdeckt worden. Das von den Arbeitsbienen im letzten Drittel ihres Lebens von Baumknospen geerntete und ihren Kolleginnen im Bienenstock verarbeitete Harz werde als Propolis heute gern in Zahnpasten, Mundwasser oder Pastillen verwendet, so der Referent. Es sei immunstärkend und den Kampf gegen Pilze, Keime und Bakterien unterstützend. Wenn auch kein Allheilmittel, insbesondere nicht für Babys und Kleinkinder, sei Honig ein wunderbares Produkt. Er schmecke nicht nur gut, sondern könne auch auf Wunden verwendet werden.

Die Deutschen verzehren jährlich pro Kopf anderthalb Kilo Honig, erfuhren die Landfrauen. »Für ein Kilo Honig braucht man drei Kilo Nektar«, erklärte Johann Seibert. »Für zwei Glaserl Honig müssen die Bienen 100 000 Ausflüge unternehmen und 150 Millionen Blüten anfliegen.« Über so viel Fleiß staunten selbst die Landfrauen. Ina Berwanger