weather-image
-1°

700 Schüler checken ihre Zukunft

4.4
4.4
Bildtext einblenden
HTL-Schüler aus Bayern präsentierten die drei Ausbildungswege Holz, Metall und Kunst/Design. (Fotos: Hudelist)
Bildtext einblenden
Die 15-jährige Rafaela (l.) scheint ihren Traumberuf schon gefunden zu haben: Bankkauffrau. Hier übt sie schon das Rollen von Münzen, unterstützt von Ausbilderin Marion Schmirl von der Sparkasse Berchtesgadener Land.
Bildtext einblenden
Der Stand von psm protech am Infotag war zwar um einiges kleiner als auf der BIM, »aber hier ist ein sehr interessiertes Publikum«, so Maria Wagner.

Berchtesgaden – Rund 700 Schüler und Jugendliche nutzten am Samstag das Angebot, sich am 4. Infotag Beruf und Studium im Kongresshaus Berchtesgaden bei 80 Unternehmen und Schulen aus erster Hand zu informieren. Die Aussteller schätzten großteils die familiäre Veranstaltung, einige Unternehmen, aber auch Schüler vergleichen den Infotag durchaus mit der Berufs-Info-Messe (BIM) in Salzburg. Für die folgende Reportage besuchte der »Berchtesgadener Anzeiger« einige zufällig ausgewählte Firmen und Schulen und kam an einem Vergleich mit der BIM auch nicht ganz vorbei. Organisiert hat die Messe wieder der Jugend-Treff.5 Förderverein unter der Leitung von Heike Mechelhoff.


Flächenmäßig eine der größten Aussteller war die HTL Hallein, die gleich mehrere Schwerpunkte ihrer technischen Ausbildungen präsentierte. Von den rund 1 000 Schülern kommen täglich rund 50 aus dem Raum Berchtesgaden, kein Wunder also, dass sich die Schule im Kongresshaus heimisch fühlt. »Wir sind zum ersten Mal hier und zeigen die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten in unseren drei Bereichen Holz, Metall sowie Kunst und Design«, so Fachlehrer Roland Bliem. Das Angebot reichte von Bautechnik-Holzbau bis zu Maschinenbau und Mechatronik, von der Tischlerei bis zur Bildhauerei und Steinmetzerei. Dass andere Unternehmen die HTL-Schüler zum Teil schon in der 3. und 4. Klasse abwerben möchten, ist bekannt. »Alle, die die technische Matura machen, haben eine Art Jobgarantie in der Hand«, berichtete Bliem aus der Praxis. Auch Unternehmen aus dem Berchtesgadener Land wie Robel oder Hawle würde immer wieder Absolventen aus Hallein aufnehmen.

Anzeige

»Infotag ist die BIM in klein«

Ein Heimspiel war der Infotag im Kongresshaus für psm protech aus Marktschellenberg. »Wir waren schon vor vier Jahren beim ersten Mal dabei und stellen fest, jetzt ist die Fläche schon doppelt so groß«, so Maria Wagner, zuständig für die Ausbildung beim Spritzgussunternehmen. Im Vergleich zur BIM ziehen natürlich nicht 30 000 Schüler an vier Tagen am Stand vorbei, »aber es ist ein tolles, sehr interessiertes Publikum«.

Anders, um nicht zu sagen besser, ist zweifelsohne, dass Schüler am Infotag nicht nur von einem Stand zum anderen pilgern können, sondern im Rahmen von Vorträgen und Workshops auch Berufe kennenlernen. Die Themen reichen vom richtigen Bewerbungsgespräch bis zum Test, welches Studium zu einem passen würde. »Werde, was du bis«, dieses zweistündige Coaching von Persönlichkeit und Talent begeistert zum Beispiel den 17-jährigen Franz Punz. Für den Bezirksschülersprecher in Oberbayern ist der Infotag »die BIM in klein«, was er durchaus als Kompliment versteht. »Eine eigene Messe für den Raum Berchtesgaden ist sehr sinnvoll, die Schüler erfahren hier alles, was für die Berufs- oder Studienauswahl relevant ist«, so Punz, der auch viele Schulkollegen von der Mittelschule getroffen hat.

