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Deutliche Kritik am Neubau – Landkreis bezahlt 900 000 Euro

6,3 Millionen Euro für neuen Olympiastützpunkt

6,3 Millionen Euro soll der neue Berchtesgadener Olympiastützpunkt unweit der Watzmann Therme kosten. Kritik ist vorprogrammiert. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Sport-Regional- und Olympiastützpunkt an der Watzmann Therme wird abgerissen und neu gebaut. Das hat der Kreisausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch dem Kreistag empfohlen. Der Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes, Thomas Schwab, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« glücklich über die Empfehlung. In der Diskussion im Kreisausschuss wurde deutlich, dass der Spitzensport nicht nur Fans hat. Elisabeth Hagenauer von den Grünen empfahl zwar am Ende auch den Neubau, »wir können die Landkreisgebäude ja nicht verrotten lassen«, war aber deutlich kritisch eingestellt, »ich kann der Öffentlichkeit nicht vermitteln, dass wir für eine Randsportart 1,5 Millionen Euro ausgeben wollen«.


Ausgangspunkt für den Neubau ist, dass der Landkreis alle seine Gebäude energetisch überprüfen lässt. »Dabei hat man festgestellt, dass die Sanierung der Stützpunktgebäude alleine schon 700 000 Euro kostet, aber das ergibt bei den verschachtelten Hütten keinen Sinn«, so Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes Deutschland (BSD). Außerdem hätte man ein weiteres Gebäude dazustellen müssen, weil der Arbeitsschutz für zahlreiche Werkstätten nicht mehr gegeben sei. »Die Bobwerkstatt ist derzeit bei der Bundeswehr untergebracht, aber da müssen wir auch raus«, so Schwab.

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Der geplante Erweiterungsbau vor der Turnhalle wäre nicht ideal gewesen, Sanierung und neue Halle hätten aber alleine schon 4 Millionen Euro verschlungen, »selbst die Regierung von Oberbayern hat uns gesagt, ‚überlegt euch das noch einmal, ob man für das Geld nicht besser einen Ersatzbau hinstellt’«. Allein der BSD hat am Stützpunkt an der Schießstätte rund 100 Sportler und Ehrenamtliche, die anderen Verbände wie Skifahrer und Snowboarder noch einmal rund 100 Aktive, die derzeit alle unter »unhaltbaren Zuständen« arbeiten und trainieren müssten.

Empfehlung für Neubau

Das Architektenbüro Riedl hat bereits einen Vorentwurf erstellt, der Abriss der alten, verschachtelten Gebäude und der Neubau würden 6,3 Millionen Euro kosten. Diesen Betrag teilen sich der Bob- und Schlittenverband (1,6 Mio. Euro), der Bund (2,1 Mio. Euro), der Freistaat Bayern (1,7 Mio.) und der Landkreis (rund 900 000 Millionen Euro). »Alleine die energetische Sanierung hätte den Landkreis rund 700 000 Euro gekostet«, so Schwab. Der Bob- und Schlittenverband leistet seinen Beitrag in Form einer direkten Zahlung in Höhe von 650 000 Euro sowie mit Mietzahlungen.

»Kein Geld für Randsportart«

Die Diskussion im Kreisausschuss gestaltete sich kontrovers. Elisabeth Hagenauer (Grüne) begründete ihr Unbehagen so: »Für die Montessori-Schule in Freilassing hatten wir vor zwei Wochen nicht einmal 3 600 Euro und jetzt sollen wir 1,5 Millionen für eine Randsportart lockermachen?« Das könne sie den Leuten nicht vermitteln. Bei der Abstimmung war sie dann aber für den Neubau, »wir können unser Eigentum nicht verrotten lassen«. Der Olympiastützpunkt gehört dem Landkreis.

»Sportler sollen selbst zahlen«

Noch drastischer formulierte ÖDP-Kreisrätin Agnes Thanbichler ihre Ablehnung, die sie übrigens auch in der Abstimmung durchzog. »Wir haben für den Spitzensport schon sehr viel Geld ausgegeben, diesen Weg sollte die Allgemeinheit nicht weiter gehen, wenn ich mir die Liste der Pflichtausgaben ansehe«, so Thanbichler. Olympia sei mittlerweile ein Riesengeschäft, der Sport solle sich den Stützpunkt selbst leisten. »Diese Meinung nehmen wir zur Kenntnis«, so Grabner knapp, der dann die Liste der Stützpunkt-Fans auf der Redeliste abarbeitete. Thomas Gasser (CSU) wunderte sich, »wie die Sportler bei dem Hüttenwerk da hinten überhaupt Erfolge zusammengebracht haben«. Hans Metzenleitner (SPD) sagte, der Süden des Landkreises sei eine Sportregion, »und der Olympiastützpunkt geht deutlich über eine Randsportart hinaus«. »Leistungssport gehört für mich dazu, das ist eine gute Sache«, attestierte Richard Lenz (FW) und Sylvester Enzinger (CSU) warnte davor, dass andere Landkreise den Olympiastützpunkt jederzeit übernehmen würden, wenn der Landkreis hier nicht einen Bau hinstellen wollte.

Am Ende stimmten die Kreisräte mit Ausnahme von Agnes Thanbichler für die Empfehlung, dass der Kreistag am Freitag dem Neubau und den erforderlichen 6,3 Millionen Euro zustimmt. Baubeginn könnte dann Mitte 2015 sein, Fertigstellung wäre dann schon ein Jahr später. Die Sportler können während der Bauarbeiten in die Turnhalle und in Container ausweichen. Michael Hudelist