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Abwarten und Staub schlucken

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Hier empfiehlt sich ein Fahrzeug mit Allradantrieb: Die Anwohner des Bergbachs und ihre Gäste brauchen seit dem Hochwasser starke Nerven beim Autofahren. Fotos: Anzeiger/Fischer
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Über Staub und Stein: Feldweg-Feeling am Frauenberg.

Berchtesgaden – Rund 2,3 Millionen Euro Schaden hat das Hochwasser in der Marktgemeinde verursacht. Alleine 280 000 Euro sind für die Kläranlage fällig. Die Straßenarbeiten am Bergbach werden an die 290 000 Euro kosten. Geschehen ist dort allerdings noch nicht viel. Ein taktischer Schachzug, um schnellstmöglich einen Hochwasserschutz zu bekommen, wie Marktbürgermeister Franz Rasp in der jüngsten Gemeinderatssitzung verraten hat.


Die Maßnahmen, von denen der Markt inzwischen 40 absolviert hat, fördert der Freistaat mit dem Programm »Finanzhilfen für die Wiederherstellung der Infrastruktur in den Gemeinden« zu 80 Prozent. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden verteilt die Marktgemeinde je zur Hälfte auf die Haushaltsjahre 2013 (450 000 Euro) und 2014 (500 000 Euro).

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So weit, so gut. Mit den Zuständen am Bergbach (Mieslötzweg/Am Frauenberg) zeigte sich Michael Koller allerdings alles andere als zufrieden. Er forderte eine Sofortmaßnahme, um die Anwohner, darunter mehrere Zimmervermieter, zu entlasten. »Bei Hitze staubt es ganz gewaltig und Regen reißt riesige Löcher in die Fahrbahn«, schilderte er. Mehrere Anwohner, die der Sitzung als Zuschauer beiwohnten, warteten gespannt auf die Antwort von Franz Rasp.

Der gab zu, dass die momentane Situation unbefriedigend sei. Er gab allerdings zu bedenken, dass die Vorgehensweise des Abwartens taktisch sinnvoll sei. »Hätten wir sofort asphaltiert, hätten wir uns den Hochwasserschutz um Jahre nach hinten verschoben. Denn dann wären wir auf der Prioritätenliste des Wasserwirtschaftsamts nach unten gerutscht.« Geplant ist, Kanalrohre von über einem Meter Durchmesser sowie mehrere Rechen einzubauen, um ein künftiges Hochwasser besser im Griff zu haben. Diese Kosten würde das Wasserwirtschaftsamt übernehmen. Die Marktgemeinde müsste dann nur noch die Straße wieder herrichten.

Die von Koller geforderten Sofortmaßnahmen bezeichnete der Gemeindechef als wenig zielführend. »Bei einer Magnesiumdeckschicht staubt es lediglich in einer anderen Farbe«, sagte er. Auch Wässern bei Hitze sei wegen der Gefahr der Schlammbildung nur eine ganz kurzfristige Lösung.

Michael Koller zeigte sich im »Anzeiger«-Gespräch enttäuscht vom derzeitigen Zustand. »Ich hätte mir schon eine minimale Maßnahme gewünscht. Alleine deshalb, um den Anwohnern zu zeigen, dass man ihre Sorgen ernst nimmt. Immerhin müssen sie als Zimmervermieter mit Einbußen rechnen.«

Nach aktuellem Stand sollen die aufwendigen Bauarbeiten zum Hochwasserschutz, die sechs bis acht Wochen dauern sollen, Anfang September beginnen. Zuvor findet am 6. August eine Infoveranstaltung für die Betroffenen im Gasthaus »Reichenbach« beim Salzbergwerk statt. Christian Fischer