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Almarbeit am Fuße des Watzmanns

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Die Mitterkaseralm liegt auf 1 408 Metern Höhe am Fuße des Watzmanns. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)
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Sennerin Conny kann perfekt mit Tieren umgehen.
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Florian Stocker mit vier Kälbern.
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Conny in der Vorhüttn.

Ramsau – Gut zwei Stunden Fußmarsch sind zu bewältigen, um auf die Mitterkaseralm unterhalb des Watzmannhauses zu kommen. Seit 1872 gibt es die Alm in der Gemeinde Ramsau, sie gehört der Familie Stocker vom Hanötzlehen in Schönau am Königssee und liegt auf einer Höhe von 1 408 Metern. »Anzeiger«-Fotograf Bernhard Stanggassinger hat die Sennerin Conny besucht.


Auf dem Weg zum Watzmann begegnet man zunächst dem Almmarterl, die Almhütte liegt dann unterhalb des Weges in einer Senke. Die Alm hat ein mit Schindeln gedecktes Dach. Die Holzbalken sind sonnenverbrannt, über der Eingangstür hängt ein Kreuz aus Silberdisteln, darüber entdeckt man in lateinischen Zahlen das Jahr der Erbauung. Vor der Hütte laden ein paar Bänke und Tische zum Verweilen ein. Ein Brunntrog plätschert und wird von einem Blumenstrauß geziert.

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Die Alm ist seit drei Wochen bewirtschaftet. Im Inneren der Hütte gibt es einen Vorraum mit einer offenen, zurzeit unbenützten Feuerstelle, eine Kopfkraxe, ein Butterfass und mehrere Holzschaffel, daneben ein gemütliches niederes Stüberl mit einem Herrgottswinkel, Heiligenfiguren und Bildern, mehreren Gamskrucken und einer alten Zither.

Sennerin ist die 27-jährige Conny Heid aus Sollenberg im oberfränkischen Landkreis Forchheim; eine freundliche, fröhliche und mutige Sennerin, die einen herzlich begrüßt. Conny ist das erste Mal Sennerin und auf der Mitterkaseralm ist sie auf sich alleine gestellt. Die nächsten Hütten – Stubenalm, Schapbachalm oder das Watzmannhaus – sind ungefähr eine Stunde entfernt. Conny ist gelernte Dorfhelferin und hat die letzten acht Jahre auf einem landwirtschaftlichen Betrieb als ländliche Hauswirtschafterin gearbeitet. Im Internet bot sie über die zuständige Almstelle ihre Dienste als Sennerin an und wurde daraufhin von Rosi Stocker kontaktiert.

Im Januar war Conny erstmals in Berchtesgaden und stellte sich im Hanötzlehen bei der Familie Stocker vor. Die Mitterkaseralm hat sie zum ersten Mal vor drei Wochen gesehen. Die junge Sennerin muss dort 14 Kalbinnen versorgen. Wer bei ihr auf dem Weg zum Watzmannhaus vorbeikommt, der kann auch eine Brotzeit und etwas zu Trinken bekommen. Besuch von zu Hause hat Conny noch nicht bekommen, denn bei ihren Eltern ist zur Zeit Kirschenernte, sie besitzen 1 000 Kirschbäume. Zweimal war Conny schon auf dem Watzmannhaus und einmal auf der Archenkanzel. Den Schmuck für den Almabtrieb möchte sie unbedingt selbst machen, sie hofft, dass die Rosi ihr das zeigt. Extra für den »Anzeiger«-Fotografen hat die 27-Jährige ein Dirndl angezogen.

Es ist bereit 19 Uhr, die Sennerin versperrt ihre Hütte, in der einen Hand ein Almstock, in der anderen eine Schüssel mit Nudelsalat und aus ihrem Rucksack blitzt eine Weinflasche, geschmückt mit einem, Blumensträußerl. »Servus, ade...« – ihr Weg führt sie über die Benzinkurve hinunter zur Schapbachalm.

Dort ist Sennerin Christina, sie hat heute Geburtstag. Schließlich darf auch auf der Alm mal gefeiert werden. Bernhard Stanggassinger