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Alles anders in Schönau am Königssee?

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Das Schönauer Rathaus soll umgebaut, der Außenbereich komplett neu gestaltet werden. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Das Landschaftsarchitekturbüro »Narr Rist Türk« gestaltet das Areal rund um die neue Jennerbahn und plant zeitgleich das Rathausumfeld der Gemeinde.


Der Anspruch an das Projekt ist enorm, immerhin soll die neue 50-Millionen-Bahn deutlich mehr Besucher bringen und auch optisch ein Aushängeschild sein. Als »Leuchtturmprojekte« bezeichnet Landschaftsarchitekt Dietmar Narr das Vorhaben im Gespräch.

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Das Umfeld der Jennerbahn soll neu gestaltet werden. Was soll dort passieren und wie fügt sich das alles in die Umgebung ein?

Dietmar Narr: Die Außenanlagen werden durch das geteilte Gebäude der Jennerbahn geprägt. So gibt es etwa nach der Fertigstellung einen Buswendeplatz, barrierefreie Zugänge zu den Gebäuden und Kurzparkplätze für Pkw. Dabei orientieren sich die Gestaltungselemente und Materialien an den Gebäuden der Jennerbahn, aber auch an den bereits bei der Neugestaltung der Seestraße verwendeten Materialien. Zu berücksichtigen sind hier etwa der Busparkplatz oder das Touristinfogebäude. Zudem wird der Platz vor der Jennerbahn weitläufiger, sodass im Zusammenwirken ein neues touristisches Zentrum entsteht.

Den Fußgängern soll mehr Freiraum gegeben werden, sie sollen gleichberechtigt mit dem Straßenverkehr sein. Funktioniert das bei dem anzunehmenden zusätzlichen Verkehr, der an der Jennerbahn stattfinden wird?

Narr: Beispiele andernorts belegen, dass das funktioniert. Der Fachbegriff »Shared Space« ist in aller Munde, insbesondere aber in Brennpunkten des Tourismus. Die fußläufige Erschließung gibt die Gestaltung vor, der Autoverkehr muss sich also entsprechend einfügen.

Auch die Rathausumgebung in Unterstein soll neu konzipiert werden. Was ist dort geplant?

Narr: Das Rathaus erhält durch die Um- und Anbauten einen neuen, nach Norden sich öffnenden barrierefreien Eingang. Die Verlegung des Haupteingangs geht mit einer Umgestaltung des gesamten Bereichs zwischen Kindergarten und Zugang zur Kirche einher. Die Anforderungen der Gemeinde, mit dem Rathaus und seinem Umfeld eine wahrnehmbare Ortsmitte zu schaffen und gleichzeitig 95 Stellplätze sowie die Nutzung des Platzes für kirchliche oder kulturelle Veranstaltungen zu ermöglichen, können mit dem vorliegenden Konzept erfüllt werden.

Es soll eine mit regelmäßigen Baumblöcken versehene Pflasterfläche entstehen, die für den barrierefreien Haupteingang um rund einen halben Meter angehoben wird. Einen Abschluss nach Norden hin erhält die Fläche mit einer Brüstungsmauer. Die Mauer wirkt durch entsprechende Gestaltung auf der Nordseite, etwa mit einem Schriftzug oder einem Wappen als Wegweiser. Der Abschnitt der Untersteiner Straße, der im Übergangsbereich zum Kirchenplatz liegt, wird durch eine Fahrbahnverengung und entsprechende Belagsgestaltung in die Platzfläche einbezogen und trägt zur Geschwindigkeitsreduzierung des Fahrverkehrs bei.

Der Parkplatzcharakter vor dem Rathaus soll verschwinden und ein Alpen-Felsen-Garten direkt daneben entstehen. Ist das umsetzbar?

Narr: Der Parkplatz soll multifunktional nutzbar sein. Je nach Art der Veranstaltungen gibt es die Möglichkeit, unterschiedliche Bereiche abzusperren und den Parkplatz in Teilen nutzbar zu machen. Die Fläche nördlich der Stützmauer nimmt die Achse des Haupteingangs auf und leitet über einen Steg zum Alpen-Felsen-Garten als Teil des neu gestalteten Gemeindeparks. Die Umgestaltung und Weiterentwicklung der Grünflächen soll attraktive Aufenthaltsbereiche schaffen. Dabei werden ortstypische Themen aufgegriffen und in die Gestaltung einbezogen. Der Alpen-Felsen-Garten soll sowohl zur Information als auch zur Entspannung dienen. Ein umlaufender Bach, der durch eine Quelle gespeist wird, bietet die Möglichkeit, eine leicht zugängliche Kneippanlage zu integrieren.

Am Ende der doppelten Baumreihe der Platzfläche bildet ein weiteres Baumpaar die Kulisse für die Aufstellung eines Feldkreuzes beziehungsweise für einen Altar für Feldmessen oder für das Kriegerdenkmal. Weitere Stellplätze im Westen des Rathauses sind optisch von der Platzfläche abgetrennt. Sie erhalten einen begrünten Belag sowie eine Bepflanzung mit niedrigen Sträuchern sowie eine asphaltierte Fahrspur.

Auch die Untersteiner Straße, die durch den Ortskern führt, soll umgestaltet werden.

Narr: Die Neugestaltung der Untersteiner Straße hat das Ziel, durch gestalterische Maßnahmen eine Reduzierung der Geschwindigkeit und eine Erhöhung der Sicherheit sowie eine gleichzeitige Verbesserung der Aufenthaltsqualität zu erreichen. Für Fußgänger soll es einfach werden. Die Tempo-30-Zone wird durch die Verschmälerung der Fahrbahn auf maximal sechs Meter unterstützt. Rund um die Untersteiner Straße entsteht eine Kernzone, die mit dem gleichen Belag wie das Rathausumfeld gepflastert wird.

Wie sieht der Zeitplan für die Jennerbahn und das Rathaus aus?

Narr: Die Neugestaltung der Jennerbahn ist eilig, da diese ja schon im nächsten Jahr in Betrieb gehen soll und die Außenanlagen auch entsprechend vorhanden sein müssen. Von daher hat das Priorität bei der Umsetzung. Beim Rathaus ist erst einmal der Umbau des Gebäudes vorgesehen, die Baumaßnahmen für die Freianlagen sind dort im nächsten Jahr geplant.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Narr: Aufgrund unserer 30 Jahre Berufserfahrung können wir viel Know-how einbringen. Dennoch sind die beiden Projekte auch für uns Leuchtturmprojekte. Entsprechend haben wir das Projekt mit hohem Personaleinsatz versehen. Von Vorteil ist in jedem Fall die konstruktive Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung .

Ihre Firma war im Talkessel schon mehrfach aktiv. Welche Projekte haben Sie bereits verwirklicht?

Narr: Wir haben zum Beispiel die Neugestaltung des Aschauerweiherbads betreut, die Seestraße am Königssee mit dem Busparkplatz ebenfalls. Aktuell sind wir auch mit der Planung und der Bauleitung der Außenanlagen für das neue »Haus der Athleten« betraut.

Kilian Pfeiffer

Italian Trulli