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30 Höhlenexperten an Transport beteiligt – Dauer: mindestens sieben Tage

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Materialnachschub für den Einsatz in der »Riesending«-Höhle im Untersberg. Foto: BRK BGL
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Das erste Mal gewähren die Beteiligten Einblick in die Einsatzzentrale. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
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14 Kamerateams waren bei der vierten Pressekonferenz im Feuerwehrhaus. Dutzende Journalisten aus mehreren Ländern ebenso.

Marktschellenberg – Johann W., der Höhlenforscher, der mit einem Schädel-Hirn-Trauma in 1 000 Metern Tiefe in der »Riesending«-Schachthöhle im Untersberg liegt, gilt laut Informationen der Bergwacht Bayern als transportfähig, wie Stefan Schneider, stellvertretender Vorsitzender der Bergwacht Bayern, am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden bekannt gab. Ein Team aus zwei Ärzten und fünf Höhlenrettern war bereits beim Verletzten und bereitete ihn für den Transport vor. Ein weiteres Expertenteam hatte Medikamente aus der Kreisklinik Berchtesgaden in die Höhle gebracht. Der Rücktransport sollte gestern am späten Nachmittag beginnen. 30 Höhlenretter sind daran beteiligt.


Die für den Einsatz Verantwortlichen wirkten während der Pressekonferenz entspannter als die Tage zuvor. Grund dafür dürfte vor allem sein, dass der Patient stabil ist und sich auf dem langen Weg nach draußen befindet. Zum Einsatz kommt eine besondere Trage, die es ermöglicht, an Engstellen entsprechend manövriert zu werden. Der Kopf des Patienten wird mit einer Halskrause stabilisiert. Für die entsprechende Wärme sorgt eine Technik, die aus dem militärischen Bereich kommt.

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Die Bergung werde keineswegs erschütterungsfrei vonstatten geben, trotz allem sei man sehr darauf bedacht, dass es zu keiner weiteren Hirnschwellung kommt. »Eine derartige Rettung übersteigt jegliche Vorstellungskraft«, erklärte Schneider. Keinerlei Angaben könne man zur Dauer der Bergung machen, minimal gehe man von sechs bis sieben Tagen aus. Wenn der Patient jedoch an den Biwakplätzen Ruhe brauche, würde es weitaus länger dauern.

In den letzten 36 Stunden hatte sich die Situation im Untersberg deutlich zum Positiven verändert: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag traf der zweite Arzt, ein Österreicher, beim Verletzten ein. Zunächst wurde Johann W. medikamentös versorgt, und auf den beschwerlichen Rücktransport vorbereitet. Der verletzte Höhlenforscher habe das Schlimmste überstanden, sagte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer, der selbst höhlenerfahren ist und sich derzeit in Berchtesgaden befindet.

Am Donnerstagmorgen begannen sechs weitere Höhlenretterteams mit dem Einstieg in das »Riesending«. Sie hatten Medikamente im Gepäck und das benötigte Rettungsmaterial für den Patienten.

Mehrere Teams hatten in den letzten Tagen in der Höhle gearbeitet, zusätzliche Seile verlegt, Bohrhaken in den steilen Höhlenfelswände versenkt und ein Kommunikationssystem installiert (siehe eigener Bericht unten) und somit die Arbeit für die Retter erleichtert.

Die momentane Wettersituation wird von der Einsatzleitung laufend beobachtet. Kleinräumige Niederschläge waren für den Donnerstag angekündigt, bis Redaktionsschluss blieb es am Himmel aber ruhig. Am Donnerstag stellte die Wettersituation laut Bergwacht Bayern also keine direkte Gefahr dar. Auch, weil die Höhlenforscher wissen, wie die Wasserführung in der Schachthöhle im Untersberg verläuft.

»So können auch bei Gewittern die entsprechenden Rückzugsräume aufgesucht werden«, heißt es in einer Pressemeldung der bayerischen Bergwacht. Der Aufenthaltsort des Patienten sei nicht gefährdet. Kilian Pfeiffer Christian Wechslinger