weather-image
14°

Almbachklamm, Gemeindestraßen, weggerissene Brücken: Kommune benötigt 1,9 Millionen Euro

4.2
4.2
Bildtext einblenden
Vom Hochwasser der letzten Tage keine Spur: Friedlich fließt das Gewässer durch Marktschellenberg.
Bildtext einblenden
Dunkle Wolken über Marktschellenberg: 1,9 Millionen Euro Schaden hat das Hochwasser in der Kommune angerichtet. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer

Marktschellenberg – Ein Millionenschaden – das ist die Bilanz, die nun Marktschellenbergs Bürgermeister Franz Halmich in der jüngsten Gemeinderatssitzung nach dem großen Unwetter zog. Sowohl Wege als auch Brückenbauwerke wurden in Mitleidenschaft gezogen, das Rathaus überflutet und auch im Schwimmbad entstand beträchtlicher Schaden. In einem Sachstandsbericht gab es nun Einzelheiten.


Martin Wagner, Ingenieur für Bauwesen, hat den Ort besichtigt und eine Übersicht dessen gemacht, was das Hochwasser vor eineinhalb Wochen zerstört hatte. Die entstandenen Schäden sind immens. Noch immer ist nicht sicher, mit welchen finanziellen Mitteln die Zerstörungen beseitigt werden sollen. Eventuelle Fördermittel stehen bislang noch aus.

Anzeige

Das meiste hat die Almbachklamm abbekommen. Erste Schätzungen gehen von 400 000 Euro aus, die zum Wiederaufbau benötigt werden. Ingenieur Wagner lässt sich aber über Summen noch nicht aus: »Eine konkrete Kostenaussage kann zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben werden«, heißt es im Sachstandsbericht.

Ein Blick in diesen verrät, dass von der Almbachklamm nicht mehr viel übrig geblieben ist. Weite Teile sind in einer Übersicht rot markiert, dortige Wegabschnitte und Brücken sind nicht mehr vorhanden beziehungsweise müssen zwingend umgelegt werden, heißt es im Bericht.

Schwere Schäden, die jedoch repariert werden können, gibt es in weiteren Klammabschnitten, leichte Schäden sind die Seltenheit. Allerdings ist die Almbachklamm für die kleine Gemeinde von größter Bedeutung. Als touristisches Ausflugsziel zieht sie jedes Jahr Zehntausende Besucher an. Gemeinderat Peter Hüttinger (Freie Wähler) geht davon aus, dass aufgrund der Zerstörungen dieses Jahr locker 20 000 Besucher weniger kommen werden. Die finanziellen Einbußen seien beträchtlich, zumal die Almbachklamm eines der wenigen Ausflugsziele überhaupt in der Kommune ist.

Heftige Zerstörungen

Der Sachstandsbericht zeigt in nüchterner Weise das ganze Ausmaß der Naturgewalt: Murenabgang aus der Hammerstilwand, Wegbruch der Uferböschung bei einem Betondruckrohr, herausgerissener Brückenbelag und verbogene Geländer bei der ersten Längsbrücke, deformierte Übergänge, weggeflutete Treppen, diverse Verklausungen, die aus der Klamm herausgeschnitten werden müssen, meterhoch überschüttete Wegabschnitte, mit Murenmaterial überlagert, Totalverluste von Brücken, herausgerissene Widerlager, untergrabene Hänge, verdrehte Fundamente, verschüttete Holzbrücken.

