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Bis Mitte Dezember ist in Bischofswiesen mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen – Streit im Gemeinderat wegen Baumfällungen

Ab 4. Oktober wird entlang der Ortsdurchfahrt wieder gebaut

Bischofswiesen – Eigentlich hätte die Bischofswieser Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel nur den Beginn der Mauersanierungsarbeiten oberhalb der Bischofswieser Ache inklusive Verkehrsbehinderungen entlang der Ortsdurchfahrt ab 4. Oktober ankündigen wollen.

Mehrere zur Fällung markierte Bäume bei den »Dorfheiligen« waren am Dienstag Anlass für einen heftigen Streit im Gemeinderat Bischofswiesen. Die Bäume sollten einer Baustraße weichen, die für die Sanierung der Flussmauer erforderlich ist. Diese Buche kann laut Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel nun erhalten werden. (Foto: Kastner)

Doch dann entwickelte sich am Dienstag im Gemeinderat ein heftiger Schlagabtausch wegen einiger Bäume, die im Bereich der »Dorfheiligen« für die Errichtung einer Baustraße gefällt werden müssen. Oder nun auch nicht.

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Am Anfang des Tagesordnungpunktes »Bekanntgaben« stand die sachliche Information. Von Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel vernahmen die Gemeinderäte, dass am 4. Oktober der Startschuss für die seit Langem geplante Sanierung der Mauer oberhalb der Bischofswieser Ache erfolgen soll. Die Mauer unterhalb der Straße ist zwischen dem alten Bahnhof und dem Fußgängersteg beim »Brenner Bräu« in großen Teilen desolat. Geplant ist auf insgesamt rund 260 Metern Länge teilweise ein Neubau, teilweise eine Sanierung, in Teilbereichen soll auch betoniert werden. Obwohl im Herbst in der Regel Niedrigwasser angesagt ist, muss entlang der Ache zunächst eine Spundwand errichtet werden.

Aufwendig ist die Mauersanierung vor allem deshalb, weil der Untergrund wenig tragfähig ist. Zur Gründung muss man deshalb bis in den Straßenbereich vordringen. Und das wiederum wird bis etwa Mitte Dezember zu Verkehrsbehinderungen zwischen altem Bahnhof und »Brenner Bräu« führen. »Wir werden versuchen, die Zweispurigkeit so lange es geht zu gewährleisten. Die Engstelle »Bachhäusl« wird aber zeitweise mittels Ampelregelung nur einspurig befahrbar sein«, erklärte Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel. Weil die Fußgänger-Ampelanlage beim »Brenner Bräu« in dieser Zeit nicht mehr betrieben werden kann, sollen möglichst Schülerlotsen für die Schulwegsicherheit sorgen. Die Schüler sollen die für sie geeignetsten Schulwege im Rahmen des Verkehrsunterrichts zuvor begehen.

Zustände wie im Sommer bei der Errichtung der Verkehrsinsel an der Ortseinfahrt will man im Gemeinderat unbedingt vermeiden, wie im Rahmen der Diskussion zu spüren war. »So ein Chaos wie im Sommer wollen wir nicht mehr«, bekräftigte Bürgermeister Thomas Weber und Bernhard Heitauer (CSU) forderte, die »temporäre Einspurigkeit auf das absolut notwendige Maß zu beschränken«. Auf Unverständnis stieß im Rahmen der Debatte allerdings die Haltung des Landratsamtes, das einer weiträumigen Verkehrsumleitung bisher nicht zugestimmt habe.

Dann kam Sepp Stangassinger (UBB) auf mehrere Bäume im Bereich der »Dorfheiligen« zu sprechen, die mit roter Farbe markiert seien und offenbar gefällt werden sollten. »Wenn das so kommt, dann gibt es gegenüber der Apotheke keinen einzigen Baum mehr. Da reden wir von Ortsverschönerung und dann schneiden wir alles weg«, kritisierte Stangassinger und erinnerte an den Kahlschlag durch das Wasserwirtschaftsamt am nördlichen Ortseingang.

Es sei genau besprochen worden, welche Bäume beseitigt werden müssten, verteidigte sich Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel. Genau an dieser Stelle bei der Fußgängerbrücke sei die Errichtung einer Baustraße hinunter ins Flussbett erforderlich. Die Bauingenieurin versicherte aber, sich das noch einmal anzusehen. »Ich will ja auch nicht, dass zu viele Bäume wegkommen.«

Noch mehr auf Konfrontation ging Paul Grafwallner (UBB), der sich fragte, ob man »mit dem Bürgermeister und anderen in dieser Sache kompetente Entscheider« habe. Der Gemeindebaumeisterin warf der UBB-Gemeinderat außerdem vor, seinem Kollegen Sepp Stangassinger ständig ins Wort gefallen zu sein. Die Angriffe Grafwallners bezeichnete der Rathauschef als »Unverschämtheit« und erwähnte die »grüne Achse«, die sich auch künftig durch den Ort ziehen soll. »Da müssen halt einige Bäume weg, dafür werden andere Bereiche wieder bepflanzt.«

Grafwallner sprach sich allerdings dafür aus, einzelne Bäume auszugraben und sie später wieder einzusetzen, »sonst wird sich das Ortsbild erheblich verändern«. Unterstützung bekam die Gemeindebaumeisterin von Wolfgang Fegg (CSU), der aus eigener Erfahrung weiß, »dass Regine Enenkel jeder Baum am Herzen liegt«. Und für Bernhard Heitauer wird die ganze Angelegenheit dramatisiert. »Da braucht man sich nicht wundern, wenn in Deutschland nichts mehr geht. Jetzt tun wir wegen acht Bäumen rum und machen uns keine Gedanken über die Kosten, die bei Ausgrabung und Wiedereinsetzung entstehen«.

»Sorgen wegen der unglaublichen Schärfe, mit der Paul Grafwallner die Gemeindebaumeisterin angepflaumt hat«, machte sich Hans Metzenleitner (SPD). Grafwallner überziehe hier enorm und werde persönlich diffamierend. Dabei befinde man sich nun in Bischofswiesen halt in einer Phase, die auch Opfer erfordert. »Und vielleicht ist es um den einen oder anderen großen Baum nicht einmal schade, wenn er durch kleinere ersetzt wird.«

Regine Enenkel hat sich nach der Diskussion am Mittwochmorgen die markierten Bäume noch einmal angesehen. Wie sie dem »Berchtesgadener Anzeiger« mitteilte, geht es um vier oder fünf Bäume. »Da stehen zwei oder drei kranke Eschen, die sowieso weg müssen. Einen anderen können wir erhalten und den Ahorn in der Verkehrsinsel müssen wir beseitigen.« Ulli Kastner