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Abschlussschüler haben »alle Chancen der Welt«

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Alle haben es geschafft. Mit berechtigtem Stolz konnten die CJD-Realschüler bei der Abschlussfeier im Schneewinkl ihre Zeugnisse in Empfang nehmen. Foto: Kastner

Schönau am Königssee – Für nicht wenige war es eine Rückkehr zu ihren schulischen Wurzeln. Denn zur Abschlussfeier und Zeugnisüberreichung an der CJD-Realschule Berchtesgaden traf man sich aus Platzgründen in der Aula der benachbarten Schneewinkl-Grundschule.


Und die Freude war groß, denn alle 55 Absolventinnen und Absolventen aus den drei 10. Klassen hatten die Prüfungen zur Mittleren Reife bestanden, sechs von ihnen sogar mit einer 1 vor dem Komma.

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Weil Schulleiter Wolfgang Greiner zusätzlich als Dirigent des Bläserensembles, das die Feier musikalisch umrahmte, im Einsatz war, übernahm dessen Stellvertreter Peter Althaus die Begrüßung. Er freute sich, dass mehrere Ehrengäste mit ihrer Anwesenheit der Schule ihre Wertschätzung entgegenbrächten. So waren neben stellvertretendem Landrat Rudolf Schaupp auch Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee, 2. Bürgermeister Bartl Mittner aus Berchtesgaden, Bürgermeister Thomas Weber aus Bischofswiesen, Bürgermeister Franz Halmich aus Marktschellenberg und Bürgermeister Herbert Gschoßmann aus Ramsau in den Schneewinkl gekommen. Rudolf Schaupp wandte sich direkt an die Abschlussschüler: »Der mittlere Schulabschluss ist geschafft, Ihnen stehen jetzt viele Wege offen«. Der stellvertretende Landrat machte den Mädchen und Buben hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft Mut: »Zwei Drittel der Betriebe finden aktuell keine Lehrlinge, jeder zehnte Betrieb bekommt nicht einmal eine Bewerbung. Da haben Sie alle Chancen der Welt.«

Schaupp gratulierte nicht nur allen Abschlussschülern im Namen des Landkreises und seiner Bürger sowie im Namen von Landrat Georg Grabner, sondern zollte auch dem CJD seine Anerkennung für seine vielfältigen Leistungen bei der Ausbildung. Deshalb sei der Landkreis auch bereit, die Realschule und das CJD im Allgemeinen weiterhin zu unterstützen.

Gratulation im Namen der Bürgermeister

Bürgermeister Hannes Rasp zeigte sich stolz darüber, dass die kleine Grundschule Gastgeber für die große Realschule sein dürfe. Einen erfolgreichen Realschulabschluss bezeichnete der Rathauschef als optimalen Startplatz für die weitere Ausbildung, damit sei der erste Lebensabschnitt geschafft. Rasp gratulierte den erfolgreichen Schülern im Namen aller fünf Talkessel-Bürgermeister.

Für Elternbeirat und Förderverein überbrachte Sonja Pletzer Glückwünsche zur Mittleren Reife. Für die Schüler, die nun den Schritt in die Berufswelt machen, gebe es allerdings noch viel zu lernen. Vor allem verlasse man nun die festen Strukturen an der Schule und müsse mit Neuem, Unbekanntem klarkommen. »Vertraut auf das, was Ihr gelernt habt«, riet Sonja Pletzer den Abschlussschülern.

Zusammen mit den Klassleitern Karin Kriner, Klaus Laxganger und Anna-Sophie Kümmerle überreichte Schulleiter Wolfgang Greiner den insgesamt 55 Schülerinnen und Schülern die Abschlusszeugnisse. Eine besondere Auszeichnung erhielten die sechs Abschlussschüler mit einer 1 vor dem Komma (siehe Kasten). Und Berchtesgadens 2. Bürgermeister Bartl Mittner lud die drei Besten (Michelle Hegewald, Fabian Behrendt und Simon Gasteiger) im Namen der Talkessel-Bürgermeister zu einem Mehrgängemenue ins Hotel »Kempinski« ein.

»Jetzt beginnt die Reise erst«, stellte Schülersprecherin Giulie Moos fest. Sie bestärkte ihre ehemaligen Mitschüler darin, den Mut zu finden, Entscheidungen zu treffen. Giulie Moos erinnerte an viele schöne Ereignisse während der Schulzeit wie die Klassenfahrten. Allerdings habe es auch unschöne Dinge gegeben, beispielsweise habe man sich auch oft mit den Lehrern »in den Haaren gelegen«. Trotzdem ging der Dank der Schülersprecherin an alle Lehrer dafür, »dass sie uns jeden Tag unterstützt und unsere Launen ertragen haben«. Deren Bemühungen werde man wohl erst in ein paar Jahren zu schätzen wissen.

»Traut Euch was«

Das letzte Wort an diesem spannenden Tag hatte Schulleiter Wolfgang Greiner. Er erinnerte daran, dass er in den letzten Schulwochen in einer Klasse eine 15-minütige Ansprache gehalten habe, weil das Arbeitsverhalten der Schüler nicht mehr in Ordnung gewesen sei. »Vonseiten der Schüler gab es darauf keine Reaktion, sie haben alles über sich ergehen lassen«, stellte Greiner fest. Er habe sich damals gedacht: »Was ist das nur für ein lascher, emotionsloser und blutleerer Haufen«. Greiner erinnerte sich an die eigene Schulzeit, in der es auch Konfrontationen mit den Lehrern gegeben habe. »Aber wir haben uns nicht alles gefallen lassen und uns gegen die Vorwürfe vonseiten der Lehrer verteidigt.« In diesem Zusammenhang forderte der Schulleiter die Mädchen und Buben auf: »Traut Euch was, kommt aus Eurem Schneckenhaus raus, auch wenn Autoritäten vor Euch stehen.«

Auch vor neuen Herausforderungen sollte niemand Angst haben, riet Greiner. Man dürfe schon einmal dem Chef widersprechen – »aber stets sachlich«. Auch zum gesellschaftlichen Engagement forderte der Schulleiter die Mädchen und Buben auf – auf ehrenamtlicher oder politischer Basis. »Und bewahrt Euch bei allem eine Spur Gelassenheit und Zufriedenheit.« Am Ende seiner Ansprache stellte Wolfgang Greiner fest: »Ihr seid alle prima Mädels und Jungs und habt es super hinbekommen.« Ulli Kastner