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Abschied vom Staatswald und 31 Jahren Dienstzeit

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Der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, Peter Renoth (r.), absolvierte am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag im Büro am Brandholz. Zum 31. Mai geht der 64-Jährige offiziell in den Ruhestand. Für seine Verdienste um die Bayerischen Staatsforsten dankte ihm Betriebsleiter Dr. Daniel Müller. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Peter Renoth war sichtlich gerührt, als ihn seine Mitarbeiter am Forstbetrieb Berchtesgaden mit einer kleinen Abschiedsfeier überraschten. Zum 31. Mai geht der 64-Jährige, der 18 Jahre lang als 2. Bürgermeister den Marktgemeinderat Berchtesgaden angehörte, offiziell in den Ruhestand. Weil noch Resturlaub anfällt, war der letzte Arbeitstag in seinem Büro am Brandholz der Donnerstag.


Fast 31 Jahre lang hatte sich der stellvertretende Betriebsleiter als Experte in Sachen Forstrecht und als ausgezeichneter Ortskenner um den Staatswald verdient gemacht. Dankbar ist Peter Renoth dafür, dass er den allergrößten Teil seiner beruflichen Tätigkeit in Berchtesgaden verbringen konnte. Schließlich ist er mit dem Berchtesgadener Land eng verwurzelt, kennt hier alles und fast jeden. Das kam Renoth in seiner Zeit als stellvertretender Forstbetriebsleiter stets zugute.

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Geboren ist Peter Renoth eigentlich in der Oberau, doch schon im Alter von zwei Monaten zogen seine Eltern mit ihm nach Maria Gern, wo er im Haus »Jennerblick« aufgewachsen ist und heute noch wohnt. Nach dem Abitur am Gymnasium Berchtesgaden wäre Renoth beinahe zur Sparkasse gegangen, entschied sich dann aber doch für ein Studium der Forstwissenschaften an der LMU München. Schließlich war ihm die Affinität zum Holz in die Wiege gelegt worden. »In der Familie meines Großvaters gab es viele Holzknechte, mein Großvater war Haumeister am ehemaligen Forstamt Bischofswiesen«, sagt Renoth.

Persönlicher Referent des Landwirtschaftsministers

Nach neun Semestern legte der Gerer die Prüfung zum Diplom-Forstwirt ab, um die anschließende Referendarzeit in Altötting, Amberg und Augsburg zu verbringen. Die sogenannte Große Forstliche Staatsprüfung, also das zweite Staatsexamen, bestand Renoth 1980 als Sechsbester von insgesamt 33 Prüflingen. Die berufliche Laufbahn im Höheren Dienst begann 1980 am Forstamt Füssen, setzte sich später in Mindelheim und an der Forstdirektion in Augsburg fort, wo er im Büro des Forstpräsidenten beschäftigt war. Eine spannende Zeit erlebte Renoth danach im Landwirtschaftsministerium, wo er zwei Jahre lang persönlicher Referent von Staatsminister Dr. Hans Eisenmann im Referent Forsten war.

1987 erfuhr der Gerer, dass in Berchtesgaden die Stelle des stellvertretenden Forstamtsleiters frei wurde. »Das war für mich eine einmalige Gelegenheit, nach langer Zeit wieder nach Berchtesgaden zurückzukehren«, sagt Peter Renoth. Am 6. Juni 1987 trat er die Stelle an und hat es nach eigener Aussage nie bereut.

Spezialist in Sachen Forstrecht

»Es war eine hochinteressante, wenn auch nicht einfache Zeit«, denkt Peter Renoth zurück. Vor allem sein Detailwissen half dem Gerer bei seinen beruflichen Herausforderungen enorm. Das weiß auch sein Chef Dr. Daniel Müller: »Peter Renoth ist ein anerkannter Spezialist in Sachen Forstrecht. Er verstand es, komplizierte Verfahren unter Berücksichtigung politischer Aspekte erfolgreich umzusetzen. Renoth hat maßgeblich zum Erfolg der Bayerischen Staatsforsten beigetragen.«

Tatsächlich war Peter Renoth zuständig für alle Forstrechtsfragen und für die Liegenschaftsverwaltung. Ob Verträge mit Roßfeld-Skiliften, Jennerbahn oder Gemeinden, beispielsweise bei Wasser- und Kanalangelegenheiten – Peter Renoth nahm alles in die Hand. »Rund 1 700 Verträge galt es zu pflegen«, weiß der Diplom-Forstwirt.