»Was kann ich verdienen?«

Auch Jenny Rasp hat in Begleitung ihres Vaters Hannes Rasp offensichtlich die Informationen gefunden, die sie gesucht hat. Mit einem Flyer des Interconti in der Hand hat die Tourismus-Management-Studentin schon ersten Kontakt zu einem möglichen, späteren Arbeitgeber aufgenommen, »denn ich möchte auf alle Fälle im regionalen Tourismus arbeiten«.

Beeindruckt von den Workshops waren aber auch die Vortragenden selbst, so zum Beispiel Johannes Hofmann vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. »Aus geplanten 30 Minuten ist mit allen Fragen eine Stunde geworden, die Jugendlichen sind sehr interessiert. ›Was kann man verdienen?‹ war gleich die erste Frage«, so Hofmann schmunzelnd. Der antwortet, was in der Gastronomie intern bekannt sei: »Mit einem guten Trinkgeld kann ein Azubi das Gehalt aufs Sparbuch legen«. Wichtig seien auch die Aufstiegschancen und die Möglichkeit, andere Länder kennenzulernen. »Die Welt steht einem offen, vor allem wenn man bei großen Hotelketten lernt, ist ein Austausch mit Häusern auf anderen Kontinenten gewünscht und üblich«, so Hoffmann. Private Hoteliers könnten das nicht bieten und müssten daher intensiver um Nachwuchs werben. Auch Hofmann ist mit einem Infostand regelmäßig auf der BIM in Salzburg vertreten, sein Vergleich: »Der Infotag ist viel persönlicher als die BIM, hier werden regionale Schüler von regionalen Unternehmen angesprochen.«

Zwei Ausbildungssysteme in zwei Ländern

Dem pflichtet auch Thomas Birner von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land bei, der sich im vergangenen Jahr im Streit um eine landkreisweite IHK-Jobmesse als Kämpfer für die BIM erwiesen hatte. »Regionale Messen wie hier in Berchtesgaden oder in Bad Reichenhall sind wichtig. Eine landkreisweite Messe, wie die IHK sie wollte, eben nicht. Dafür haben wir die BIM«, so Birner. Auch er findet den Infotag im Kongresshaus »kleiner, persönlicher, mit mehr Zeit am Infostand, das hat eine andere Qualität«. Dass Schüler nach einer Ausbildung oder einem Schulbesuch in Salzburg immer auch in Österreich bleiben, glaubt Birner nicht, er sieht vielmehr einen großen Vorteil: »Wo sonst haben Jugendliche die Auswahl zwischen zwei verschiedenen Ausbildungssystemen in zwei verschiedenen Ländern?«

Zurück zu den Infoständen: Eine »sichere Bank« ist auch für Jugendliche eine Anstellung beim Staat, in diesem Fall beim Landratsamt. Für drei Azubistellen gibt es rund 50 Bewerbungen, »wir haben also noch eine Auswahl«, so Ausbildungsleiterin Michaela Lindner, »aber wir wollen trotzdem hier über unsere Ausbildungsberufe informieren«.

Auch die Ausbildung zum Bankkaufmann scheint noch attraktiv zu sein, jährlich stellt zum Beispiel die Sparkasse Berchtesgadener Land rund zehn Azubis ein. »Durch die Wirtschaftskrise ist zwar das Image der Banken ein wenig angeschlagen«, so Martin Hinterstoißer von der Sparkasse, aber die 15-jährige Rafaela am Infostand sieht das anders, sie übt sich schon im Rollen von Münzen.

Morgen lesen Sie im zweiten Teil der Reportage über den Infotag, warum für den 16-jährigen Christoph Hackl aus Ramsau Bäcker der schönste Beruf ist, auch wenn er am Ende der Lehrzeit um 2 Uhr wird aufstehen müssen und warum manchem Aussteller doch ein bisschen zu wenig los war. Michael Hudelist

- Anzeige -