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22 Meter hoch und »glitschig wie ein Fisch«

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»Hau ruck« – Zentimeter für Zentimeter schoben die Trachtler vom GTEV D'Untersberger Stamm den Maibaum in die Höhe. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)
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Hansi Moderegger hat (M.) es mit Unterstützung seiner Freunde bis nach oben geschafft.
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Franz Stanggassinger mit seinem Pferdefuhrwerk brachte den Maibaum vom Sulzbergkopf zum Kongresshaus.
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Besonders krauftraubend war heuer das Maibaumkraxeln.

Berchtesgaden – 22 Meter hoch ist das Prachtexemplar von Maibaum, das seit Samstag vor dem Kongresshaus Berchtesgaden steht. Das Fällen der vom Forstamt Berchtesgaden gestifteten Fichte um 7 Uhr am Sulzbergkopf haben die Mitglieder des GTEV D'Untersberger Stamm unter der Leitung ihres Vorstandes Richard Grüsser genauso übernommen wie das von den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden in Auftrag gegebene anschließende Aufstellen im Markt.


Franz Stanggassinger transportierte den Maibaum mit seinem Pferdefuhrwerk von Schönau am Königssee zum Kongresshaus. Die Trachtler – unter ihnen zwei Musikanten – saßen während des Transports auf dem Maibaum und spielten auf ihren Instrumenten. Touristen und Einheimische säumten die Straßen und freuten sich über die originelle Anlieferung des Maibaumes. Die Pferde zogen den Baum hinauf auf die kleine grüne Insel zwischen Hotel »Edelweiß« und Kongresshaus. Der Wipfel musste noch einmal neu angeheftet und die Kränze mit den Preisen für die Kletterer übergezogen werden.

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Anschließend wurde der Maibaum von den rund 50 tatkräftigen Männern per Hand von der Deichsel gehoben und mit dem Baumfuß zur Grube gelegt. Immer mehr Gäste säumten die Absperrung und schossen Fotos. Vor dem Hotel war eine Bierbar vom Hofbräuhaus Berchtesgaden aufgestellt und bei den Klängen der »Berchtesgadener Buam« kam Frühschoppenstimmung auf.

Aufgestellt wurde mittels Muskelkraft ohne jegliche Hilfe von Traktor oder Bagger. Kurz vor Ende fielen ein paar Regentropfen. Dies tat der Aktion zwar keinen Abbruch, allerdings wurde das anschließende Maibaumkraxeln ein Szenario. Der Baum war nämlich glitschig wie ein Fisch. Und so war dem 1. Vorstand der Aktiven Unternehmer, Berni Zauner, das Risiko des Maibaumkletterns zu groß. So sicherte Zauner die Kletterer persönlich mittels Bergseil. Man probierte und scheiterte. Franz Schwaiger schaffte die Hälfte des Baumes und gab auf. Es schien schier unmöglich, auf den Baum zu kommen, so glatt war das Äußere.

Andreas Hackl, ein Verwandter von Georg Hackl, schaffte es als Erster, zum ersten Kranz zu kommen und einen Gutschein mit herunter zu nehmen. Seine Freundin Julia zitterte und nach dem Erfolg bekam der Held von ihr ein dickes Bussi und von den Zuschauern viel Applaus. Der Erfolg von Andreas Hackl spornte Stefan Ohnhäuser an. Im letzten Jahr war er gleich dreimal hintereinander nach oben gekraxelt und hatte Preise heruntergeholt. Heuer gab er jedoch nach ein paar Metern mit den Worten »Oh Gott, is des glatt, das tu ich mir nicht an« auf. Robert Tzschöckl aus München wollte es auch wissen, er war jedoch chancenlos.

Als Martin Liebl das Kraxeln begann, gaben ihm die Zuschauer wenig Chancen. Zwei Kletterzüge und Pause. Aber genau das war seine Taktik und durch Ausdauer und mit viel Willen konnte auch er einen Preis herunterholen. Hansi Moderegger mit seinen erst 13 Jahren riss sein Hemd herunter und sagte: »Ich pack es auch. Mein Onkel und mein Opa sind auf jeden Maibaum gekommen und jetzt probier ich es«. Seine Freunde waren bei ihm und für die ersten Meter schoben sie ihn schon mal am Hosenboden an. Als dann ab der Hälfte die Kräfte des jungen Kletterers ein wenig nachließen, nahmen die Freunde das Sicherungsseil von Berni Zauner und zogen etwas an, bis Hansi rief: »Jetzt gebt´s a Ruah«. Dann gab er noch mal alles und kämpfte sich bis zum zweiten Kranz hinauf. Preisgekrönt und stolz kam er gesund wieder herunter und bekam viel Applaus. Die Untersberger feierten anschließend im Gasthof »Neuhaus« weiter. Bernhard Stanggassinger