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Alarmpläne in den bayerischen Kliniken

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»Alle sechs Kliniken in Traunstein und im Berchtesgadener Land sind mit Alarmplänen auf Ebola vorbereitet«, so Professor Thomas Glück vom Krankenhaus Trostberg. Foto: Klinikum

BGL/Traunstein – Der Ebola-Alarmfall in Salzburg wirft die Frage auf, wie die bayerischen Behörden und Kliniken auf einen Ebola-Fall vorbereitet sind. Nach Recherchen des »Berchtesgadener Anzeigers« haben zwar alle sechs Kliniken in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein keine spezielle Isolierstation mehr, sind aber dennoch mit speziellen Alarmplänen auf Ebola vorbereitet. »Bei einer größeren Anzahl von Ebola-Verdachtsfällen können wir in jedem der sechs Häuser spezielle Isolierstationen einrichten«, so Professor Thomas Glück vom Krankenhaus Trostberg. Bayerische Schengen-Fahnder sind ebenfalls entsprechend geschult, beim Aufgriff von verdächtigen Personen mit einer möglichen Krankheit wird ein Notarzt gerufen.


Wenn der junge Libanese auf der bayerischen Seite des Walserbergs aufgegriffen worden wäre, und hätte seine Ebola-Geschichte mit den verstorbenen Eltern erzählt, dann hätten die Beamten sofort den Notarzt verständigt, der den Patienten vermutlich in das Krankenhaus Bad Reichenhall oder Traunstein eingewiesen hätte. »Die Frage ist: Erkennen die Beamten eine Krankheit an der Kontrollstelle oder erst später in der Dienststelle, erzählt die kontrollierte Person von einer möglichen Krankheit oder schweigt sie?«, beschreibt Jürgen Thalmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd das Problem. Die Beamten sind mit Handschuhen ausgerüstet und werden bereits bei ihrer Ausbildung auf mögliche, ansteckende Krankheiten hingewiesen, »dieses Risiko haben aber nicht nur Schleierfahnder, sondern auch Polizisten bei einer Verkehrskontrolle tagtäglich.«

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Die Kliniken sind vorbereitet

Alle sechs Häuser der Kliniken Südostoberbayern haben zwar keine ausgewiesene Isolierstation, dafür aber spezielle Infektionsabteilungen. »Alle modernen Kliniken haben die Isolierstationen schon vor Jahren mangels Bedarf abgeschafft«, so Professor Thomas Glück, Chefarzt der Inneren Medizin am Krankenhaus Trostberg und als Infektionsmediziner zuständig für alle sechs Kliniken in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. »Ein Ebola-Verdachtsfall am Walserberg wäre vermutlich in die Klinik nach Bad Reichenhall oder Traunstein gebracht worden«, so Glück, »prinzipiell sind wir in allen sechs Häusern mit entsprechenden Alarmplänen gut vorbereitet«.

Grundsätzlich wird ein Patient mit Ebola-Verdacht in einem eigenen Zimmer der Aufnahmestation isoliert, Ärzte und Schwestern müssen sich mit entsprechender Ausrüstung schützen. Dazu gehören laut einem internen Merkblatt neben einer Atemschutzmaske und Schutzbrillen auch Handschuhe und ein langärmeliger Mantel. Weiter heißt es im Merkblatt für die Mitarbeiter der Kliniken, dass es keinen Transport des verdächtigen Patienten innerhalb der Klinik geben darf. Es erfolgt also de facto eine Isolierung, auch wenn es keine Isolierstation gibt.

»Wenn es sich um einen Einzelfall handelt, wird eine Kommission von Ärzten entscheiden, ob der Patient in ein anderes Krankenhaus mit Isolierstation verlegt wird«, so Glück. Das nächstgelegene bayerische Krankenhaus mit einer eigenen Quarantänestation ist das Klinikum in Schwabing. Wenn sich die Epidemie ausbreiten sollte und zum Beispiel Schwabing keine Patienten mehr aufnehmen kann, dann greift Plan B. »Wir haben in unseren Alarmplänen auch vorgesehen, dass wir eigene Isolierstationen einrichten können, und zwar in jedem unserer sechs Häuser«, so der Primararzt. In diesem Fall müssten erst Stationen und Betten freigeräumt werden, »aber seit der Vogelgrippe und der Schweinegrippe sind wir grundsätzlich darauf vorbereitet«.

Zumeist harmloser Beginn nach Infektion

Das Gefährliche an Ebola ist auch, dass die Infektion meist harmlos wie eine Grippe mit Schnupfen, Fieber und Heiserkeit beginnt. Ärzte, Pfleger und Schwestern sind bereits entsprechend sensibilisiert, wichtig bei Patienten mit Grippesymptomen ist die Frage: Woher kommen Sie? Dass sich jetzt in Spanien eine Krankenschwester mit Ebola infiziert hat, ist für Professor Glück unverständlich, »offensichtlich war sie nicht total isoliert und hatte bei den ersten Krankheitsanzeichen nicht entsprechend reagiert«.

Eine Behandlung oder ein Serum gegen Ebola gibt es noch nicht, »wir können nur die Symptome behandeln, also zum Beispiel Antibiotika geben und die Gerinnungsstörung kontrollieren«, beschreibt Glück die wenigen Möglichkeiten. Ein experimenteller Wirkstoff, wie in den USA getestet, sei in Deutschland weder erhältlich noch zugelassen. Michael Hudelist