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Abwasserkanal für die Fischunkelalm?

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Schönau am Königssee – Wird in Kürze auch die Fischunkelalm am hinteren Ende des Obersees an das gemeindliche Abwasserkanalsystem angeschlossen? Möglich ist es, denn wenn das bis zu 600 000 Euro teure Projekt durch Zuschüsse finanziert werden kann, gibt der Gemeinderat Schönau am Königssee grünes Licht. So beschloss man es am Dienstag einstimmig.


Die Förderrichtlinien für Kanalbauten laufen laut Bürgermeister Hannes Rasp zum 31. Dezember 2015 aus. Wenn noch Zuschüsse für den Bau von Abwasserkanälen gewünscht werden, müssten diese bis Ende September eingereicht werden. Hier könnte sich laut Rasp noch der Anschluss der Fischunkelalm am Obersee anbieten. Deren Almbauer habe mitgeteilt, dass er bei zunehmender Anzahl von Touristen, die das Gebiet besuchten und Toiletten bräuchten, hinsichtlich des Abwassers etwas unternehmen müsse. Eine biologische Nachreinigung funktioniert laut Rasp in diesem schattigen Gebiet nicht richtig, außerdem gebe es keinen Stromanschluss.

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Eine günstige Gelegenheit für den Bau einer Abwasserleitung könnte der geplante Bau eines Funkmastens am nördlichen Ufer des Obersees sein. Dafür müsse ein Stromkabel von Salet zum Obersee verlegt werden, sagte der Bürgermeister. Im Zuge der Baumaßnahme könnte auch eine Abwasserleitung bis zum Nordende des Obersees und dann im See weiter bis zur Fischunkelalm verlegt werden. Laut Wasserwirtschaftsamt seien bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschussbar. Bei Gesamtkosten zwischen 500 000 und 600 000 Euro würden noch 200 000 bis 240 000 Euro bei der Gemeinde verbleiben.

»Es ist aber nicht Aufgabe der Gemeinde, im Nationalpark Toiletten zu bauen«, stellte Rasp klar. Zwar könnte die Gemeinde die Bauträgerschaft übernehmen, die Finanzierung sollte aber anders zustande kommen. Der Nationalpark als Eigentümer der Fischunkelalm begrüße das Projekt zwar sehr, habe dafür aber kein Geld zur Verfügung. Nun will man sich vonseiten des Nationalparks beim Umweltministerium für eine Förderung des Projekts stark machen. Ähnlich ist die Situation beim Biosphärenreservat, das ebenfalls keine Mittel zur Verfügung hat, sich aber für eine Förderung einsetzen will. »Wenn die Gemeinde die Restkosten übernehmen müsste, dann wäre das Projekt ohnehin gestoben«, sagte Bürgermeister Hannes Rasp.

Stefan Punz (CSU) als langjähriger Mitarbeiter der Königssee-Schifffahrt wusste, dass immer mehr Urlauber ein Ticket bis nach Salet lösten und zur Fischunkelalm wanderten. »Da ist wesentlich mehr los als früher. Wir würden einen Fehler machen, wenn wir den Leitungsbau nicht ins Auge fassen«. So sah es schließlich auch der Gemeinderat, der grundsätzlich grünes Licht für das Projekt gab. Allerdings muss vorher die Finanzierung gesichert sein.

Geprüft worden war in diesem Zusammenhang übrigens auch ein Kanalprojekt zur Grünsteinhütte. Dafür müsste aber ein Wasserschutzgebiet durchquert werden, was das Gesundheitsamt nicht erlaubt. Dieses Projekt ist somit hinfällig. Ulli Kastner