weather-image

Akrobaten der neunten Generation

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Arthur Kaiser mit einem Teil seiner tierischen Belegschaft am Königssee. (Fotos: Meister)
Bildtext einblenden
Eine akrobatische Einlage außer der Reihe. Arthur Kaiser trainiert seine artistischen Fähigkeiten auch beim Zeltaufbau.

Schönau am Königssee – Wenige Stunden nach Ende der letzten Vorstellung in Bad Reichenhall war das große Zelt weggeräumt, einige Wagen bereits auf dem Weg zum Königssee. Am Dienstag verließ der letzte Wagen die tiefgründige Wiese von St. Zeno. Zwei Tage später steht das »Circus-Dorf« auf dem Königsseer Parkplatz, komplett neu aufgebaut. Auf festerem Grund diesmal. Die Tiere haben, wie in der Kreisstadt, viel Auslauf und erfreuen sich am frischen Gras. Die Arbeiter um Arthur und André Kaiser legen ein letztes Mal Hand an den Lichterketten über dem großen, bis zu 1 000 Zuschauer fassenden Zelt an. Es ist alles für den Auftakt des Gastspiels von Circus Kaiser vorbereitet. Bis zum Sonntag, 13. November, gastiert das mittelständische Unternehmen mit Postadresse in Franken und eigentlichen Wurzeln im sächsischen Zwickau am Königssee.


Obwohl die regionale Premiere noch bevorsteht, bekommt der Besucher schon die erste artistische Nummer geboten. Ein Helfer stemmt sich gegen eine normale Leiter und Arthur Kaiser schwingt sich scheinbar federleicht die vier Meter bis zur Lichterkette empor, unbeeindruckt von den leichten Schwankungen. Diese zeitsparende »Nummer« zeigt er noch einige Male. Dann hat er Zeit. Ein paar Minuten wenigstens, denn es gibt immer Wichtiges zu tun. »Es ist eigentlich ein 24-Stunden-Job«, sagt Arthur Kaiser und gibt noch ein paar Anweisungen an seine Mitarbeiter, die sich dann in Richtung Antilopen und Kamele bewegen. »Feierabend ist, wenn alles steht und leuchtet.«

Anzeige

Arthur Kaiser und sein Bruder André haben den Traditionszirkus, den es immerhin schon 270 Jahre gibt, im vorigen Jahr nach dem Tode des Vaters übernommen, in neunter Generation. Edmund und Anita Kaiser waren jahrzehntelang die Prinzipale des Familienunternehmens und vielfach auch in Berchtesgaden, seinerzeit meist am Triftplatz, zu Gast. Die Tiere von Circus Kaiser haben damals nicht nur das Publikum rund um die Manege begeistert, sondern avancierten auch zu Fernsehstars. In einer der frühen Folgen der Serie »Tierarzt Dr. Engel«, mit Wolfgang Fierek in der Titelrolle, wirkten sie als exotische Herde in den Alpen mit, angeführt noch von einer Elefantenkuh, die damals zum »Personal« des Zirkus gehörte und inzwischen ihr Feierabendfutter in Frankreich genießt.

Circus Kaiser setzt bewusst auf Nostalgie, was man auch Tradition nennen darf. »Ein Zirkus oder auch Circus ist in der Regel eine Gruppe von Artisten, die eine Vorstellung mit verschiedenen artistischen (zirzensischen) Darbietungen wie Akrobatik, Clownerie, Zauberei und Tierdressuren zeigt. Wirtschaftlich gesehen ist ein Zirkus ein Unterhaltungsunternehmen.« So definiert es das Lexikon. Und genau in diesem Sinne führen die Brüder Kaiser das Unternehmen weiter. Klassisch eben. Zur Freude von Kindern und großen Leuten, die das Bunte und manchmal Schrille sowie die artistische Leistung schätzen und zum Leidwesen so mancher Tierschützer, die ihre Ansichten zur Religion erheben und sich selbst zu den Hauptvertretern der Tiere. Arthur Kaiser sieht es gelassen. Die Tierhaltung im »Circus Kaiser« wurde wie in allen derartigen Unternehmen vielfach von Amtstierärzten geprüft und für gut befunden.

Rund 65 Tiere 20 verschiedener Arten sind derzeit mit dem Circus unterwegs. Neben diversen anderen Preisen wurde der riesige Exotenzug mit gleich 45 Tieren ausgezeichnet, eine Nummer, die Direktor Arthur Kaiser persönlich vorführt. Exoten ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn keines der Tiere stammt aus der freien Wildbahn, alle wurden in Zoos oder Wildgehegen geboren. Über 60 Prozent sind sogar in den »Circus Kaiser« hineingeboren worden.

Arthur Kaiser tritt außerdem noch als Akrobat, als Balanceur oder als Kunstreiter auf. In einem Unternehmen dieser Größe müssten alle vielseitig sein, sagt der Chef einer etwa 25-köpfigen Belegschaft, Familienmitglieder und Angestellte zusammengezählt. Wer in einer solchen Umgebung aufwachse, lerne gleich nach den ersten selbstständigen Schritten den Handstand, sagt er auch. Und so wundert es nicht, dass es die kleinen Artisten sind, die bald zu Publikumslieblingen werden. Auch im »Circus Kaiser« ist das nicht anders.

In Deutschland arbeiten derzeit etwa 280 Zirkusunternehmen. Große und kleine und rund 60 bis 70 mittelständische, wozu Kaiser gehört. Zirkus ist ein Live-Erlebnis, das vielen Spaß bringt. Den Zuschauern gewiss und auch den Zirkusleuten, wie an den Reaktionen von Arthur Kaiser zu merken war. In Bad Reichenhall fanden immerhin rund 5 000 Zuschauer den Weg zum großen Zelt vor den Toren der Stadt. Obwohl die Stadt Plakatwerbung untersagte. Was bei vielen Kreisstadtbürgern, die aber immerhin die »Mundpropaganda« genießen konnten, Unverständnis auslöste.

Was erwartet also das Publikum am Königssee? »Ein richtiges Traditionsprogramm mit vielen Tieren, mit Luftakrobatik, mit Clowns, Feuerspeier und Messerwerfer und allem, was eine vielseitige und kurzweilige Zirkusvorstellung ausmacht«, sagt Arthur Kaiser. Und Zirkus, sagt er auch, bedeute für ihn Tiere und Attraktionen. Und genau dies biete das Team in jeder Vorstellung.

»Circus Kaiser« gastiert bis zum 13. November am Königssee. Vorstellungen sind täglich, außer Dienstag und Mittwoch um 16 Uhr. Am Schlusstag beginnt die Vorstellung bereits um 14 Uhr. Ein besonderer Tag ist der Montag, dann gelten auch für die Eltern die Kinderpreise. Dieter Meister

- Anzeige -