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Alles im Griff

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Haben ihre Greifzangen stets dabei (v.l.): Johann Koller und Johann Sturm im Einsatz. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – Schnapp! Weg ist das Dönerpapier. Schnapp! Schnapp! Und verschwunden sind die Zigarettenkippen im gelben Sack.


Niemand kann auch nur annähernd schätzen, wie oft Johann Koller und Johann Sturm in ihrem Berufsleben diese typische Handbewegung gemacht haben. Koller ist seit 32 Jahren, Sturm sogar seit 36 Jahren im Dienst. Morgens um 7 Uhr schlüpfen die beiden in ihre orangefarbenen Overalls und schwingen sich in den kleinen Dacia. Bei Wind und Wetter. Der »Berchtesgadener Anzeiger« fuhr mit.

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Müll fällt im Markt immer an. Während der Sommersaison und an Feiertagen, wie Ostern, Weihnachten oder Neujahr, ist es besonders viel. An Wochenenden leeren Koller und Sturm im Marktbereich schon ab 6 Uhr in der Früh die Kübel und sorgen für ein ordentliches Ortsbild. Ihr Gefährt ist mit einer kleinen Müllpresse ausgestattet. Ist genug drin, zerquetscht beziehungsweise komprimiert eine Vorrichtung den gesammelten Unrat und es kann weitergehen. Auch Oberau und Obersalzberg gehören zu ihrem Wirkungsgebiet. Im Winter kommen Räum- und Streudiensttätigkeiten hinzu.

Die beiden Berchtesgadener können eine stolze Bilanz vorweisen. Johann Koller ist 55 Jahre alt und seit 32 Jahren dabei. Sein Kollege, der 59-jährige Johann Sturm sogar schon seit 36 Jahren. Momentan sind in der Marktgemeinde vier Mitarbeiter speziell für Ordnung und Sauberkeit im Einsatz. Erst vor Kurzem ging Josef Fegg in den Ruhestand. Stefan Hallinger und Johann Gebhardt ergänzen die aktuelle Mannschaft.

Besonders im Luitpoldpark und auf der Sonnenpromenade heißt es für das Arbeitsduo kurze Strecken fahren, aussteigen, mit dem Spezialschlüssel die Kübelhalterung lösen, den Müll auf die Ladefläche hieven, den Behälter wieder einhängen und weiter fahren. Man wechselt sich ab. Der eine fährt, der andere steigt aus und umgekehrt. Geredet wird selten. Koller und Sturm sind nach so vielen Jahren ein eingespieltes Team und große Überraschungen bietet der berufliche Alltag auch nicht.

Hundekot und Eisbecher

»Am meisten nervt im Luitpoldpark die Hundeproblematik. Hundekot und Beutel werden manchmal achtlos liegen gelassen, oder landen nicht in den extra eingerichteten weißen Spezialbehältern. Wenn es arg kommt, hängen die schwarzen Beutel listig versteckt im Heckengeäst«, wissen Koller und Sturm.

Nach einem sonnigen Wochenende sind die Müllkübel auf der Sonnenpromenade immer besonders voll. Ein paar Konsumverpackungen liegen im Kies und je nach Wetter sind die Eimer entsprechend gefüllt. Der Frühling hat zwar gerade erst begonnen, aber viele Eisbecher sind schon da. Besonders blöd finden die beiden die großen Pizzapappkartons. Die versperren alles und manchmal drehte eine Krähe schon vor ihnen die Runde und hat sich Restgebäck aus einer Hinterliegenschaft gepickt. Ab und zu kommt man sich auch in die Quere, und das schwarze Federvieh fliegt krakeelend Richtung Bahnhof davon.

Etwa 20 Tonnen im Jahr

Ebenfalls früh unterwegs sind die Flaschensammler. Die werden immer mehr. Was dem einen ein paar Cent bringt, freut auch die anderen. Das Müllvolumen reduziert sich für sie von selbst. »Trotzdem«, erwähnt Koller, »geschätzte 20 Tonnen Müll fallen pro Jahr wohl an.« Auch der Kurgarten ist eine nimmermüde Problemzone mit Müllgarantie. Mehr noch: Der Pavillon ist als schützender Treff- und Rückzugspunkt bei Jugendlichen begehrt. Oft wird hier »vorgeglüht« oder gefeiert. Dementsprechend sieht es am kommenden Morgen besonders chaotisch aus. Auch hier sind die Kübel wieder voll. Alle möglichen Verpackungsmaterialien, wie Chipstüten, Getränkedosen, Tetrapacks, Zeitungen oder irgendetwas »to go« tummeln sich in den großen verzinkten Behältern, wenn sie denn den Weg bis dahin überhaupt gefunden haben.

Auch die schweren Bänke müssen Koller und Sturm dann wieder auseinanderrücken und in ihre Ursprungspostionen schieben. Der Fußboden wird nun mit einer kleinen Kehrmaschine frei gefegt. Die ähnelt einem Rasenmäher. Zwei schwarze Bürsten drehen kratzend alle verbliebenen Kleinteile in den gelben Auffangkorpus. Der Müll landet danach auf dem Dacia, das Reinigungsgerät kommt wieder in den Verschlag. Der kleinste Müll aber macht den größten Aufwand. Achtlos weggeschnippte Zigarettenkippen liegen im Schotter und müssen ziemlich zeitaufwendig mit der Greifzange wieder herausgezwickt werden. Dann murmelt Sturm schon mal seine Meinung leise vor sich hin. Sein Gang wird jetzt dynamischer und für ihn typisch. Koller kümmert sich währenddessen um Sauberkeit rund um die Bassins. So kennt man sie. Jörg Tessnow