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»25 Jahre sind kein Verdienst, sondern Gnade«

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Pfarrer Peter Demmelmair: Dankgottesdienst für 25 Jahre Priesterdasein. Fotos: Anzeiger/Pfnür
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Pfarrer Peter Demmelmair (M.) im Gespräch mit Dr. Franz Torka, Manfred Jüstel, Schwester Lambertis und Bartl Mittner (v.l.).

Berchtesgaden – In der voll besetzten Pfarrkirche fand am Dienstag ein festlicher Gottesdienst statt. Denn Pfarrer Peter Demmelmair feierte sein silbernes Priesterjubiläum: »Ganz gut« kann sich Pfarrer Peter Demmelmair an seine Priesterweihe vor 25 Jahren erinnern. »Es hat die ganze Nacht und den ganzen Morgen wie aus Kübeln geschüttet.« Umso symbolträchtiger war der erste Sonnenstrahl, der zur Gabenbereitung durch ein Kirchenfenster des Mariendoms zu Freising fiel. Und nach dem Gottesdienst war zwar der Vorplatz mit Pfützen übersät, aber es schien strahlend die Sonne.


Auch an die damalige Predigt kann sich Demmelmair noch erinnern: Friedrich Kardinal Wetter ermunterte die künftigen Priester, dem Vorbild des kurz zuvor selig gesprochenen Pater Kaspar Stanggassinger zu folgen. »Wir wussten mit dem Pater seinerzeit nichts anzufangen. Und dass es mich in die Heimat des Seligen verschlagen würde, wusste ich damals auch nicht.« Am darauffolgenden Samstag gab es einen Empfang in der Heimatgemeinde Ruhpolding, am Sonntag dann bei schönstem Wetter einen Kirchenzug vom elterlichen Haus hinauf auf den Hügel, wo in der Kirche St. Georg die Nachprimiz stattfand.

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Auch die erste Woche als Kaplan wird Demmelmair nicht vergessen: »Ich musste eine Vertretung übernehmen und hatte in der ersten Woche nicht weniger als sechs Beerdigungen.« Rückblickend seien die 25 Jahre als Priester wie im Fluge vergangen: Zunächst vier Jahre lang als Kaplan in Wolfratshausen, danach vier Jahre als Jugendpfarrer im Raum Rosenheim. Zwei Drittel seiner Priesterzeit war Demmelmair Pfarrer in Berchtesgaden, wo er am 17. März 1996 in der Pfarrkirche von Pfarrer Otter feierlich eingeführt wurde und wo am 28. Juli der Abschiedsgottesdienst in der Stiftskirche sein wird.

Am Dienstagabend fand in der Pfarrkirche St. Andreas ein festlicher Gottesdienst anlässlich des silbernen Priesterjubiläums statt. Das Wetter spielte ähnliche Kapriolen wie vor 25 Jahren: Gewitterschauer und Sonnenstrahlen wechselten sich ab, beim Kirchgang konnte ein wunderschöner Regenbogen bewundert werden. Stiftsmesner Dirk Eggenweiler hatte den Altarraum mit vielen Blumen geschmückt und den Altar mit den priesterlichen Insignien Kelch, Patene, Stola und Messbuch malerisch dekoriert.

Pfarrer Demmelmair begrüßte alle, die zum Mitfeiern gekommen waren, namentlich Schwester Lambertis, die lange Jahre im Krankenhaus und Bürgerheim gewirkt hatte sowie seine Tante, ebenfalls eine Ordensfrau. »Die 25 Jahre sind kein Verdienst«, erklärte der Jubilar in seinen Begrüßungsworten, »sondern vielmehr Gnade, das meiste hat man geschenkt bekommen.« Deshalb habe er Grund zur Freude und wolle in einem Dankgottesdienst dem Schöpfer »Vergelt's Gott« sagen. Er bedankte sich bei seinen Mitbrüdern, die den Gottesdienst mit ihm feierten: Pfarrer i. R. Josef Zierl, Pater Benno vom Franziskanerkloster, Kaplan Stefan Leitenbacher, Diakon Bernhard Hennecke und Praktikant Michael König. Diakon Karl Bodinger, der wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen konnte, wurde von Demmelmair ausdrücklich in das Vater-unser-Gebet mit eingeschlossen.

In seiner Predigt erzählte Demmelmair die Geschichte eines Kranken, dem man, als er zunehmend Glaubenszweifel bekam, einen leeren Stuhl »für Jesus« an sein Krankenbett gestellt hatte. Als er gestorben war, sagte die Tochter zu ihrem Pfarrer: »Mein Papa ist gestorben - aber er ist ganz eigenartig gestorben: Sein Kopf lag auf dem Stuhl.« Die in dieser Geschichte zum Ausdruck kommende »Nähe zu Jesus« sah Demmelmair als wesentliches Element seiner 25 Priesterjahre. »Ich wusste Jesus immer neben mir, egal ob bei Taufen, Trauungen, Krankensalbungen oder Beerdigungen.«

Musikalisch umrahmt wurde der feierliche Gottesdienst von der Dürrnberger Bergknappenmusikkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Hans Ebner. Sichtlich überrascht war der Jubilar, als das Concentus Quartett, eine Gesangsgruppe aus seiner Rosenheimer Jugendpfarrer-Zeit, zwei Lieder anstimmte. Am Ende des eindrucksvollen Gottesdienstes erhielt eine langjährige geistige Wegbegleiterin von Pfarrer Demmelmair das Wort: Ruth Kriss-Rettenbeck kam auf die Trübsal zu sprechen, die viele Gläubige bei der Nachricht vom bevorstehenden Weggang ihres Pfarrers befallen habe. Ausgehend von einem Wort von Bernhard von Clairvaux, wonach man sich auch in Not und Drangsal freuen und Gott danken solle (»tribulatio gaudete«), appellierte sie an die versammelten Gläubigen, für eine gute Zukunft ihres scheidenden Pfarrers zu beten.

Nach dem Festgottesdienst lud Pfarrer Demmelmair die Kirchenbesucher in den romanischen Kreuzgang ein, wo es Gebäck und Getränke gab, außerdem »Tafelmusik« von verschiedenen kleineren Formationen der »Dürrnberger«. Bei angeregter Unterhaltung unter den altehrwürdigen Gewölben klang so der leicht wehmütige, doch überwiegend heitere Abend aus. Andreas Pfnür