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2 000 Jahre alte Münze in Ramsau entdeckt

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Das Ramsauer Anwesen in den 50er Jahren. Foto: privat
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2 000 Jahre alt und eine echte Ramsauer Rarität: Die Münze aus der Zeit von Kaiser Caligula. Anzeiger-Foto

Ramsau - Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger freut sich über den einmaligen Fund in einem Ramsauer Lehen. »So etwas passiert höchst selten«, sagt er. Dessen Besitzer hatte eine Münze entdeckt, die er nun zur Überprüfung an das Landesamt für Denkmalpflege weitergereicht hat. Mit überraschendem Ergebnis.


Aufgetaucht war die Münze schon länger, erzählt Schöbinger. Seit 1956 ist die Existenz bekannt. Damals hat der Ramsauer, dessen Name nicht in der Zeitung genannt werden soll, die Münze beim Abbruch des Dachstuhls des alten Stadls zwischen zwei morschen Stämmen in einer Kuhle gefunden. Im Firstbalken war die Jahreszahl 1406 eingeschnitzt.

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Der Finder hat den Fund damals gereinigt und sorgfältig aufbewahrt. Aber dann geriet die Sache zunächst in Vergessenheit. So lange, bis sich am Rande der diesjährigen Ramsauer Kirchen-Feierlichkeiten zu »500 Jahre St. Sebastian« die Gelegenheit zu einer Nachforschung ergab. Kreisheimatpfleger Schöbinger vermittelte und ließ die Münze an das Landesamt für Denkmalpflege weitergeben. Die Experten analysierten die bronzefarbene Rarität - und kamen schließlich zu einem überraschenden Ergebnis.

Bei der Münze handelt es sich um einen Sesterz des Kaisers Caligula. Geprägt wurde das 24 Gramm schwere Stück mit einem Durchmesser von 3,3 Zentimetern um das Jahr 37/38 nach Christus in Rom.

Die Oberfläche ist stark angegriffen und von der ursprünglichen Umschrift der Vorderseite »C CAESAR AUG GERMANICUS PON M TR POT« kann man nur noch wenig erkennen. Die Rückseite zeigt Kaiser Caligulas Schwestern. Die auf der Münze eingeprägten Namen sind nur für Fachleute zu entziffern.

Die Frage bleibt, wie die Münze in das Firstgebälk des Ramsauer Anwesens kam. Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger kennt die wahrscheinliche Antwort: »Es handelt sich hier wohl um ein aus Aberglaube im Dachstuhl deponiertes Objekt.« Bei der Münze könnte es sich um eine Arte von Weihegabe handeln. Die Frage, woher der Sesterz stammt, wird selbst von Fachleuten aus dem Landesamt für Denkmalpflege nur spekulativ beantwortet. Wahrscheinlich stammt er aus dem römischen Siedlungsraum im Alpenvorland zwischen Seebruck und Salzburg.

Der Sesterz war die monetäre Hauptrechnungseinheit in der römischen Republik sowie im römischen Imperium. Unter Kaiser Augustus erhielt der Sesterz seine endgültige Form und wurde in einer messingähnlichen Kupfer-Zink-Legierung geprägt. Zur Zeit des späteren Kaisers Caligula hatte der Sesterz den Wert von vier Assen. Zur damaligen Kaufkraft weiß Schöbinger Folgendes zu sagen: »Eine einfache Hauptmahlzeit kostete einen halben Sesterz. Der Tagesbedarf eines Arbeiters betrug vier Sesterzen. Ab 2 000 Sesterzen konnte ein gewöhnlicher Sklave erworben werden.

Zum heutigen Wert der nun registrierten Münze lässt sich von offizieller Seite her nicht viel sagen. Dennoch: Der Sammlerwert sei hoch, weiß Schöbinger, für den der Münzfund als Kreisheimatpfleger der erste seiner Art war: »Ein schönes Erlebnis«, freut er sich. J. Sch./kp