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Ötzi zum Anfassen

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Eine Nachbildung von Ötzi mit seiner Ausrüstung findet sich original nachgebildet im »Haus der Berge«. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Mann aus dem Eis ist noch bis in den Mai hinein in einer Sonderausstellung im »Haus der Berge« zu sehen. Im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« erklärt Bärbel Auffermann von der »Stiftung Neanderthal Museum«, was Besucher dort erwartet.


24 Jahre ist es her, dass ein Bergsteigerehepaar einen gefriergetrockneten Leichnam in den Ötztaler Alpen gefunden hat. Besser bekannt als Ötzi. Noch immer fasziniert der Mann aus dem Eis. Warum?

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Bärbel Auffermann: Weil hier Geschichte an einem Einzelschicksal verständlich wird. Wir können Leben, Leiden und Sterben des Mannes nachvollziehen und uns mit ihm identifizieren, über Jahrtausende hinweg. Diese Faszination ist ungebrochen.

Im »Haus der Berge« findet derzeit eine Sonderausstellung statt. Im Mittelpunkt steht eine lebensechte Figur des Ötzi samt Kleidung und Ausstattung. Was bekommen »Haus der Berge«-Besucher sonst noch zu sehen?

Auffermann: Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf die Ausrüstung. Das ist ja das Faszinierende: Durch die Konservierung im Gletscher ist nicht nur der Leichnam, sondern die komplette Ausrüstung erhalten geblieben. Wäre er an anderer Stelle gestorben, würden nur ein paar Steinwerkzeuge noch von menschlicher Anwesenheit zeugen. So aber konnte die Ausrüstung untersucht werden. Rohmaterialien und ihre Herkunftswege sowie die Herstellungs- und Ausbesserungsprozesse können nachvollzogen werden.

Rund um Ötzi gibt es viele Geschichten, die in den Medien immer wieder die Runde machen. So etwa, dass es mehrere mysteriöse Todesfälle gab. Vier Menschen, die etwas mit Ötzis Leichnam zu tun hatten, starben, wie etwa »DIE ZEIT« berichtete. Zufall oder die Rache des Mannes aus dem Eis?

Auffermann: Das ist eher trauriger Zufall. Der weitaus größere Teil der wissenschaftlichen Bearbeiter Ötzis erfreut sich bester Gesundheit.

Seit wann gibt es die Ausstellung, wie viele Leute haben diese bereits besucht?

Auffermann: Sie tourt seit 1996 und wurde seitdem sicher von Hunderttausenden besucht.

Mit wie viel Aufwand ist es verbunden, solch eine Sonderausstellung zu realisieren? Wer war daran alles beteiligt?

Auffermann: Die Figur wurde von der Pariser Bildhauerin Elisabeth Daynès geschaffen. Basis dafür waren Daten, die Wiener Anthropologen zur Verfügung gestellt haben.

Mit der Rekonstruktion der Ausrüstung haben wir experimentelle Archäologen beauftragt, die auf die Kenntnisse der Restauratoren am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz zurückgreifen konnten, die die Originalausrüstung nach der Entdeckung analysiert und restauriert hatten. Kilian Pfeiffer