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Achtung, Blitzer – Marktschellenberg plant semistationäre Blitzanhänger

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Vorsicht, Radar: In Marktschellenberg wird oft mehrmals pro Woche geblitzt. (Foto: Pfeiffer)

Marktschellenberg – Seit elf Jahren ist der Blitzer neben dem Feuerwehrhaus im Einsatz. Zehntausende Raser wurden zur Kasse gebeten. In Hochzeiten bis zu 850 Fahrer am Tag. Für die Gemeinde bedeutet die vom Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern gemietete Radarfalle gute Einnahmen.


Verbands-Außendienstleiter Reiner Deyerer wehrt sich aber gegen die Behauptung, Gemeinden seien auf Profit aus. Noch in diesem Jahr könnten vermehrt semistationäre Blitzeranhänger zum Einsatz kommen.

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Das »Tor zu Salzburg«: In Marktschellenberg hört man das zwar nicht gerne, dennoch ist der Ort, durch den die Bundesstraße 305 verläuft, ein klassischer Durchfahrtsort, in dem die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h beträgt. Dass hier häufig deutlich zu schnell gefahren wird, ist schon lange ein Problem, dem man aber mithilfe des Blitzers neben dem Feuerwehrhaus begegnet. Dieser steht oft mehrmals pro Woche dort, meist an selber Stelle, »je nachdem, wie ihn die Gemeinde bucht«, sagt Reiner Deyerer, der den Außendienst des Zweckverbandes kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern leitet.

Stationäre Blitzer wie etwa in Baden-Württemberg sind in Kommunen noch nicht erlaubt. Allerdings, sagt Deyerer, laufe Ende April ein Pilotprojekt aus, das sich genau mit jenen semistationären Radarfallen beschäftigt. Also Blitzern, die per Anhänger bis zu zwei Wochen an ein und demselben Fleck stehen bleiben. In der Tat könnten noch in diesem Jahr solche Anhänger zum Einsatz kommen, die über einen längeren Zeitraum Schnellfahrer erkennen.

Auch Lärmschutz relevant

Radarfallen kommen vor allem bei Unfallbrennpunkten zum Einsatz, sagt Deyerer. Jede Messstelle werde rechtlich geprüft, »einfach so hinstellen ohne Grundlage ist nicht möglich«. In Marktschellenberg spielt auch der Lärmschutz eine Rolle, zudem die Nähe der Schule, des Kindergartens und der Asylbewerberunterkunft zur B 305. Außerdem führt die Ausfahrt der Freiwilligen Feuerwehr direkt auf die Bundesstraße. »Rechtlich kann man es also begründen«, sagt Reiner Deyerer. »Es hat sich bewährt, hier einen Blitzer aufzustellen.« In der Tat sind Autofahrer, die regelmäßig durch Marktschellenberg müssen, mittlerweile darauf konditioniert, kurz vor dem Ortsschild abzubremsen. Wurden zu Beginn der Messung 2007 zwischen 600 und 850 Fahrer in drei bis vier Stunden geblitzt, sind es heute »zwischen 80 und 130«, sagt Deyerer.

Der Zweckverband ist im Landkreis mittlerweile gut vertreten. Ob Bad Reichenhall, Schneizlreuth, Piding, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Berchtesgaden oder Anger: »Gemeinden buchen Messstunden«, so Deyerer. Ramsau überlegt gerade, ob der Zweckverband auch dort aktiv werden soll. Anders als allgemein angenommen werden die Verwarngelder nicht zwischen dem Zweckverband und den Gemeinden aufgeteilt. »Die Gelder fließen voll an die Kommunen«, sagt Deyerer. Diese müssten wiederum die Messstunden, die das technische Material und das Aufstellen der Anlage beinhalten, samt einer sogenannten Verfahrenspauschale zahlen.

»Gefährliche Punkte«

Marktschellenbergs Bürgermeister Franz Halmich sagt, dass nicht nur neben dem Feuerwehrhaus geblitzt werde, sondern auch an anderen relevanten Stellen. Auch er wehrt sich gegen die Aussage, Radarfallen dienten alleine der Aufbesserung der Gemeindekasse. »Das sind gefährliche Punkte, an denen zu schnell gefahren wird«, sagt er. Laut Reiner Deyerer gibt es Kommunen, die nur eine Handvoll Messstunden pro Monat buchen, andere holen sich das Blitzgerät für bis zu 80 Stunden in die Gemeinde. Von stationären Anlagen, die dauerhaft an Ort und Stelle stehen, hält Deyerer wenig. »Man sollte Verkehrsteilnehmern nicht die Sicherheit geben, dass sie wissen, wann geblitzt wird«, sagt er. Dass Marktschellenbergs Blitzer seinen Zweck erfüllt, davon ist der Zweckverbandsmitarbeiter überzeugt: »Es wird langsamer gefahren, es passieren weniger Unfälle.« Marktschellenberg ist in dieser Hinsicht Vorbild für andere Kommunen. In den Talkessel-Gemeinden und darüber hinaus wird man künftig also häufiger auf Radarfallen stoßen. Kilian Pfeiffer