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400-Meter-Tunnel statt Dauerbaustelle mit Verkehrschaos?

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Die Bundesstraße 20 schmiegt sich am Eisenrichter-Berg in Winkl eng an die Ausläufer des Lattengebirges. Ein 400 Meter langer Tunnel könnte die Situation dort vielleicht entschärfen. (Foto: BRK BGL)

Bischofswiesen – Die marode Bundesstraße 20 am Eisenrichter-Berg in Winkl macht aktuell den Lokalpolitikern im gesamten Berchtesgadener Talkessel Sorgen. Denn die aufwendigen Sanierungsarbeiten, für die man bis zu fünf Jahre einplant, würden zu erheblichen Verkehrsbehinderungen an dieser wichtigen Zufahrtsstraße führen. Wäre da der Bau eines gut 400 Meter langen Tunnels durch die Ausläufer des Lattengebirges nicht die bessere Lösung? Ein Antrag der heimischen Rathauschefs auf Prüfung dieser Lösungsvariante hat bereits die bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner erreicht. In den kommenden Tagen sind die Bürgermeister zu einer Besprechung ins Ministerium eingeladen.


Die Ende September beginnende Einbahnregelung am Eisenrichter-Berg ist wohl nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was Einheimischen und Gästen hier in den nächsten Jahren drohen könnte. Sollte die marode und vom Abrutschen bedrohte Strecke tatsächlich wie geplant saniert werden, würde die Einbahnregelung dauerhaft fällig werden, teilweise würden sogar Vollsperrungen notwendig werden. Damit wäre der gesamte Talkessel zumindest teilweise nur noch über das Wachterl oder Marktschellenberg erreichbar.

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Weil die Talkessel-Bürgermeister nicht nur ein Verkehrschaos, sondern vor allem erhebliche wirtschaftliche Einbußen für den gesamten Talkessel befürchten, ließen sie kürzlich über die heimische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber der bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner einen gemeinsamen Antrag zukommen (wir berichteten). Darin fordern sie eine Prüfung, ob der Bau eines Tunnels als Alternative zur Straßensanierung realisierbar wäre.

Einbußen in zweistelliger Millionenhöhe befürchtet

Die Idee hatte ein Bischofswieser Gemeinderat an Bürgermeister Thomas Weber herangetragen, wie dieser dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigte. Weil das Staatliche Bauamt in Traunstein hier von sich aus aber nicht tätig werden wollte, wandte man sich schließlich an die stellvertretende Ministerpräsidentin. »Es kann doch nicht sein, dass wir hier über Jahre hinweg eine Dauerbaustelle bekommen, ohne wenigstens über Alternativen nachzudenken«, sagt Bürgermeister Thomas Weber.

Nach den teilweise chaotischen Bedingungen während der Baustelle an der Ortsdurchfahrt reagiert man bei den Lokalpolitikern sensibel auf das Wort »Verkehrsbehinderungen«. Laut Thomas Weber hätten die heimischen Betriebe aufgrund der jüngsten Baustelle einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag an Einbußen hinnehmen müssen. »Wenn wir das vorsichtig auf die zu erwartende Baustelle am Eisenrichter-Berg hochrechnen, dann gehen wir von wirtschaftlichen Einbußen für den Berchtesgadener Talkessel in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags aus«, sagt Weber. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass so mancher Betrieb dann Konkurs anmelden müsse.

Kosten zwischen 20 und 25 Millionen Euro

Ein Tunnelbau am Eisenrichter könnte die Situation erheblich entschärfen. Die Strecke vom Wanderparkplatz Schlafende Hexe bis auf die Südseite des Lattengebirgs-Ausläufers wäre gut 400 Meter lang. Aufgrund von Vergleichszahlen, die man aus dem Bundesbauministerium bekommen hat, schätzt Thomas Weber die Baukosten auf etwa 20 bis 25 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die umfangreichen Straßensanierungsarbeiten könnten zwischen 5 und 8 Millionen Euro kosten.

Sollten die geologischen Verhältnisse einen Tunnelbau möglich machen, dann hält Weber diese Lösung auch für sinnvoll. »Das wäre in diesem labilen Bereich, wo es immer wieder zu Erdrutschen kommt, jedenfalls die nachhaltigste Lösung«, sagt der Rathauschef. Der rechnet damit, dass es von der Entscheidung bis zur Fertigstellung ebenfalls rund fünf Jahre dauern werde: drei Jahre für die Planung und zwei Jahre für den Bau.

Termin im Ministerium

Immerhin gab es nun bereits eine Reaktion auf den gemeinsamen Antrag der Talkessel-Bürgermeister. In den nächsten Tagen sind sie ins Verkehrsministerium eingeladen, um die Situation zu besprechen. »Positiv überrascht« zeigt sich Thomas Weber von dieser Einladung. Er erhofft sich von dem Gespräch in München, dass über die Lösungsvariante zumindest ernsthaft nachgedacht wird. Denn eines steht für Weber fest: »Ich bleibe hartnäckig dran. Denn wir Bischofswieser sind von den Baumaßnahmen am Eisenrichter-Berg am stärksten betroffen.« Ulli Kastner