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60 Jahre Gipfelstürmer

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29 Sitzplätze, 90 PS: So sah eine Kehlstein-Fahrt im Jahr 1952 aus.
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Moderne Niederflurbusse fahren alljährlich über 300 000 Besucher auf den Kehlstein. Fotos: RVO
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Andreas Datz (l.), Niederlassungsleiter der Regionalverkehr Oberbayern, und Tourismusdirektor Michael Grießer blicken auf 14 Millionen Kehlstein-Fahrgäste zurück. Foto: Anzeiger/kp

Berchtesgaden - Schon Anfang des letzten Jahrhunderts ging es per Linienbusverkehr an den Königssee oder an den Hintersee. Eine Besonderheit stellte aber das Jahr 1952 dar. Am 31. Mai eröffnete die Kehlsteinlinie. Mit Deutschlands höchster Buslinie war ein einzigartiger touristischer Anziehungspunkt geschaffen, der jedes Jahr Hunderttausende nach Berchtesgaden lockt, wie Tourismusdirektor Michael Grießer und Andreas Datz, Niederlassungsleiter der Regionalverkehr Oberbayern (RVO), wissen. Im Jubiläumsjahr wird deshalb auf sechs Jahrzehnte zurückgeblickt.


Dass zum 60. gefeiert werden sollte, stand schon seit Längerem fest. Der Veranstaltungsort der Festlichkeit: das Kehlsteinhaus selbst. Dort sollen am nächsten Wochenende Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Saisonabschied einen Rückblick der besonderen Art erhalten. Zahlen und Fakten, kurze Anekdoten und Auszeichnungen für die, die am häufigsten hoch und runter gefahren sind.

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Blickt man auf den Linienverkehr am Kehlstein zurück, wird man unweigerlich mit Superlativen überhäuft. Zehn Jahre brauchte es, bis der millionste Gast mit dem Bus 1962 zum Kehlstein fuhr. Der viermillionste zahlende Mitfahrer wurde 17 Jahre später, 1979, gezählt. 2007 feierte man dann bereits den zwölfmillionsten Fahrgast, in Kürze erwartet Andreas Datz den vierzehnmillionsten. Und wenn es nach den Verantwortlichen geht, kann es auf der wohl spektakulärsten Linienverkehrsstrecke auch ruhig so weitergehen.

Los geht es an der Kehlstein-Busabfahrtsstelle auf 940 Metern Höhe. 6,7 Kilometer misst die Strecke, die Höhendifferenz beträgt 770 Meter, fünf Tunnels müssen durchfahren werden, ehe der Bus am Ziel ankommt. Betrug die Fahrzeit im Jahr 1952 noch 35 Minuten, sitzen die Gäste heutzutage nur noch 15 Minuten im speziell ausgestatteten Niederflurbus. »Damals ächzten die Busse mit 90 Pferdestärken langsam nach oben«, weiß Tourismusdirektor Grießer. Heute ist das kein Problem mehr. Auch dank der rund 350 PS, die in den aktuellen Bussen unter der Motorhaube arbeiten.

Sechs Mal pro Tag fuhren zu Beginn Busse auf den Berg, heute sind es in der Saison 19 Fahrtenpaare, an so manchem schönen Tag kommt noch die eine oder andere Sonderfahrt hinzu. Zählte man im Jahr 1952 rund 48 000 Gäste, waren es 2011 stattliche 337 000. Fünf Mark kostete damals eine Fahrt. Die Nutzung des Kehlstein-Aufzugs musste gesondert gezahlt werden. Heute berappt man 15,50 Euro, inbegriffen ist aber die Nutzung des Bergaufzugs, der die Gäste hoch zum Kehlsteinhaus bringt.

Die Entwicklung des Linienverkehrs auf den vom Tourismus geprägten Kehlstein ist während der Jahre deutlich vorangeschritten. Ende der 80er-Jahre gab es den ersten Standard-Linienbus samt Rußfilter, seit 1995 kommen besonders starke Motoren zum Einsatz, das Getriebe für den Verkehr auf den Kehlstein ist speziell abgestimmt. »Unsere Busse können wegen der Belastung des Getriebes nur maximal vier Jahre fahren, danach werden sie im Linienverkehr im Tal weiterverwendet«, weiß Andreas Datz. Jedes Jahr werden drei Fahrzeuge der Kehlstein-Linie, die aus 14 Bussen besteht, ersetzt. 150 000 Kilometer fahren diese pro Jahr. Seit 2003 wurde die komplette RVO-Flotte auf Niederflurbusse umgestellt. So können ohne Weiteres auch ältere Gäste und Rollstuhlfahrer den Service nutzen. Auch die erste Klimaanlage kam erst vor neun Jahren zum Einsatz. Drei unabhängige Bremssysteme verbesserten den Fahrerkomfort schon damals.

Immer wieder gab es auch Busfahrer, die die Kehlstein-Linie in besonderer Weise kannten. 1978 war es Paul Neumann, der Kehlstein-König, der dafür geehrt wurde, 7 000 Auf- und Abfahrten erfolgreich absolviert zu haben. Inzwischen ist dieser Rekord lange eingestellt. Georg Winkler ist drauf und dran, seine 13 000. Fahrt zu meistern. »Das hat noch nie jemand geschafft. Fraglich ist, ob es nach ihm noch ein anderer schaffen wird«, sagt Datz.

Worauf aber alle Beteiligten besonders stolz sind, ist die Tatsache, dass es in den ganzen Jahren noch nie einen Unfall mit einem Bus gegeben hat, erzählt Grießer. Die Sicherheit der Fahrgäste stehe über allem. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb in diesem Jahr die Kehlstein-Saison schon eine Woche früher beendet wird. »Wir müssen im Felsbereich arbeiten«, so Grießer. Fels-Rückhaltesysteme, die mit heruntergekommenem Schutt gefüllt sind, müssen geleert werden. Nächstes Jahr geht es dann, wie gewohnt, Anfang Mai in die neue Saison. kp