Alle Schäden sofort zu beseitigen, sei nicht möglich, sagte Bürgermeister Franz Halmich, zumal erst ganz genau geplant und die finanzielle Angelegenheit geklärt werden müsse. Dass man sich im Marktschellenberger Gemeinderat im Klaren darüber ist, wie wichtig die Almbachklamm für die Gemeinde ist, stellte Peter Hüttinger fest. »Wir dürfen da nicht warten, sondern müssen sofort mit der Sanierung beginnen.« Ähnlicher Ansicht ist auch Sophie Stanggaßinger. Freiwillige seien zusammenzutrommeln und in einer großen Hau-Ruck-Aktion all jene Arbeiten zu leisten, die nicht zwingend von Fachfirmen ausgeführt werden müssen. Enttäuscht zeigte sich Hüttinger von Tourismusdirektor Michael Grießer, der kürzlich im Interview mit der Heimatzeitung kein Wort über die Almbachklamm verloren hatte. »Derweil ist die Einrichtung für unseren Ort von größter Bedeutung.«

Gemeindechef Halmich ging im Folgenden auf weitere durch das Hochwasser entstandene Schäden in der Gemeinde ein. Allein 1,1 Millionen Euro müssten in Wege, Straßen und etwa den Marktplatz investiert werden, um den ursprünglichen Zustand wiederherstellen zu können. Straßenbankette seien zuhauf in Mitleidenschaft gezogen worden, auch das Rathaus sei betroffen, der Keller überflutet, die Heizung vom Wasser beeinträchtigt. »Wenn es kalt wird, werden wir sehen, ob alles so funktioniert, wie es sein soll«, so Halmich. Auch im Schellenberger Schwimmbad haben die Regenmassen dafür gesorgt, dass Bodenplatten herausgerissen wurden, diverse Gemeindestege wurden einfach weggespült. Es gab vollgelaufene Keller, Wasserrohrbrüche, überflutete Pumpstationen. Die Infrastruktur habe am meisten unter dem Starkregen gelitten, so Halmich.

Uneingeschränkte Zusammenarbeit

Private Schäden habe es im Vergleich wenige gegeben. Dass in der Gemeinde alles so reibungslos funktionierte, dafür dankte der Bürgermeister dem gemeindeeigenen Bauhof und der Freiwilligen Feuerwehr Marktschellenberg, die »hervorragende Arbeit« geleistet habe. Die Zusammenarbeit mit Nachbarwehren, etwa der in Grödig, habe »super geklappt«. Grödig hatte Marktschellenberg zwei Paletten mit Sandsäcken geliefert, da diese in der Gemeinde ausgegangen waren.

Hochwasserschutz gesichert?

Benötigt wurden diese auch, weil die Ache in Marktschellenberg mit 3,1 Metern einen Rekordpegelstand aufwies. Beim Rekordhochwasser 2002 waren 2,95 Meter gemessen worden. »Das war ein Ereignis, das in dieser Dimension nicht vorhersehbar war«, so Halmich. Wie es nun weitergehen soll, wollte Bürgermeister-Stellvertreter Volkhard Geiger (Freie Wähler) wissen. »Wird der Hochwasserschutz bei uns nun ausgebaut?« Die Flussmeisterstelle habe davon Kenntnis genommen, weiß Franz Halmich. Viel höher hätte das Wasser in der Gemeinde auch nicht steigen dürfen. Bei einem Bruch der Seeklause am Hintersee wäre der Ortskern von Marktschellenberg unter Wasser gestanden, meint Halmich. Ob Brückenbauwerke aufgewertet werden müssten, werde sich noch zeigen. Wichtig sei, Verbesserungen zu erzielen, um bei ähnlichen Ereignissen gewappnet zu sein.

In der Gemeindeverwaltung hofft man nun darauf, dass sich Fördertöpfe auftun. Denn die Klamm soll so schnell als möglich wiedereröffnet werden – zumindest teilweise, wenn es nach dem Bürgermeister geht. Neben einer gezielten Planung vertraut dieser hier voll und ganz auf zahlreiche Freiwillige, die sich bereits zur Verfügung gestellt und bei der Gemeinde vorgesprochen haben. Tragetätigkeiten und Schaufelarbeiten seien für diese kein Problem. Alles Weitere werde sowieso von Fachfirmen erledigt. Kilian Pfeiffer