weather-image

120 000 Euro günstiger pro Jahr

2.6
2.6
Bildtext einblenden
Bischofswiesen ist als Standort für die Mittelschule der klare Favorit für die Gemeinde Schönau am Königssee. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Die Gemeinde Schönau am Königssee hat abgestimmt: Mit zwei Gegenstimmen haben sich die Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung für den von ihnen präferierten künftigen Standort der Mittelschule entschieden: Bischofswiesen. Nach einem zuvor präsentierten Gutachten über den Standort Berchtesgaden und der Veröffentlichung aller relevanten Kosten ist die Fahrtrichtung vorgegeben. Wenn die Mittelschule nach Bischofswiesen kommt, sparen sich die Talkesselgemeinden rund 120 000 Euro pro Jahr.


Das Gutachten, das seit Langem angekündigt war und auf das man über Monate gewartet hatte, wurde am Dienstagabend im Gemeinderat erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. In diesem wird der Mittelschulstandort in Berchtesgaden beleuchtet. Angefertigt hat es das Architekturbüro Schulze Dinter aus Berchtesgaden. Auf mehreren Dutzend Seiten wird dort aufgezeigt, wie der Mittelschulstandort in Berchtesgaden beschaffen ist und welche Investitionen anstünden, sollte die Schule auch weiterhin am Bacheifeld angesiedelt bleiben. Hannes Rasp, Schönau am Königssees Bürgermeister, hatte sich am Dienstag anhand des Gutachtens orientiert, daraus zitiert, Zahlen genannt. Mögliche Szenarien sind darin aufgeschlüsselt. Etwa jenes, wenn künftig Bischofswiesens Mittelschule nach Berchtesgaden verlagert werden würde.

Anzeige

Millionen für die Sanierung

In Berchtesgaden müsste dann kostspielig saniert werden, 4,6 Millionen Euro – neue Fenster, ein neuer Sonnenschutz, WC-Anlagen, energetische Maßnahmen, Aufzuganlage und Rampen für die Barrierefreiheit. Ein »erheblicher Sanierungsbedarf«, so bezeichnet dies Hannes Rasp. Eine Dreifachturnhalle wäre notwendig, da die umliegenden Turnhallen bereits ausgelastet sind. Auch die Sportanlagen müssten modernisiert werden. Alle Investitionen zusammengenommen und auf die Schüler umgelegt, würde jeder pro Jahr 2 804,79 Euro kosten.

Ein anderes Bild zeigt sich in Bischofswiesen. Dort könnten alle 15 bereits vorhandenen Klassen-, Neben- und Fachräume genutzt werden. Ebenso beide Turnhallen, der Sportplatz wäre ebenso gut erreichbar, hinzu kommt eine Mensa, die Bischofswiesen auf dem Schulgelände hat – in Berchtesgaden ist die Mensa im Gymnasium integriert. »Zwölf Minuten Laufzeit«, so hat man im Gutachten berechnet, bräuchten Mittelschüler in die 900 Meter entfernte Mensa.

Berchtesgaden über 500 Euro teurer pro Schüler

Obwohl die Mittelschule in Bischofswiesen bereits energetisch saniert und umgebaut wurde, mehrere Millionen Euro hineinflossen und auch die Technik auf den neuesten Stand gebracht wurde, müsste angebaut werden, um alle Mittelschüler aus Berchtesgaden aufnehmen zu können. Dennoch lägen die Kosten pro Schüler bei 2 239,55 Euro, das ist eine Differenz von deutlich über 500 Euro zu Berchtesgaden.

Für Bürgermeister Hannes Rasp ist deshalb klar, in welche Richtung es gehen muss. »Auch wenn wir alle zur Zeit nicht jeden Euro umdrehen müssen, kommt für mich nur Bischofswiesen infrage«, sagte Rasp, der dies anhand mehrerer Punkte verdeutlichte. So sei man in Schönau am Königssee in der glücklichen Lage, »emotionslos« an die Sache heranzugehen. Dem Großteil der Kinder sei es »wahrscheinlich egal, ob sie nach Bischofswiesen oder nach Berchtesgaden müssen«, sagte er. Für ihn zählten die Fakten. Natürlich sei Berchtesgaden zentraler gelegen, »aber unsere Kinder würden auch nach Bischofswiesen keinen deutlich längeren Weg haben.«

Niemand müsste früher das Haus verlassen oder käme später zurück, versprach Hannes Rasp und wiederholte damit die Aussage des Berchtesgadener Bürgermeisters, der sich dergestalt bereits vergangene Woche geäußert hatte. Der Busbahnhof in Berchtesgaden sei der zentrale Knotenpunkt, über den alle Fahrten abgewickelt würden. »Ein klares Plus bekommt Bischofswiesen von mir, weil das Gebäude bereits saniert wurde – und es geht hier ja immerhin um Steuergelder.« Auch in Sachen Nachnutzung sei klar, wie man sich zu entscheiden habe: »Das Schulgebäude in Bischofswiesen ist verschachtelt, eine Nachnutzung schwieriger als in Berchtesgaden.«

Dort könnten, so hatte es Bürgermeister Franz Rasp bereits angekündigt, bis zu 40 Wohnungen entstehen. Laut Gutachten würde der Abriss der Berchtesgadener Mittelschule 950 000 Euro kosten, sagte Hannes Rasp. Der Campus-Schulstandort in Bischofswiesen sei auch deshalb zielführender, »weil die Kinder mit den Hausschuhen in die Turnhalle gehen können – und die Mensa liegt auch gleich daneben«. Ausschließlich zum Wohl der Kinder wolle Hannes Rasp entscheiden, das sagte er im Laufe des Abends mehrfach. Im Leben müsse man häufig Veränderungen mitmachen, so auch in Sachen Schulstandort.

Gemeinderat Thomas Janzen sagte, dass für ihn die Kosten entscheidend seien. Alles spreche daher für Bischofswiesen. Dass Berchtesgaden als Mittelzentrum gesehen werde, sei für ihn kein Argument, dort auch die Schule angesiedelt haben zu müssen. Beppo Maltan kritisierte, dass es in Berchtesgaden »verschlafen wurde nachzubessern – sonst sähe das alles vielleicht ganz anders aus«. Elisabeth Rasp erkennt zwar die Kosten, für sie zählt aber die Tatsache, dass Berchtesgaden »der Mittelpunkt« sei, der Schulweg für alle am kürzesten. Alle anderen Gemeinden seien bekanntlich »Randgemeinden«. Es dürfe nicht sein, dass eine kleinere Schule eine größere schlucke. Dies wiederum stieß Rasp sauer auf, für den die Bezeichnung als Randgemeinde »fast schon unverschämt ist«. Auch das Schulamt favorisiert laut Bürgermeister den Standort Bischofswiesen. Nachgefragt bei Schulamtsdirektor Frank Thieser liege »der Ball aber aktuell noch im Spielfeld der Sachaufwandsträger«, die nun erst einmal eine Entscheidung fällen müssten. Kilian Pfeiffer

Dieses Video könnte Sie auch interessieren: