weather-image
14°

6800 Tage Dienst für junge Gefangene

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Ministerialdirektor Professor Dr. Frank Arloth verabschiedete Regierungsdirektor Andreas Wagner (links) und führte Regierungsdirektor Florian Zecha (rechts) offiziell als neuen Leiter der JVA Laufen-Lebenau ein. (Foto: Höfer)

Laufen – Vom Anwalt zum Anstaltsleiter. Das war – verkürzt – der berufliche Weg von Andreas Wagner. Von 20. April 1999 bis 30. November 2017 – exakt 6800 Tage – leitete er die Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau, jene Anstalt in Bayern mit den jüngsten Gefangenen. Sein Nachfolger ist Regierungsdirektor Florian Zecha. Deren offizielle Verabschiedung Amtseinführung erfolgte erst jetzt mit zahlreichen Gästen aus der Politik und Vertretern umliegender Behörden. Dabei gab es viel Lob – sowohl für den Scheidenden als auch für den Neuen.


Ministerialdirektor Professor Dr. Frank Arloth, Amtschef des Staatsministeriums, blickte auf die »eindrucksvolle Karriere« Wagners und dessen »ausgeprägte und vielseitige pädagogische Fähigkeiten.« So baute Wagner an der Justizvollzugsschule Straubing das Referat Einstellungs- und Prüfungswesen auf und leitete es. Seine Vorgesetzten seien stets voll des Lobes gewesen ob seiner fachlichen Arbeit und dem menschlichen Umgang.

Anzeige

Wagner war Leiter einer Arbeitsgruppe zur Reduzierung von Gemeinschaftsunterbringung und arbeitete an der Standardisierung der Sichtvermerke, um sich so »ein kleines Denkmal in jeder Gefangenen-Personalakte zu setzen.« Arloth verwies auf die umfangreichen Bau- und Sanierungsarbeiten in Lebenau, wo binnen 20 Jahren rund 20 Millionen Euro investiert worden waren. »Es entstand unter ihrer Leitung eine moderne und zukunftsfähige Justizvollzugsanstalt.« Der Amtschef sieht Wagner bei den »Spitzenkräften des bayerischen Justizvollzugs«, einen, der mit Sicherheit den Lebensweg junger Strafgefangener positiv geprägt und große Fußstapfen hinterlassen habe. Nach über 18 Jahren gehe tatsächlich eine Ära zu Ende.

Ein erfolgreiches Meistern dieser »verantwortungsvollen und zugleich schönen Aufgabe« traute Arloth auch Florian Zecha zu, der 2004 als Referendar eingestiegen und 2005 als Abteilungsleiter in Aichach eingestellt worden war, einem Frauengefängnis; für Zecha »eine Herausforderung der besonderen Art.« Arloth attestierte auch ihm Kompetenz, Einsatzbereitschaft und Kreativität, der sich ebenfalls in bundesweiten Arbeitsgruppen eingebracht habe. Er empfing Zecha nicht nur als neuen Leiter, sondern augenzwinkernd auch als »obersten Landwirt« und »obersten Schweißer« des bayerischen Justizvollzugs, sind in der Lebenau doch die entsprechenden Betriebe angesiedelt. Er verschwieg nicht die »steigende Zahl ausländischer Inhaftierter und die damit verbundenen sprachlichen und kulturellen Probleme.«

Andreas Wagner gestand, dass ihn schon seine Mutter einen »Dipfeleschisser« genannt habe, einen Tüpfelchen-Scheißer. »Eine nicht unwichtige Eigenschaft für einen Juristen«, meinte Wagner, der zunächst als Anwalt arbeitete, ehe er in den Staatsdienst wechselte. »Höhepunkt« seiner Zeit in Straubing seien die Gefangenenunruhen 1990 gewesen, als sich Wagner angesichts der anfliegenden Hubschrauber an den Kriegsfilm »Apocalypse Now« erinnert fühlte. Die Erlebnisse und Ergebnisse in der Justizvollzugsschule hätten ihm gezeigt, dass er kein schlechter Staatsanwalt geworden wäre. Sein »Wunschziel« im Süden Bayerns erreichte Wagner 1999.

Personalratsvorsitzender Dieter Gründel sprach von der »Straße ins Glück«, die sowohl Wagner als auch Zecha nach Laufen-Lebenau geführt hatte, in den Rupertiwinkel, dorthin »wo andere Urlaub machen«. Gründel attestierte Wagner argumentativ gestützte, aber eben auch menschliche Entscheidungen, ein offenes Ohr und faires Handeln. »Habe die Ehre und Pfüa Gott«, sagte Gründel undempfing den »ehrenwerten Nachfolger mit den Navi-Worten Ziel erreicht.«

Laufens Bürgermeister Hans Feil würdigte die Anstalt als einen der größten Arbeitgeber der Gemeinde. Er wünsche sich weiter ein »genauso entspanntes Verhältnis« wie bisher. Landtagsabgeordneter Günther Knoblauch überbrachte die Grüße von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, der Vorsitzenden des Anstaltsbeirates. Der Stellvertreter verwies auf die gemeinsamen Aufgaben, jungen Leuten neue Orientierung zu geben, »damit sie eine Zukunft haben.«

Florian Zecha blickte zurück auf seine bisherigen Stationen. Ob Frauengefängnis Aichach oder JVA Straubing und Würzburg, stets habe er Positives mitnehmen können. Zecha würdigte seine Frau Silvija und die drei Töchter für ihre Unterstützung, ebenso seinen Vorgänger und dessen Frau Susanne. Beide wüssten, »dass jeder Umzug einen Neuanfang bedeutet.«

Langweilig werde ihm nicht, versicherte Wagner, etwas lang erschienen sei ihm jedoch die Zeit zwischen dem Ende des Dienstes und der offiziellen Verabschiedung. Für den Schauspieler des Laufener Salzachtheaters sei das, als käme der Schlussapplaus erst drei Stunden nach Schließen des Vorhangs. höf