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»Alle für Eine« beim Benefiz-Sturmfest

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Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, Sandra Rieder und Cengiz Öztunc vom Initiatoren-Team sowie Marco Boltz-Maltan (v.l.) probierten die T-Shirts mit dem Aktionsmotto gleich an. Fotos: Anzeiger/Weichold
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Die neunjährige Magdalena Gleißner (Mitte) zog das große Los mit der Nummer 1000 und gewann den Hauptpreis: ein Fahrrad im Wert von 800 Euro. Mit auf dem Bild sind ihr Bruder Bastian, die Eltern Heidi und Thomas sowie Christina Kurz (l.), eine der Initiatorinnen der großen Spendenaktion beim Sturmfest.

Bad Reichenhall – Trotz herbstlicher Temperaturen und vereinzelter Regentropfen war die große Benefizaktion »Sturmfest – Alle für Eine, gemeinsam gegen die Gewalt« am Samstagnachmittag in Bad Reichenhall ein voller Erfolg. Alle 3 500 Lose sind verkauft, Kuchenverkauf und Oldtimerfahrten spülten weiteres Spendengeld in die Kassen und die Zumba-Party beim Spitalparkplatz erwies sich als echter Besuchermagnet. Viele engagierte und helfende Hände haben einmal mehr dazu beigetragen, das 17-jährige Gewaltopfer Sarah zu unterstützen und ein deutliches Zeichen des Zusammenhalts zu zeigen. Sarah selbst ist angesichts der Welle der Hilfsbereitschaft »begeistert und überwältigt«, wie Initiatorin Sandra Rieder erklärt. Die breite Unterstützung helfe dem einst so lebensfrohen Mädchen, die traumatischen Ereignisse der WM-Nacht zu verarbeiten.


Die Idee zu der Benefizaktion hatte sich auf der Facebook-Seite »Du kommst aus Bad Reichenhall, wenn ...« entwickelt, die inzwischen über 2 100 Mitglieder zählt. Sandra Rieder ergriff die Initiative und setzte sich mit der Froschhamer Zunft in Verbindung, die ein Spendenkonto für Sarah eingerichtet hatte.

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Zusammen mit Markus Eckl, Jürgen Knebler, Cengiz Öztunc, Ulli Brodik, Christina Kurz und Frederik Finnhorst stellte Sandra Rieder das Programm für die Benefizaktion beim Sturmfest am Samstagnachmittag auf die Beine. Weitere rund 35 Helfer plus Bühnentechniker und Musiker waren mit dabei. Rüdiger Müller war extra aus der Nähe von Würzburg angereist, um ohne Unterbrechung bis gegen 22 Uhr die Spielstationen bei der Ägidikirche zu betreuen. Er war im Internet auf die Aktion aufmerksam geworden und hatte sich sofort bereit erklärt, beim Fest mitzuhelfen, obwohl er vorher vor Ort niemanden kannte.

Jeder einzelne Helfer, der Bauhof, Firmen und Vereine – alle Mitwirkenden haben die Benefizaktion ehrenamtlich unterstützt, gespendet, gearbeitet oder zur Verfügung gestellt, was gebraucht wurde. Die Oberstadler Frauen und die Frauen der Trachtenvereine backten Kuchen, so dass zusammen mit den Kuchenspenden der Bäcker letztlich über 30 Sorten verkauft werden konnten.

Der Bayerisch Gmainer Harald Brockmöller und seine Partnerin Elisabeth Meier aus Ruhpolding ließen ihre Beziehungen spielen und konnten den Ex-Biathlon-Profi Fritz Fischer dazu gewinnen, Besonderheiten für die Versteigerung am Abend zu spenden, zum Beispiel einen Original-Rennanzug der Biathlon-Nationalmannschaft, Trainingswesten, Mützen und so weiter.

Außerdem hatte das Paar am Abend zuvor ein Konzert der Seer in Ebbs besucht. Da die Band im gleichen Hotel wohnte, sprach sie Harald Brockmöller an und erzählte von Sarahs Schicksal. Spontan schrieben die Bandmitglieder persönliche Zeilen für das Gewaltopfer nieder und ließen diese mit CD und Autogrammkarte an die 17-Jährige überbringen.

Alle Hände voll zu tun hatten am Samstagnachmittag vor allem die Helfer des Losstandes, um dessen Organisation sich vor allem Christine Kurz gekümmert hatte. Betriebe und Geschäfte aus dem nahen und dem weiteren Umfeld bis nach Marquartstein und Bad Tölz spendeten großzügig rund 2 400 Preise, angefangen von zahlreichen Gutscheinen über Helme bis hin zum Hauptpreis, einem Fahrrad im Wert von 800 Euro. Die neunjährige Magdalena Gleißner aus Bad Reichenhall zog das große Los und gewann das Fahrrad. Sie und ihre Familie hatten insgesamt 20 Lose gekauft.

Währenddessen brachte die Zumba-Party mit zehn Trainern und etwa 30 Teilnehmern beim Spitalparkplatz sonnige Gefühle nach Bad Reichenhall. Bei südamerikanischen Rhythmen, die durch die Lautsprecher dröhnten, energiegeladener und lachender Zumba-Trainer auf der Bühne und ebenso gut gelaunter Teilnehmer davor war es gar nicht anders möglich, als von der ganzen Atmosphäre und der Musik mitgerissen im Takt zu wippen und Fröhlichkeit zu verspüren. Den ganzen Nachmittag über sammelten sich hier zahlreiche Zuschauer, einige von ihnen stellten kurzerhand den Regenschirm in die Ecke und tanzten mit. Auch ein Kinderbereich und Oldtimerfahrten, die insgesamt 400 Euro in die Spendenkassen spülten, wurden nach dem Regenschauer im Laufe des Nachmittags immer besser angenommen, die Hüpfburg war sogar bis 22 Uhr von fröhlich tobenden Kindern besetzt. Am Abend wurde zur Musik von mehreren Bands ausgelassen weitergefeiert, viele Besucher blieben bis spät in die Nacht in den verschiedenen Lokalen rund um den Angerer Brunnen und genossen das Nachtleben. Bei einer Versteigerung, die Cengiz Öztunc humorvoll als Auktionator durchführte, hatten die Besucher dann nochmals die Gelegenheit, den Geldbeutel für den guten Zweck zu öffnen. Attraktive Sammelobjekte, aber auch Gutscheine standen zum Verkauf.

Am meisten mit jeweils 150 Euro brachten ein aktuelles Trikot vom TSV 1860 München mit den Unterschriften aller Spieler und ein von der dreifachen Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch signierter Ski-Rennanzug. Besonders um das »Sechzger«-Trikot stritten zwei Fans recht lange und trieben das Gebot damit immer weiter in die Höhe. Tanja Weichold