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»50 Cent pro Liter werden wohl ein Traum bleiben«

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Josef Springls Kühe kommen im Sommer auf die Alm. Foto: privat

Berchtesgaden – »Wenn wir die Milch nicht hätten, hätten wir auch ein anderes Landschaftsbild«, sagt Landwirt Josef Springl vom Aschbachhof in Schönau am Königssee anlässlich des heute stattfindenden »Internationalen Tag der Milch«. Ähnlich sieht das auch Lorenz Staudinger vom Perlerlehen, der mit Ehefrau Christa am Obersalzberg eine Milchviehwirtschaft betreibt. Mit rund 40 Cent, die ein hiesiger Landwirt pro Liter Milch von der Molkerei erhält, seien die Kosten gedeckt. Die von den Bauern geforderten 50 Cent werden wohl ein Wunschtraum bleiben, meint Josef Springl.


Grund dafür ist auch das Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015. »Bisher ist geregelt, wie viel Milch ein Bauer in den Markt einbringt«, sagt Springl. Läuft die Quote aus, drohe eine Milchschwemme, vermutet er. Jeder Milchproduzent könnte den Markt dann nach Lust und Laune mit dem weißen Gut überfluten. Im schlimmsten Fall würde der Milchpreis in die Knie gehen. Für die Landwirte im Talkessel würde das einem Schreckensszenario gleichkommen.

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Dass es so weit nicht kommt, dafür setzt sich der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ein. »Die Erfahrungen haben gezeigt, dass globale und freie Märkte Regeln und Leitplanken brauchen. Nur so haben alle Beteiligten der Branche Planungssicherheit für notwendige Investitionen«, sagte Brunner kürzlich in einer Mitteilung an die Presse. Das sei auch der wesentliche Grund, warum er sich mit »Nachdruck« für ein »reaktionsstarkes Sicherheitsnetz« einsetze. Die seit vergangenem Herbst steigenden Milchpreise seien dringend notwendig, um die deutlich gestiegenen Produktionskosten aufzufangen.

Josef Springl hat 14 Kühe, die er im Winter versorgen muss. Um fünf in der Früh geht es in den Stall, zwei Stunden Arbeit, abends das Gleiche noch mal, »die Kühe müssen versorgt werden«, sagt er. Weil er Selbstvermarkter ist, schlachtet er eine Handvoll Tiere im Laufe des Jahres. Im Sommer kommen die Tiere auf die Alm. Die Springls haben die Königsbach- und die Priesbergalm. Ähnlich schaut es bei Familie Staudinger aus. Auch deren Tiere kommen hoch auf die Alm. Für Gäste gibt es dort dann frische Milch und Käse. »Das schätzen die Besucher«, sagt Lorenz Staudinger.

16 Stunden-Tage sind für Josef Springl keine Seltenheit. Zwei Mal pro Tag müssen die Kühe versorgt und gemolken werden. »Die landwirtschaftlichen Arbeiten, die wir erledigen müssen, sind vielfältig.« Das Silieren gehört etwa dazu, das Arbeiten auf der Alm, das Zäunen. Nicht immer ist das ein Spaß. Hinzu kommt der nur geringe Verdienst, der mit ein paar Stück Vieh und der Milch möglich ist. »Wir betreiben aber Kulturlandschaftspflege«, sagt der 49-Jährige über seine wichtige Tätigkeit.

Umso enttäuschter ist Lorenz Staudinger hinsichtlich der kürzlich stattgefundenen Agrarministerkonferenz am Obersalzberg. Dort taten Landwirte in Demonstrationen ihre Forderungen der deutschen Politik kund. Bauern aus ganz Deutschland versammelten sich, auch »aus Bayreuth sind sie stundenlang hier zu uns gefahren«, weiß er. Aber nur neun einheimische Landwirte aus dem Talkessel waren da. »Das ist traurig und nicht verständlich.« Denn eigentlich müssten sie ja alle an einem Strang ziehen. »Jeder ist betroffen.«

Springl meint, dass es wichtig sei, die in der Region hergestellten Produkte wieder zu bevorzugen. Auch, wenn der Preis etwas höher sei. Das Problem sei aber, dass die Leute »für Essen einfach kein Geld mehr ausgeben wollen.« Das müsse sich ändern und wieder in die Köpfe der Menschen rein.

Nach den Worten von Minister Brunner ist Bayern Deutschlands Milchland Nummer eins. Die rund 39 000 bayerischen Milchbauern machen über 40 Prozent aller deutschen Milchviehbetriebe aus. Kilian Pfeiffer