Auch in puncto Verkehrssicherungspflicht wie Steinschlagschutz, Wegebau oder Unterstützung von Filmcrews beispielsweise bei der Location-Suche war das Wissen Renoths gefragt. Und das nicht nur in Berchtesgaden-Ost (Berchtesgadener Talkessel), sondern auch in den Revieren Bad Reichenhall, Inzell und Weißbach. Insgesamt betreut der Forstbetrieb Berchtesgaden sogar 28 000 Hektar Fläche, die sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und das östliche Chiemgau erstreckt. Doch die nördlichen Gebiete übernahm Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller.

20 Millionen Euro für den Wegebau

Die Pflege und der Neubau von Forstwegen war eine der Hauptaufgaben in den vergangenen Jahrzehnten. »Unser Ziel war es, durch den Ausbau von vorhandenen Rückewegen die Wälder mit Mobilseilkränen erreichbar zu machen«, sagt Renoth. 20 Millionen Euro hat der Forstbetrieb in den vergangenen 13 Jahren in den Wegebau investiert, rund 25 Brücken sind neu gebaut oder erneuert worden.

Und doch kamen die größten Herausforderungen meist unverhofft. Beispielsweise die Sanierungen nach Hochwasserereignissen: Larosbach/Saugraben, Almbachklamm und Röthelbach gehören dazu. Dann natürlich die aufwendige Aufarbeitung der Sturmschäden. »Wir haben die größte Hubschrauberbaustelle Europas organisiert«, sagt Peter Renoth stolz. Das war auf der Schwarzbachalm nach dem Sturm Kyrill der Fall, der vor allem an der Weißwand beim Wachterl enorme Schäden hinterlassen hat. »Trotz der verschiedenen Sturmschäden ist es uns gelungen, die Ausbreitung des Borkenkäfers knapp zu halten«, betont Renoth. Die Erfolge schreibt er aber auch seinen Mitarbeitern zu: »Wir haben immer als Team gearbeitet. Alleine erreicht man gar nichts.«

Die letzten größeren Herausforderungen waren die Abwicklung der Verträge zum Jennerbahn-Neubau und der Ausbau des kontaminierten Teers auf den Kehlsteinwegen. Trotz aller Kritik, die Peter Renoth in dieser Angelegenheit auch persönlich ertragen musste, sieht er sich im Nachhinein bestätigt. »Das war ja nicht unsere Idee. Und es ist alles wie geplant abgelaufen, das Gift ist weg.«

18 Jahre lang 2. Bürgermeister

Schon viel weiter zurück liegt die politische Laufbahn Peter Renoths. Drei Wahlperioden – von 1990 bis 2008 – gehörte er für die CSU dem Marktgemeinderat Berchtesgaden an, war in dieser Zeit auch 2. Bürgermeister. 14 Jahre leitete der Gerer auch den CSU-Ortsverband Berchtesgaden, 18 Jahre fungierte er zudem als Kreisrat. Dann zog er sich aus freier Entscheidung aus der Politik zurück, in der er es trotz drei Kandidaturen nie bis zum Bürgermeister geschafft hatte. »Das machte mir aber nichts aus. Schließlich hatte ich ja einen tollen Beruf«, erklärt Renoth.

Große Pläne hat der Gerer für seinen kommenden Ruhestand erst einmal nicht. »Ich lasse alles auf mich zukommen«, sagt er. E-Biken, Radfahren, Wandern, sich um Familie und Hund kümmern und vor allem gesund bleiben – das sind Renoths Wünsche. Denn eines weiß der 64-Jährige sicher: »Ich werde in kein Loch fallen«. Ulli Kastner