weather-image

6,8 Millionen Euro mit Holzverkauf erwirtschaftet

4.2
4.2
Bildtext einblenden
Viel Geld kosteten den Forstbetrieb Berchtesgaden die Hochwasserschäden des vergangenen Jahres. Auf dem Bild: eine Wegsanierung. (Foto: Schüssler)

Berchtesgaden – Wie bereits im Vorjahr hat der Forstbetrieb Berchtesgaden auch für das Geschäftsjahr 2014 vornehmlich positive Zahlen zu vermelden. Gestern präsentierte Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller seine Bilanz.


Das Gebiet des Forstbetriebs Berchtesgaden erstreckt sich vom Königssee bis zum Waginger See, über das Berchtesgadener Land und den östlichen Chiemgau. 14 100 Hektar der insgesamt 28 400 Hektar Forstbetriebsfläche sind Schutzwald. Der Holzzuwachs beläuft sich auf 143 000 Kubikmeter pro Jahr. 94 546 Kubikmeter Holz wurden im Geschäftsjahr 2014 geschlagen, womit man etwas unter dem Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre von rund 97 000 Kubikmetern blieb. Ab 2015 prognostiziert Dr. Müller einen Holzeinschlag von 93 000 Kubikmetern.

Anzeige

Viel Geld für den Naturschutz und Pachtermäßigung

Für die Sanierung und die Pflege des Schutzwaldes hat der Forstbetrieb im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,09 Millionen Euro ausgegeben und eine Förderung des Freistaates Bayern in Höhe von 890 000 Euro erhalten. Darüber hinaus habe man, so Müller, ein regionales Naturschutzkonzept veröffentlicht und einige Flächen komplett aus der Nutzung genommen.

Für die Beseitigung von Hochwasserschäden gab der Betrieb rund 400 000 Euro aus, die gleiche Summe bereits im Juni 2013. Einzelne Projekte stehen 2015 an, sodass man auf eine Summe von etwa 1 Million Euro zur Schadenbehebung kommen wird. Die Almbachklamm, die auch von Hochwasserschäden betroffen war, hat der Betrieb unterstützt, indem er der Gemeinde Marktschellenberg eine Pachtermäßigung gewährt hat.

In das Jahr 2014 fielen auch der gemeinsam mit der Gemeinde Bischofswiesen durchgeführte Verschluss der Riesending-Schachthöhle am Untersberg sowie der Bau des Zinkenrad- und Wanderwegs. In »schwierigstem Gelände« habe man den Kehlsteinfußweg, den Eishöhlenweg, den Thomas-Eder-Steig und den »Bsuachsteig« saniert. Das neue Leistungszentrum am Jenner unterstütze man mit einer verminderten Pacht für die Krautkaser-Strecke.

Keine Chance für den Borkenkäfer

Mit dem Arbeitseinsatz seiner Mannschaft habe man der Massenvermehrung des Insekts jedoch einen Riegel vorschieben können, so Müller. Der verregnete Sommer sei hilfreich gewesen, da er die Fichten mit ausreichend Wasser versorgt und so wehrhafter gegen den Schädlingsbefall gemacht habe. Seit 2011 konnte der Käferholzanfall im damals stark betroffenen Bereich Berchtesgaden West merklich reduziert werden.

Mit 72 Hektar Jungwuchspflege übertraf man im Geschäftsjahr 2014 das Plansoll um zwölf Hektar, bei der Jungdurchforstungspflege mit 239 Hektar um sechs Hektar. Beim Einschlag von Fichte und Tanne blieb man mit 81 000 Kubikmetern unter dem Plan, während man diesen beim Einschlag der Buche um rund 1 800 Kubikmeter übertraf. Dr. Müller begründete dies damit, dass man bei der Buche größere Vorräte habe und diese weniger von Stürmen und Borkenkäferbefall bedroht sei.

Millionen mit Holz

Wirtschaftlich hat sich im Vergleich zum Geschäftsjahr 2013 nicht viel verändert. Wie im Vorjahr erwirtschaftete man 6,8 Millionen Euro mit dem Holzverkauf, der damit klar die wichtigste Einnahmequelle ist. 0,3 Millionen Euro hat der Forstbetrieb mit Jagd und Fischerei erwirtschaftet. Die Jagd sei weniger finanziell von Bedeutung, so Müller, als für den Erhalt des Mischwaldes. Größter Posten auf der Ausgabenseite sind nach wie vor die Kosten für Material und sonstige besondere Leistungen, die sich wegen der Hochwasserschäden von 3,4 auf 3,8 Millionen Euro erhöht haben. Der Personalaufwand stieg von 3,0 auf 3,1 Millionen Euro. Mit einem Gewinn von 1,03 Millionen Euro blieb man unter dem Durchschnittswert der letzten fünf Jahre. 2015 habe man möglicherweise wieder einen positiven Einmaleffekt, so Müller, durch die Auszahlung einer Hochwasserförderung in Höhe von 800 000 Euro.

71 000 Euro hat der Forstbetrieb für die Fütterung des Rotwildes ausgegeben. 895 Stück Rehwild wurden im zurückliegenden Geschäftsjahr erlegt. Vom Gamswild erlegte man 372 Stück. Nächstes Jahr werde eher noch mehr Rehwild geschossen, so Müller. Zwei Drittel des Wildes würden durch Externe geschossen, die aus Norddeutschland oder dem Ausland anreisten. Das subjektive Gefühl des Wildrückgangs werde durch die Zahlen konterkariert, was durch die Waldverdichtung und -verjüngung zu erklären sei: Da das Wild mehr Nahrung im Wald finde, müsse es diesen zur Nahrungsaufnahme kaum noch verlassen und werde deshalb nicht mehr so häufig gesehen. Was die Probleme durch Leittriebverbiss angehe, habe man in den Berchtesgadener Tälern noch Hausaufgaben zu machen: Einem Alttannenanteil von fünf Prozent steht hier eine Tannenverjüngung von nur zwei Prozent gegenüber.

Reduzierter Personalstand

Der Personalstand ist im Vergleich zum Vorjahr von 62 auf 60 gesunken. Die Zahl der Waldarbeiter hat sich um drei auf 36 reduziert, ein Auszubildender ist neu hinzugekommen.

Im Geschäftsjahr 2015 möchte der Forstbetrieb seine naturalen Ziele weiter verfolgen: Dazu gehören die konsequente Käferbekämpfung, die vorbeugende Jungdurchforstung und eine weiterhin hohe Pflanzfläche. Ziel sind hier 38 Hektar. Zu den geplanten ökologisch-gesellschaftlichen Projekten gehören die Schutzwaldsanierung, etwa am Wachterl, die Beteiligung am Steinschlagfangzaun Kunterwegkogel sowie ein Wildkatzenmonitoring, das Aufschluss darüber geben soll, ob Wildkatzen in der Region ausgestorben sind oder nicht. Auf dem Holzmarkt sei das Ziel, so Müller, in einem sehr schwierigen Marktumfeld weiterhin verlässlich alle Kunden zu stabilen Preisen zu beliefern. Schwierig sei die Situation derzeit vor allem für die Sägewerke, die zum Teil rote Zahlen schrieben. Von Zimmerern oder Baumärkten werde relativ wenig Holz abgenommen, da wenig gebaut werde – jedenfalls was Einfamilienhäuser mit ihrem vergleichsweise hohen Holzanteil betreffe.

Bei seinem Fazit orientierte sich Daniel Müller an Karl Valentin: »Forstwirtschaft im Gebirge ist schön, macht aber viel Arbeit.« Markus Schüssler

- Anzeige -