weather-image
19°

972 000 Euro Förderung für Abwasserkanal im Obersee

4.0
4.0
Bildtext einblenden
972 000 Euro gab es von dem Umweltministerium für den Bau eines Abwasserkanals für die Fischunkelalm.
Bildtext einblenden
Bilderbuch-Romantik beim Ministerbesuch: Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Dr. Marcel Huber fuhren zur Scheckübergabe über den Königssee nach Salet, um von dort an den Obersee zu wandern. Mit im Nationalparkboot saßen die Familie des Ministers, Bürgermeister Hannes Rasp, WWA-Leiter Walter Raith, stellvertretender Landrat Rudolf Schaupp, Nationalparkleiter Dr. Roland Baier und Geschäftsführer Michael Grießer von der Bayerischen Seenschifffahrt. (Fotos: Voss)

Schönau am Königssee – 1,3 Millionen Euro kostet der geplante Abwasserkanal, der die Fischunkelalm am Obersee mit Salet verbinden soll. Drei Kilometer lang wird er sein. Dafür gibt es nun eine Förderung vom Umweltministerium in Höhe von 972 000 Euro. Extra für die Übergabe des Förderbescheids an den Schönauer Bürgermeister Hannes Rasp kamen die beiden Staatsminister Dr. Marcel Huber und Michaela Kaniber an den Obersee. Der noch fehlende Betrag von 300 000 Euro wird aufgeteilt: Etwas übernehmen die Almbauern von Salet und Fischunkel, den Rest die Gemeinde.


Es war ein Bilderbuch-Ministerbesuch. Die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und der Bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber strahlten in die Kameras, in der Hand einen Scheck von knapp einer Million Euro für den Bürgermeister Hannes Rasp. Der Beschluss, den Kanal zu bauen, wenn es eine Förderung gibt, fiel schon im Jahr 2014 im Gemeinderat. Rasp setzte sich seitdem dafür ein, dass er eine möglichst hohe Förderung bekommt. Mission geglückt, 75 Prozent der Gesamtkosten sind bezahlt.

Anzeige

In welche Summen die restlichen 300 000 Euro aufgesplittet werden, ist noch nicht geklärt. »Ein Gespräch mit den drei Almbauern hat es schon gegeben«, erzählt Rasp auf dem Weg zum Obersee.

Kanalbau voraussichtlich nächstes Jahr

Die Grundplanung für den Kanal ist schon gemacht, »sonst könnte man ja die Kosten nicht ermitteln«, so Rasp. Diese Planung wird nun voraussichtlich bis zum Winter vollendet. »Dann werden wir in die Umsetzung gehen. Gebaut wird spätestens übernächstes Jahr, aber mein Ziel wäre nächstes Jahr.«

Eine Stromleitung geht bereits bis zum Obersee, diese wird nun im Zuge des Kanalbaus bis zur Fischunkelalm durch den See verlängert. »So fällt der Diesel- und Benzintransport für die Aggregate über den Königssee weg.«

Ursprünglich hätte diese Maßnahme mit dem Funkmasten gemeinsam umgesetzt werden sollen, hieß es noch im Gemeinderat 2014. Nun steht der Masten aber schon seit etwa drei Jahren. Der Bürgermeister erklärt dazu, dass noch auf die richtige Fördersumme für den Kanal gewartet wurde. Darum konnte es damals nicht in einem Rutsch gemacht werden. »Das Förderprogramm übernahm damals nur 60 Prozent. Das war mir zu viel Eigenbeteiligung für die Gemeinde.« Dieser Förderbescheid wäre jetzt im Herbst ausgelaufen. »Wir hätten also jetzt im Herbst anfangen müssen. Wir haben somit bis zum Schluss gewartet.« Dass es schließlich 75 Prozent wurden, liegt an einer Ausnahmeregelung. Denn eigentlich ist sie für Almen über 1 000 Meter Höhe vorgesehen. Hier hat Dr. Marcel Huber, wie er selbst bei der Scheckübergabe sagte, nachgeholfen.

Stickstoff- und Nitrateintrag reduzieren

Dr. Roland Baier, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, begrüßte die beiden Staatsminister und die Almbauern-Familien von Salet und Fischunkel am Ufer des Obersees. Er drückte seine Dankbarkeit der Gemeinde Schönau am Königssee gegenüber dafür aus, dass diese als Bauherr den Kanal verlegen lässt. »Der Nationalpark braucht die Gemeinde als Maßnahmenträger und Mit-Geldgeber«, so Baier. Er bezeichnete den Bau des Abwasserkanals als »Null-Rückstands-Lösung«, eine Komplettentsorgung, um die Stickstoff- und Phosphoreinträge in diesem Gebiet zu verringern. Denn: Je mehr Besucher, desto mehr wird entsorgt und desto mehr Stoffe geraten ins Ökosystem.

Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, erklärte den Ehrengästen, welche Möglichkeiten es bei der Abwasserentsorgung in einem Gebiet wie dem Obersee gibt. »Entweder mit einer modernen Kleinkläranlage das Wasser reinigen und dann hier im Untergrund versickern lassen. Oder das Abwasser ableiten zu einer leistungsfähigen Kläranlage.« Kleinere Kläranlagen hätten indes ein paar Nachteile. Zudem seien die Gewässer in diesem Gebiet so sensibel, dass man aus Sicht des Wasserwirtschaftsamts gar nichts anderes machen könne, als das Abwasser zur Kläranlage Berchtesgaden wegzuleiten. Dr. Marcel Huber sprach über die Schönheit der Umgebung. Er war bereits in seiner Wanderkluft gekleidet, da er im Anschluss mit Frau und Sohn eine kleine Tour unternahm. »Hier möchte jeder hin. Es werden auf Dauer immer mehr Leute.« Das sei zwar schön, was den Tourismus betrifft, aber »es bringt auch seine Probleme mit sich«, so der Umweltminister. »Vor allem infrastrukturell, was Straßen, Wasser und Abwasser angeht. Und das Ganze unter den Nationalpark-Bedingungen, das macht es schwierig.«

Infrastruktur für die vielen Besucher ausbauen

1,6 Millionen Besucher kommen jährlich hierher. Der Minister erinnerte daran: »Auch, wenn man eine moderne Kläranlage hat, am Schluss kommt das Wasser immer in den Seen an.« Diese Seen seien »das Wertvollste, was wir zurzeit haben«. »Dass es jetzt gelungen ist, dass wir auch eine Lösung gefunden haben, die auch die Gemeinde tragen kann, da habe ich auch etwas angeschoben«, so der Minister.

Die Summe von 1,3 Millionen Euro sei für die Kommune alleine nicht stemmbar, auch bei einer Förderung von zunächst 60 Prozent. »Das wäre noch ein zu großer Batzen gewesen.« Darum hätte das Ministerium eine Einzelfallentscheidung getroffen und die hohe Summe bewilligt.

Michaela Kaniber, Staatsministerin für Landwirtschaft und Stimmkreisabgeordnete für das Berchtesgadener Land, schwärmte ihrerseits von der schönen Heimat und bezeichnete die geplante Maßnahme als »Startschuss, uns fit zu machen für die Zukunft«. Wenn immer mehr Menschen kommen, müsse man auch die entsprechende Infrastruktur liefern. Annabelle Voss